Schloss Valley

mini-BHKW deckt 90 % des Strombedarfs in denkmalgeschütztem Schloss

Mehr als zwei Jahrzehnte lang suchte der Eigentümer von Schloss Valley ein wirtschaftliches, sicheres und komfortables System zur Wärmeerzeugung. Erst mit Scheitholz, dann mit Flüssiggas allein sowie kombiniert mit Hackschnitzeln. Doch keines der Konzepte wurde den Anforderungen des Objektes gerecht. Bei der Installation der Heizungsverteilung in einem Erweiterungsbau wurde 2010 deshalb auch die Wärmeerzeugung erneuert. Die Entscheidung fiel zugunsten eines erdgasbetriebenen hocheffizienten mini-BHKWs in Kombination mit einem Spitzenlastkessel. Wie üblich wird das in Valley installierte mini-BHKW wärmegeführt betrieben. Aufgrund der Größe des Anwesens und der Art der Nutzung bot sich jedoch die Möglichkeit des nahezu ganzjährigen Betriebs. Daraus resultiert wiederum ein entsprechend hoher Stromertrag. Dieser ist ausreichend, um mehr als 90 % des Strombedarfs des Anwesens zu decken. Beim Umbau der Heizungszentrale erwies sich die komplexe Anordnung des ständig erweiterten Objekts als besondere Herausforderung für den Heizungsbauer.

Orgelmuseum mit 800 Jahren Baugeschichte

Ein kleiner Exkurs in die Nutzung des Geländes veranschaulicht die Besonderheiten des Vorhabens. Die Burg Valley mit dem zugehörigen Pflegeamts- und Gerichtsgebäude wurde gegen Ende des 12. Jahrhunderts erbaut. Nur das letztgenannte Gebäude ist heute noch vorhanden. Im 16. Jahrhundert und 1788 wurde das heute unter Denkmalschutz stehende Gebäude jeweils saniert und beträchtlich erweitert. Kurz vor dem Verfall des historischen Gemäuers erwarb Dr. Sixtus Lampl 1987 das Anwesen. Zu dieser Zeit arbeitete er als Oberkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. Dort war er ab 1980 auch als Orgelreferent tätig und für die Betreuung aller historischen Orgeln in Bayern verantwortlich. Primär ging es um den Erhalt der Musikinstrumente. Bei seinen Bemühungen, eine dieser Orgeln vor der Verschrottung zu bewahren, wurde Sixtus Lampl unversehens selbst zum Besitzer. Platz dafür war jedoch nicht vorhanden. Der wurde erst durch den Kauf des Anwesens in Valley gefunden. Für Sixtus Lampl war dies schließlich auch die Keimzelle zu seiner Vision, ein Orgelzentrum zu errichten. Heute besitzt er mit etwa 60 Pfeifenorgeln die vermutlich weltweit größte Sammlung dieser Art.

Komplexe Gebäudestruktur aufgrund kontinuierlicher Erweiterung

Das Hauptgebäude des Anwesens ist der Profanbau, in dem früher unter anderem auch Gericht gehalten wurde. Obwohl der Bau der größte seiner Art im Landkreis Miesbach ist, erwies er sich schnell als zu klein für die Orgelsammlung. Im Laufe der Jahre musste permanent neuer Raum geschaffen werden. Nebenbei kam es auch hierbei zu aktiver Denkmalpflege. Zuerst diente ein vermutlich um 1780 erbauter Bundwerkstadel als Erweiterung. Zuletzt kam eine 1923 erbaute Sägewerkshalle dazu, die nach ihrem Konstrukteur benannte Zollingerhalle. Beides sind technische beziehungsweise historische Denkmalbauten, die andernorts standen und nach Valley umgesetzt wurden. Darüber hinaus musste der Schlossherr die lange vernachlässigte Bausubstanz des Hauptgebäudes sanieren. Als der südliche Giebel des Kernbaus einzustürzen drohte, kam 2010 noch ein stützender Anbau hinzu.

Zuvor wurde erst mit Flüssiggas-, dann mit Hackschnitzeln geheizt

Mit der Installation der Heizungsanlage im Anbau wurde der SHK-Betrieb Gerold aus Bad Wiessee betraut. Bei der ersten Projektaufnahme offenbarte die bestehende Heizungszentrale jedoch derart eklatante Schwächen, dass auch hier eine umfangreiche Sanierung erfolgen musste. Über 23 Jahre hinweg war der Schlossherr bei der Wärmeerzeugung Kompromisse eingegangen. Anfangs wurde das Haupthaus über einen mit Scheitholz befeuerten Konvektionsofen beheizt. Später dann mit einer zentralen Warmwasserheizung, die analog mit der Einbindung der Erweiterungsbauten angepasst wurde. Als Wärmeerzeuger dienten erst ein Flüssiggas- und dann ein mit Hackschnitzel befeuerter Feststoffkessel. Das für die Hackschnitzel benötigte Kleinholz war in Bayern seinerzeit noch günstig zu bekommen. Innerhalb von 23 Jahren kam es dabei mehrfach zu Störungen bei der Brennstoffbeschickung. Zudem wurde der Kessel zweimal aus Kulanz ersetzt.