Suchen

Diese Seite verwendet Cookies, um Ihnen ein optimal auf Ihre Interessen zugeschnittenes Besuchserlebnis bieten zu können. Durch Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit Verwendung unserer Cookies einverstanden. Detailliertere Informationen zur Verwendung der Cookies und wie Sie Ihre Einwilligung jederzeit widerrufen können, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Ok

Status quo BIM: Wie europäische Architekten planen

Das „European Architectural Barometer“ hat Architekten in acht europäischen Ländern zum Einsatz von BIM befragt und liefert interessante Einblicke zur aktuellen Lage.

BIM – Building Information Modeling – scheint mittlerweile in der Baubranche allgegenwärtig geworden zu sein. Das digitale Planungsphänomen, das vor wenigen Jahren scheinbar als High-End-Lösung für High-End-Projekte begann, hat sich nun in großen Teilen der globalen Bauwirtschaft zu einem wichtigen Werkzeug entwickelt – auch für Bauprojekte in kleineren Größenordnungen. Dabei spielen die jeweiligen politischen Rahmenbedingungen und Bestrebungen bei der Nutzung und Implementierung durchaus eine relevante Rolle und erklären die vielen unterschiedlichen Entwicklungsstufen in den europäischen Ländern. BIM wartet mit vielen Vorteilen auf, aber es gibt auch ebenso viele Vorbehalte. Denn durch BIM werden nicht nur die Arbeitsmethode und die Kommunikation verändert, sondern auch der Prozess der Gestaltung wird beeinflusst. Eine Umfrage unter Architekten aus acht europäischen Ländern hat den Status quo ermittelt.*

*Alle folgenden Angaben sind Zusammenfassungen aus dem European Architectural Barometer, Arch-Vision

BIM-Nutzungsrate steigt in ganz Europa

Kaum ein Architekt plant noch auf Papier. Von einigen ersten Skizzen zur Ideenfindung oder schnellen Handzeichnungen abgesehen, findet seit nun mehr 25 Jahren die Erstellung des Planmaterials in den meisten Büros mit digitalen CAD-Programmen statt. Diese 2D- und 3D-Daten stellen bereits die Ausgangsbasis für die 4D (Konstruktion), 5D (Kosten) und 6D (Lebenszyklus) BIM-Daten. Von CAD zu BIM ist es jedoch in den meisten Ländern noch ein weiter Weg. Nicht so in den Niederlanden und in Großbritannien, wo bereits 94 % der befragten Architekten angeben, BIM-Software für ihre Projekte zu nutzen. Aber auch in Ländern wie Spanien oder Frankreich, die bei einer vergleichbaren Umfrage im Jahr 2011 mit 33 % bzw. 10 % noch zu den BIM-Schlusslichtern zählten, hat sich in den letzten Jahren eine enorme Wandlung vollzogen. In beiden Ländern gaben über 70 % der Architekten an, nun mit BIM vertraut zu sein. Dies mag unter anderem auch an den politischen Rahmenbedingungen liegen. In Frankreich beispielsweise wird der Einsatz von BIM aktiv gefördert. Ziel ist es, bis zum Jahr 2017 eine halbe Million Objekte mittels BIM-Software realisiert zu haben.

Vorteile der BIM-Software werden erkannt

Welche BIM-Software für welche Planungstätigkeit verwendet wird, ist – wie bei der CAD- Software auch – je nach Land unterschiedlich. Während beispielsweise in Großbritannien und den Niederlanden überwiegend mit Autodesk Revit gearbeitet wird, nutzen deutsche Architekten vermehrt ARCHICAD und Allplan. In den beiden Vorreiterländern UK und den Niederlanden wird bereits die gesamte Palette an Möglichkeiten der BIM-Software genutzt – von der Projektentwicklung und der Entwurfsphase über die Konstruktions- und Werksplanungsphase bis zur Ausführung und darüber hinaus in den Gebäudelebenszyklus. Grundsätzlich wird die Software jedoch hauptsächlich im Bereich der Projektentwicklung und des Entwurfs genutzt. Aus dem 3D-Modell werden 2D-Pläne sowie Visualisierungen generiert. Die Vorteile von BIM liegen nach Angaben der befragten Architekten klar in der Beschleunigung der Bearbeitungsprozesse, einer fehlerfreien Planung sowie einer Vereinfachung des Datenaustausches. In Großbritannien werden zudem die Vorteile der verbesserten Kommunikation und des vereinfachten interdisziplinären Teamworks genannt. Und in Deutschland werden unter anderem auch Vorteile in einer geringeren Fehlerquote und den damit reduzierten Kosten zur Mängelbeseitigung gesehen.

Hürden müssen überwunden werden

Trotz aller Vorteile gibt es europaweit auch noch Bedenken. Während in Italien die Bündelung aller Daten als großer Vorteil gesehen wird, wird gerade diese hohe Komplexität in anderen Ländern als Nachteil empfunden. Eine BIM-Software zu nutzen nimmt in der Planungsphasen mehr Zeit in Anspruch, da eine große Menge an konkreten Informationen direkt von Anfang an in das System eingepflegt werden muss. Die italienischen Architekten beklagen nicht den höheren Zeitaufwand am Anfang, sondern freuen sich über die Zeitersparnis bei der detaillierten Kalkulation. Gerade in den beiden Ländern, in denen die Nutzung von BIM am weitesten fortgeschritten ist, wurde erkannt, dass noch nicht alle Projektbeteiligten gleichermaßen befähigt sind, die Software richtig zu nutzen. Sie sehen eine aktuelle Hürde in dem Erwerb von BIM-Knowhow und der Schulung aller Beteiligter.

Erwartungshaltung – auch gegenüber der Industrie

Viele Architekten nehmen momentan noch eine abwartende Haltung gegenüber BIM ein. Sie wissen, dass die neue Planungsmethode auf dem Vormarsch ist, scheuen aber – wie in Polen – Investitionskosten oder wollen – wie in Deutschland – abwarten, bis die Systeme ausgereift sind. Erst wenn die Auftraggeber konkret nach dem Einsatz von BIM verlangen, planen viele Architekten nachzuziehen. In Frankreich wird diese Entwicklung jedoch bereits im Laufe eines Jahres erwartet. 22 % der Architekten geben hier an, innerhalb der nächsten 12 Monate in die BIM-Thematik einzusteigen. Sie sehen dann auch konkrete Auswirkungen für die Industrie – denn nur BIM-kompatible Produkte haben dann noch eine Chance. Die Internetseiten der Hersteller sowie BIM-Libraries, welche die Daten verschiedener Hersteller bündeln, werden als wichtigste Informationsquellen angesehen. Ein Großteil der Architekten gab an, gerne auf herstellerspezifische Daten zurückzugreifen, die dann einfach in das 3D-Modell integriert werden können. Dabei spielen in vielen Ländern besonders Herstellerinformationen aus den Bereichen Konstruktion sowie Türen und Fenster eine große Rolle. In Deutschland nahmen mit 29 % aber auch die Produkte aus dem Bereich Klima, Heizung, Lüftung einen wichtigen Part ein. Grundsätzlich erwartet ein Großteil der Befragten, dass Hersteller 3D-Objektinformationen für ihre Produkte zur Verfügung stellen. Je leichter die komplexen Daten zu generieren sind, desto einfacher wird die Verwendung für Planer.