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„Peter Lustig kam mir immer sehr eigenbrötlerisch vor“

Für die meisten Menschen ist das Wohnen in Mietshäusern oder Eigenheimen ganz normal. Nachbarn kommen und gehen, Sesshaftigkeit ist entweder selbstverständlich oder steht gar nicht zur Debatte. Anders bei Eva Zitta. Sie stellte fest: Irgendwas läuft hier falsch. „Obwohl ich immer mit Menschen zusammengelebt habe, wirkten klassische Wohnkonzepte auf mich zufällig, zusammengewürfelt“, sagt sie. Sie beschloss, anders zu leben. Ihre Vision: sich selbst versorgen, unabhängig sein, wenig besitzen – und vor allem in echten Vertrauensverhältnissen zusammenwohnen.

Doch wie könnte dieses Leben konkret aussehen? Die 32-Jährige erinnert sich an einen Bauwagen auf dem Grundstück ihrer Eltern. „Da waren lediglich ein Bett und ein Tisch, mein Vater las dort regelmäßig, ein schöner Ort“, erzählt sie. „Nomadenhaft und einfach zu wohnen, aber gleichzeitig die Chance zu besitzen, sich Gemeinschaften anzuschließen, die für mein Leben einen Sinn ergeben, die Idee begeisterte mich.“ Als ihr ein Künstler seinen maroden Bauwagen samt Renovierungsarbeiten anbot, wusste sie: Das ist es. „Bei der ersten Besichtigung sprachen wir gleich über Wandfarben. Das war im Herbst 2014.“ Seitdem wurde neu verkleidet, geschraubt, gestrichen. Der alte Bauwagen verwandelte sich in ein gemütliches und mobiles Heim. Vergleiche mit Peter Lustig findet sie eher seltsam: „Der wirkte immer sehr eigenbrötlerisch. Ich möchte reisen, Menschen treffen und herausfinden, in was für einer Gemeinschaft ich mich wohlfühle. Es geht mir um Verbindung, nicht um Vereinzelung.“

Nach dem geplanten Einzug im Sommer 2016 will sie ihre Versorgung selbst übernehmen. Beheizt wird der kleine Wagen mit einem Ofen, später plant sie mit Photovoltaik, Solarthermie und sanitären Anlagen auf Kompostbasis – nicht ohne Grund: „Ich denke, dass Phänomene wie Isolation und Anonymität viel mit der Entkopplung von solch alltäglichen Prozessen wie der Energieversorgung zu tun haben“, meint Eva Zitta. Sie fände es großartig, wenn sich mehr Menschen auf die Suche begeben würden. „Egal, welche Antworten man letztlich für sich findet.“

Eva Zitta

Sprachwissenschaftlerin und Theaterregisseurin Eva Zitta zieht ab Sommer 2016 in einen energieautarken Bauwagen

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