Heterogene Wärmeverteilung

Die nächsten für Gerold zu lösenden Probleme waren die Wärmeverteilung und die hydraulischen Eigenheiten der bestehenden Anlage. Hier erschwerte die Anordnung der Gebäude, der Mix der Wärmeübertragung sowie die teils nicht bekannte Leitungsführung die Neugestaltung der Heizzentrale. Insgesamt gehen drei Hauptkreise vom Kesselhaus ab. Dazu kommen noch eine Nebenverteilung für die Zollingerhalle sowie ein Kreis für das Schwimmbad. Die Wärmeübertragung in den Bauteilen ist uneinheitlich. Sie beinhaltet ein Lüftungsregister, konventionelle Heizkörper und Flächenheizungssysteme in Boden und Wand.

Wandheizung schützt Bausubstanz vor Feuchteschäden

Sowohl in Teilen des Hauptgebäudes als auch in der Zollingerhalle ist überdies eine spezielle Wandheizung für altes Mauerwerk installiert. Sixtus Lampl, nun Pensionär, hat sie zu seinen Zeiten als Oberkonservator selbst empfohlen und sie wurde in vielen alten Objekten angewendet. Sie soll für eine ausreichende Raumtemperierung sorgen und gleichzeitig die alten Mauern vor Feuchteschäden bewahren. Dazu sind in etwa 30, 90 und 150 cm Höhe in den Außenmauern 15 mm Kupferrohre unter Putz verlegt. Sie liefern ausreichend direkte Wärmestrahlung und schaffen für die Besucher ein akzeptables Wärmeempfinden. Gleichzeitig lässt sich die Temperierung der zum Teil sehr hohen Räume – die Zollingerhalle ist 8,25 m hoch – auf einem Niveau um 18 °C halten. Überdies ergaben sich aus der Warmwasserbereitung besondere Anforderungen, weil sie nur punktuell hohe Zapfraten erfordert. Im Normalbetrieb entspricht der Warmwasserverbrauch des Anwesens dem eines großen Haushalts. Allerdings ergeben sich bei Konzerten oder Führungen Bedarfsspitzen.

Zwei Speichertypen mit zentraler Regelung

Gerold entschied sich für die Installation zweier Pufferspeicher mit Volumen von jeweils 1.000 Liter. Speicher eins – er enthält die größte Wärmemenge und hat das höhere Temperaturniveau – ist ein Multifunktionsspeicher mit innenliegendem Wärmeübertrager zur Warmwasserbereitung im Durchlaufprinzip. Der Wärmeübertrager ist so dimensioniert, dass bei einer Aufheiztemperatur von 65° C, NL-Zahlen von 5 bis 10 erreicht werden können. Der Multifunktionsspeicher ist nach dem Tichelmann-Prinzip mit dem zweiten Puffer seriell gekoppelt. Abhängig vom Temperaturniveau der Wärmeabgabe (Heizkörper oder Flächenheizung) erfolgt die Entnahme für die Heizkreise aus beiden Speichern. Zur optimalen Brennwertnutzung ist der Rücklauf im Kesselkreis am kälteren Pufferspeicher angeschlossen.

Die zentrale Regelung basiert auf intelligent kombinierten Standardprodukten

Eine zentrale Regelung neu aufzubauen war schlichtweg zu teuer. Stattdessen wurden Standardprodukte des Remscheider Heiztechnikspezialisten intelligent kombiniert. Die Mischer der Heizkreise erhielten Mischermodule des Typs VR 60/3. Damit lassen sich jeweils bis zu zwei Heizkreise regeln. Diese sind auf einen calorMATIC 630/3 Regler aufgeschaltet. Im Gesamtpaket ergibt sich daraus eine zentrale und auch vom Nichtfachmann leicht bedienbare Regelung. Parallel dazu erfolgte der Einbau von Hocheffizienzpumpen. Der hydraulische Abgleich ließ sich allerdings nur durch Ausmitteln realisieren. Ausgehend von der maximalen Förderleistung wurde die optimale Kennlinie sukzessive einreguliert.