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Best Ager entwirft sein Traumhaus selber

Geringe Betriebskosten und komfortables Wohnen als entscheidende Größen

Wie will die aktive Generation 50+ leben? Mit der steigenden Zahl dieser Altersgruppen an der Gesellschaft wächst auch die Zahl der Untersuchungen (und gut gemeinten Vorschläge) zu dem Thema. In Wismar hat Jens Albrecht die Frage für sich auf eine ganz eigene Art beantwortet: mit einem barrierefreien 85 m²-Neubau.

Um perspektivisch die finanziellen Belastungen durch die Unterhaltskosten möglichst gering zu halten, ist das Haus konventionell aus Porenbeton auf KfW 55-Standard gemauert. Die Beheizung erfolgt über eine Luft/Wasser-Wärmepumpe, die Wärmeverteilung über eine energetisch entsprechend vorteilhafte Flächenheizung: „In Verbindung mit der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach habe ich damit die Kosten für Heizung und Warmwasser dauerhaft niedrig im Griff“, so Albrecht. Aktuell liegen sie pro Jahr abzüglich der Zuschüsse bei nur 37,-- Euro im Monat.

Leben „auf der eigenen Scholle“

Jeder zweite Umzügler ist hierzulande mindestens 50 Jahre alt, hat eine empirica Studie im Auftrag der LBS festgestellt. Die Gründe dafür sind klar gewichtet: ein altersgerechter Standort (fast 37 Prozent) wird am häufigsten genannt, gefolgt von altersgerechtem, also zumindest barrierearmem Wohnen (34 Prozent), möglichen Unterstützungsleistungen (33 Prozent) und einer generelle Verbesserung der Lebensqualität (32 Prozent).

Im Prinzip, bestätigt Jens Albrecht, war dieser Entscheidungskanon auch für ihn der Grund, noch einmal das Projekt „Hausbau“ neu anzufassen: „Ziel war ein neues Haus, das ohne viel Arbeit komfortables Wohnen erlaubt und – weil ich sehr freizeitaktiv bin – gerne in Hafennähe sein sollte, wo das Segelboot liegt.“ Aber warum ein Haus und nicht eine Wohnung, wie es sonst eher üblich wäre für jemanden, der zugleich beruflich sehr viel unterwegs ist? Bei Jens Albrecht fällt die Antwort eindeutig aus, denn eine „altersgerechte Wohnung“ war für ihn definitiv keine Option: „Ich möchte meine Freiheit unter dem eigenen Dach, und ich genieße den Platz im Garten, wo ich mit Freunden und Bekannten zusammensitzen kann.“

Kreative Individualität

85 Quadratmeter individuell gestalteter Lebensraum für den „3. Lebensabschnitt“: der Neubau von Jens Albrecht in Wismar.

Der Bauplatz für ein solches Projekt war im Osten von Wismar schnell gefunden, und mit dem örtlichen Bauunternehmen hatte sich Jens Albrecht über die Umsetzung der Pläne ebenfalls schnell verständigt: Weil die Bauträger-typischen Häuser von der Stange weder in Bezug auf die Größe noch auf den Grundriss den Wünschen des 50-Jährigen entsprachen, konnte er gemeinsam mit einem Architekten den eigenen Entwurf realisieren – und trotzdem quasi schlüsselfertig bauen.

Jens Albrecht rät aufgrund seiner Erfahrungen daher allen Bauherren, sich in einer vergleichbaren Lage „frühzeitig mit dem Bauträger abzustimmen und so letztlich zu einem Neubau zu kommen, der deutlich stärker die individuellen Bedürfnisse abdeckt als dies bei den gängigen Standard-Entwürfen der Fall ist.“ Vor allem, weil zumindest in diesem Fall auch das Argument der Mehrkosten nicht zieht. Die liegen, je nach Rechenweise und Ansprüchen, nämlich nur zwischen 300 und 500 Euro pro Quadratmeter: „Bei 85 Quadratmeter Gesamtfläche sind das also lediglich etwa 34.000 Euro und damit nur gut zehn Prozent der Gesamtbausumme inklusive aller Nebenkosten.“

Für diesen Mehraufwand aber begrüßt Jens Albrecht seine Gäste jetzt in einem Neubau, der sich vor allem durch seine großzügige Raumgestaltung auszeichnet: Windfang, Wohn- und Esszimmer sowie die Küche gehen in offener Bauweise nahtlos ineinander über; die bodenhohen Fenster lassen fast schon verschwenderisch das Sonnenlicht herein, und durch den bis in den Giebel reichenden Luftraum über die gesamte Länge hinweg herrscht in dem Haus sommers wie winters ein bemerkenswert frisches Klima.

Durch kleine Flure abgetrennt sind das große Bad mit der bodengleichen Dusche, das Schlafzimmer, ein Arbeitszimmer und der Haustechnikraum optisch wie funktional elegant angebunden, ohne die klare Struktur des Grundrisses zu beeinträchtigen.

Energie selber erzeugen und nutzen

An der Regelung im uniTOWER stellen Hausherr Jens Albrecht (hinten) und sein Fachhandwerker Heiko Albrecht auch die Temperaturen für die Heizkreise im Haus ein.

Dass diese Aufteilung nicht den Bedürfnissen einer Familie mit Kindern entspricht, liegt auf der Hand. Aber das war ja auch gar nicht das Ziel von Jens Albrecht: „Die offene Gestaltung der Räume und ihre Zweckbestimmung sind exakt auf meine Bedürfnisse als Best Ager und auf einen Ein- bis Zwei-Personen-Haushalt zugeschnitten. Wir haben Platz, ohne verschwenderisch Fläche zu vergeuden, und wir haben Rückzugsmöglichkeiten, ohne nur eher selten genutzte Räume beheizen und unterhalten zu müssen.“

Dieser Unterhaltungsaufwand spielte bei der Konzeption der Haustechnik eine entscheidende Rolle. Zwar wäre ein Gasanschluss in der Neubausiedlung problemlos möglich gewesen, aber Jens Albrecht störte sich an der dauerhaften Abhängigkeit von einem Versorger und einem fossilen Energieträger: „Zukunftsgerichtetes Bauen hat für mich ganz entscheidend etwas mit Ressourcenschonung zu tun. Deswegen habe ich mich für eine Luft/Wasser-Wärmepumpe entschieden, die aus etwa einem Viertel elektrischer Antriebsenergie 100 Prozent Wärme erzeugt. Dank der nach Süd-Südwest ausgerichteten Photovoltaikanlage kann ich zudem den Strom dafür weitestgehend selbst erzeugen, so dass ich in der Jahresenergiebilanz zumindest rechnerisch fast energieautark und damit natürlich zugleich finanziell unabhängiger bin.“

Platz findet die dafür notwendige Technik in einem nur knapp vier Quadratmeter großen Nebenraum: Neben der Wärmepumpe (Typ: „aroTHERM“) und dem innen aufgestelltem Hydrauliktower mit 190-Liter-Speicher für die Warmwasserbevorratung fällt dort vor allem der Batteriespeicher (Typ: „eloPACK“; Hersteller: jeweils Vaillant) auf. Der ist notwendig, um möglichst viel des auf dem Dach erzeugten Sonnenstroms selber zu nutzen, erläutert Jens Albrecht: „Mit einer Einspeisevergütung von derzeit etwa 12 Cent und einem Preis für `grünen´ Bezugsstrom in Höhe von etwa 25 Cent lohnt es sich auf jeden Fall, den Photovoltaikertrag in verbrauchsschwachen Zeiten zu speichern und später selber zu nutzen.“

Wie es jeweils um die aktuellen Ertragswerte der Wärmepumpe oder der PV-Anlage steht, verfolgt der Hausherr dabei mit webbasiertem Onlineportal auf seinem Smartphone: „So kann ich mit einem Blick unter anderem den aktuellen Ladestand des Batteriespeichers ablesen und beispielsweise entscheiden, wann ich Waschmaschine oder Trockner als große Stromverbraucher in Betrieb nehme.“

Die Wärmepumpe selbst steht im Übrigen an der Hausecke zur Straßenseite. Da fällt sie dank ihrer kompakten Baumaße kaum auf, und auch die minimalen Laufgeräusche des Kompressors sind so weder im Haus noch für die Nachbarn ein Thema.

Fazit

Mit dem ebenso kreativen wie individuellen Grundriss und der bis in den Giebel offenen Bauweise hat Jens Albrecht in Wismar ein Ein- bis Zwei-Personen-Haus gebaut, das sich – von Best Agern bewohnt – künftig in ähnlicher Form vielleicht häufiger in den Neubauten finden wird: Die kostengünstige Bauweise, der geringe Platzbedarf und die effiziente Haustechnik bedienen in Kombination mit dem barrierefreien, ebenerdigen Wohnen alle wesentlichen Kriterien, die von dieser lebens- und kauferfahrenen Bauherrenschaft an ihr „Wunschwohnen im Alter“ gestellt werden.

Die Wärmepumpe aroTHERM

Die Luft/Wasser-Wärmepumpe aroTHERM und der zugehörige uniTOWER sind mit einer Wärmeleistung von 5 bis 15 kW (je nach Modell) gezielt für den Einsatz in Einfamilienhäusern entwickelt. Die Wärmepumpe ist, besonders in Kombination mit dem Batteriespeicher eloPACK, ideal, um die Eigennutzungsquote von Photovoltaik-Anlagen zu steigern. Um die Wärmeleistung zu erzielen, benötigt die elektrisch betriebene Wärmepumpe etwa 25 Prozent Antriebsenergie; 75 Prozent sind kostenlose Umweltwärme aus der Luft.

Der uniTOWER garantiert eine schnelle und reibungslose Installation: In der anschlussfertigen, bodenstehenden Einheit sind ein 190-Liter-Warmwasserspeicher (für Heizung / Warmwasser) und die multifunktionale Systemregelung multiMATIC 700 integriert. Diese Regelung schließt auch die Fußbodenheizung, also die Wärmeverteilung ein.