Wiederherstellung der alten Pracht

Heute, knapp zwei Jahre später und gut zehn Monate nach „Wiedereröffnung“ der Martini-Kirche als „Gourmet-Tempel“ sind aber selbst die letzten kritischen Stimmen gegen die Entscheidung verstummt. Denn der Bauherr hat den „Baukörper Kirche“ zwar zu einem exklusiven Gastronomiebetrieb mit Restaurant, Lounge und Biergarten umfunktioniert, die Kirche zugleich aber mit viel Einfühlungsvermögen und finanziellem Einsatz wieder so weit in ihre alte Pracht zurückversetzt, dass sie „im Gegensatz zu den letzten Jahrzehnten von Heute auf Morgen wieder als Gotteshaus genutzt werden könnte.“

Gesamteindruck des Kirchschiffs nah am historischen Original

Das ortsansässige Architekturbüro Bruns ließ so beispielsweise als erstes die während der griechisch-orthodoxen Nutzungsphase eingezogene Zwischendecke wieder entfernen, band das bis dato abgemauerte Seitenschiff neu an und öffnete es zudem wie im Ursprung vollständig gegenüber dem Hauptschiff. Das Ergebnis ist frappierend: In Verbindung mit der stilvollen Einrichtung, mit Theke, Bar, Sitzgruppen und Esstischen als eindeutige Insignien der gastronomischen Nutzung ist der Gesamteindruck des komplett sanierten Kirchschiffs dem historischen Original näher, als dieses es selbst wahrscheinlich jemals war.

Dieses Ergebnis zeigt sich auch dadurch, weil dieselbe stilbildende Feinfühligkeit auch bei jenen Umbauarbeiten bewiesen wurde, die für das Wohlfühl-Ambiente und die Funktionalitäten eines anspruchsvollen Restaurants zwingend notwendig sind. Ein gutes Beispiel dafür ist die gewissermaßen unsichtbare Abtrennung des kleinen Saales auf der Empore zum Kirchenschiff durch die Ausfachung der Spitzbögen mit Glaselementen oder die behutsam durch eine Stahlbetonkonstruktion ersetzte hölzerne Orgelempore, auf der sich – von unten nicht einsehbar – eine hochmoderne Cocktaillounge befindet, die wie die gesamte Einrichtung in reizvollem Kontrast zu den mit Farbe und Licht herausgearbeiteten Elementen der Neugotik und des offenen Holzsprengwerkes im Dachstuhl steht.

Reizvoller Mix aus Historie und Moderne

Für Fiolka, der rund drei Millionen Euro in das Projekt investierte, war es gerade dieser Gegensatz, der Mix aus Historie und Moderne, der ihn an dem Konzept „Gourmet-Gastronomie in der Martini-Kirche für ein anspruchsvolles Publikum“ so reizte: „Man verliebt sich während der Umsetzungsphase förmlich in ein solches Projekt, entdeckt mit dem Baufortschritt immer Neues und wirft dann durchaus auch die ursprüngliche Planung nochmals über den Haufen, wenn damit ein Bereich des Gebäudes noch schöner, besser und interessanter zu werden verspricht.“

Wohlfühl-Aspekt Haustechnik

Ein Anspruch, den Fiolka dabei gleichermaßen auf die innen-architektonischen Elemente des „Gourmet-Tempels“ wie auf die technische Gebäudeausstattung bezog. Denn wer als Gast in einem solchen Hause stundenlang im Kreise Gleichgesinnter genussvoll essen und trinken, sich unterhalten oder unterhalten werden möchte, der erfreut sich zwar die ganze Zeit über am stimmungsvollen Umfeld, erlebt es aber gerade deswegen auch mit allen Sinnen in einer sehr hohen Intensität. „Selbst leichte Zugluft“, skizziert Fachplaner Anders das Spannungsfeld, „oder eine ungleichmäßige Temperaturverteilung wird gerade dann umso störender empfunden und kann dazu führen, dass völlig irrational und losgelöst von der Qualität des Essens der gesamte Restaurantbesuch einen negativen Beigeschmack bekommt.“ Um das von vorneherein auszuschließen, mussten Anders bei der Planung und Beckert, Geschäftsführer der Fritz Michel Gas Wasser Licht GmbH als ausführendem Fachhandwerksunternehmen bei der Umsetzung der Heizungs- und Sanitärtechnik in dem historischen Prestige-Projekt im wahrsten Sinne des Wortes alle Register ziehen: „Die Außergewöhnlichkeit des Baukörpers mit den daraus resultierenden speziellen thermischen Bedingungen war an sich schon eine Herausforderung. Verstärkt wurde das durch die Besonderheit der Nutzung als Gastronomiebetrieb. Hier mussten unter anderem eine stark variierende Auslastung und ständig wechselnde raumklimatische Bedingungen aufgrund offen stehender Türen berücksichtigt werden. Außerdem war ein schneller Austausch des zum Beispiel durch Zigarettenrauch belasteten Luftvolumens gefordert.“