Vorfertigung reduziert Installationsaufwand

Für Michael Weiss als Inhaber des ausführenden Fachhandwerksunternehmens Weiss-GmbH (Ennepetal) war „die Installation der außergewöhnlichen Anlagenkonfiguration prinzipiell nichts Besonderes“. Denn schon seit Jahren setzt der Innungsmeister zum Beispiel auf die Nutzung von Erdwärme und bringt entsprechende Erfahrung in der effizienten Steuerung, Speicherung und Verteilung mit. Die Einschränkung „prinzipiell“ macht Weiss aber insofern, als die Pelletkessel bei jeweils rund einer Tonne Gewicht für den Transport kaum demontierbar waren: „Im Gegensatz zu den kompakten Speichern und Gas-Brennwertheizgeräten haben wir für die Pelletkessel sogar Dummys gebaut, um im Vorfeld die Einbringung in die verschiedenen Kellerräume abzusichern.“ Das jedoch war eine wesentliche Voraussetzung für das Sanierungsprojekt gewesen, denn der Bau externer Kesselhäuser hätte den Investitionsrahmen gesprengt.

Minimal belastete Mieter dank zügigem Austausch der zentralen Heizungen

Die Mischung aus Erfahrung – mit Vorab-Testlauf der Heizungsanlagen – und werkstattmäßiger Vorfertigung von Installationsbaugruppen machte sich jedoch auch noch in anderer Hinsicht bezahlt: Trotz des Umfangs der Arbeiten war der Austausch der dezentralen Heizungen und der Neuanschluss der Wärme- und Warmwasserverteilung an die zentrale Versorgung pro Versorgungsstrang innerhalb eines Tages abgeschlossen. „Die Belastung der Mieter“, so Michael Weiss, „war also auf das absolut notwendige Minimum beschränkt, ohne dass wir beispielsweise beim Brand- oder Schallschutz Kompromisse eingegangen wären.“

Dass die Wärme- und Warmwasserversorgung bisher dezentral war, erwies sich dabei als zusätzlicher Vorteil. Denn die nicht mehr benötigten Kamine konnten beispielsweise für die Anbindeleitungen der Solaranlagen sowie als Steigestränge für die Vor- und Rücklaufleitungen der Heizung bzw. für die Zirkulation genutzt werden. Für den Umschluss in die Wohnungen stand dann die Nische zur Verfügung, in der bislang die wandhängenden Heizgeräte installiert waren. Weitere Informationen unter www.schmitt-domizil.de

Ökologie und Ökonomie im Einklang

Christian Schmitt verantwortet in dritter Generation die Geschicke der „Julius Ewald Schmitt Grundstücksgesellschaft bR“, die in Dortmund und Kamen über rund 1.000 Wohneinheiten verfügt. Seine Aufgeschlossenheit für überwiegend regenerative Wärmetechnik in den Mietobjekten hat handfeste kaufmännische, aber auch ganz klar ökologische Gründe:

„Wir müssen einerseits die Miet-Nebenkosten niedrig halten, um die Vermietbarkeit zu gewährleisten. Andererseits haben wir aber auch eine Verantwortung, mit den Ressourcen sorgsam umzugehen – und wie wir das machen, interessiert ebenfalls immer mehr Mieter. Die Einbindung regenerativer Energiequellen wirkt sich also außerdem positiv auf das Image unseres Unternehmens aus.“

Dass thermische Solaranlagen zur Unterstützung zentraler Heizgeräte installiert werden, ist auch im Objektgeschäft keine Seltenheit mehr. Ganz anders sieht es in der Kombination mit Pelletkesseln aus, die in Dortmund die Haupt-Heizlast tragen:

„Auch die Nutzung regenerativer Energien muss man ganzheitlich betrachten. Pellets sind als Biomasse nicht nur ein nachwachsender klima-neutraler Rohstoff, sondern auch noch mit vergleichsweise geringem Transportaufwand aus der Nähe zu beschaffen; die Ökobilanz ist also insgesamt sehr gut.“

Die Umstellung von wohnungsweiser Wärme- und Warmwassererzeugung ist für Mieter immer eine Zäsur, können wohl alle Wohnungsgesellschaften aus Erfahrung bestätigen. In den 204 Wohneinheiten hat sich aber nur ein Mieter gegen die zentrale Versorgung gesperrt:

„Solche Umstellungen können nur dann reibungslos verlaufen, wenn die Mieter frühzeitig und umfassend informiert werden. Im Quartier in Brackel haben wir deshalb neben Informationsveranstaltungen zusätzlich für jeden Mieter genau ausgerechnet, wie hoch seine Einsparungen sein werden – das überzeugt mehr als alles andere.“

Dass die in Brackel realisierte Anlagentechnik mit sechs Pelletheizkesseln deutlich von den rein zentralen Lösungen in anderen Quartieren der Schmitt-Gruppe abweicht, ist gewollt:

„Jedes Objekt muss vor der energetischen Sanierung für sich betrachtet und dann daraus ein Gesamtkonzept entwickelt werden; pauschal übertragbare Lösungen kann es nicht geben, weil die Einflussgrößen viel zu unterschiedlich sind. Umso wichtiger sind in der Planungs- und Realisierungsphase Partner, die aufgeschlossen auch ungewöhnliche Ansätze kompetent weiter verfolgen und schließlich mit einem entsprechend aufgestellten Hersteller wie Vaillant auch umsetzen können.“

Dass die öffentliche Förderung des Einsatzes regenerativer Energien gerade bei so komplexen Projekten eine wichtige Rolle spielt, ist nahe liegend. Darauf die neue Anlagentechnik konzeptionell aufzubauen, macht aber keinen Sinn, so die Erfahrungen aus der Dortmunder Sanierungsmaßnahme:

„Durch die insgesamt sechs blockweise arbeitenden Heizzentralen konnte zum Beispiel für die Solaranlagen unter anderem aus BAFA-Mitteln eine hausweise Förderung beantragt werden. Weitere Fördermittel gab es aus der Innovationsförderung des Landes NRW sowie für die Biomasse-Nutzung. In der Summe entsprach das in etwa dem Mehraufwand für die Solaranlagen – so konnte also unter dem Strich eine ökologisch sinnvolle Lösung ohne Mehrbelastung der Mieter umgesetzt werden.“