Menschen im Ehrenamt
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Menschen im Ehrenamt.

 

Das Ehrenamt ist weit verbreitet: 45 Prozent der Deutschen engagieren sich zumindest gelegentlich. 22 Prozent übernehmen eine feste Aufgabe. Darunter auch einige Kolleginnen und Kollegen. Ohne dieses breite Engagement würde vieles in Deutschland nicht funktionieren.

Ein Ehrenamtler kann vieles sein: Trainer in einem Sportverein, Vorlese-Oma, Besucher im Altenheim, Elternvertreter, Spielplatz- oder Grünflächenpate, um nur wenige Beispiele zu nennen. Am bekanntesten ist sicherlich die Freiwillige Feuerwehr: 1,2 Millionen Deutsche sind in mehr als 22.000 Feuerwehren organisiert. Ohne sie wäre so mancher Notfall nicht zu meistern. Auch die Archen, in denen Bedürftige Mahlzeiten erhalten, sind ohne das Ehrenamt undenkbar. An vielen Stellen gab es zunächst das freiwillige Engagement, dann erst folgte die Institutionalisierung. So war es bei der Drogenberatung und in der AIDS-Hilfe.

Einsatzfelder für das Ehrenamt

Die meisten Menschen engagieren sich in einem Sportverein, im kulturellen Bereich oder kirchlich-religiösen Umfeldern. Aber auch Schule und Kindergarten, Gesundheit und Soziales, Natur- und Umweltschutz, Nachbarschaftshilfe oder Politik und Gewerkschaft sind Felder, in denen es viele Ehrenamtler gibt. Ingo Gläser beispielsweise liegt der Tierschutz besonders am Herzen. Er arbeitet bei Vaillant in der IT-Koordination und im Support. In seiner Freizeit ist er Schriftführer in einem Tierschutzverein, der sogar mehr als 100 Kilometer von seinem Wohnort entfernt liegt.

Auf das Tierheim, das sein Verein betreibt, wurde Ingo Gläser durch die TV-Sendung »Tiere suchen ein Zuhause« aufmerksam. In der Sendung werden Tiere aus dem Heim an neue Besitzer vermittelt. So kam er zunächst an seine Hunde – und dann an das Ehrenamt. Für ihn ist die Tätigkeit als Schriftführer ideal: „Schreibkram, sowas liegt mir, darin bin ich gut. Und so kann ich den Tierschutz aktiv unterstützen, obwohl ich nicht die Möglichkeit habe, direkt mit den Tieren zu arbeiten.“ Trotz der Entfernung nimmt das Ehrenamt viel Zeit in Anspruch, im Jahresmittel kommt Ingo Gläser auf etwa 10 Stunden pro Woche. Zuletzt wurde ein Neubau notwendig, der viel Bürokratie und Absprachen erfordert. Da war der Schriftführer natürlich besonders gefragt. Hinzu kommen Ausgaben für die Anfahrt, die er selber trägt.

Ein Ehrenamt kostet Zeit

Ingo Gläser

Mit seinem zeitlichen Engagement liegt Ingo Gläser über dem Durchschnitt. Laut Angaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend investieren 31 Prozent der Freiwilligen wöchentlich weniger als zwei Stunden. Weitere 35 Prozent engagieren sich zwei bis fünf Stunden pro Woche. Nur 13 Prozent der Ehrenamtler kommen auf fünf bis zehn Stunden. Die übrigen 21 Prozent liegen sogar über zehn Wochenstunden.

Auch Sarah Hofmann, Zielgruppenmanagerin bei Vaillant, ist in ihrem Ehrenamt sehr aktiv. Schon seit ihrer Jugend ist sie Mitglied bei der Katholischen jungen Gemeinde (KJG) . Die Organisation bietet wöchentliche Treffen und Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche an. Sarah Hofmann ist nicht nur Leiterin ihrer Gruppe, sondern koordiniert die Jugendarbeit der Gemeinde auch auf Diözesan-Ebene. Zudem organisiert sie die Zusammenarbeit mit Messdienern und Pfadfindern vor Ort.

Ehrenamt statt Sommerurlaub

Besonders im Sommer, wenn die Ferienfreizeiten für die unterschiedlichen Altersgruppen anstehen, nimmt das Ehrenamt viel Raum ein. Bis zu acht Tage unbezahlter Sonderurlaub stehen ihr pro Jahr dafür zu. Den Verdienstausfall bezuschusst der Bund der Deutschen Katholischen Jugend bis zu 80 Prozent. Um als Leiterin in beiden Ferienfreizeiten über insgesamt vier Wochen zur Verfügung stehen zu können, nimmt Sarah Hofmann zusätzlich ihren Jahresurlaub in Anspruch.

Trotzdem will sie ihr Engagement nicht missen: „Es ist einfach schön, zu sehen, wie die Kinder groß werden und sich entwickeln. Und man bekommt so viel zurück, wenn man sieht, wie glücklich und dankbar die Kinder für diese Zeit sind.“ So geht es vielen Freiwilligen: Das Hauptmotiv für eine ehrenamtliche Tätigkeit ist für die meisten Menschen schlicht die Freude an der Aufgabe. Außerdem knüpft man neue Kontakte; Freundschaften entstehen.

Ehrenamt vor Ort: In Remscheid gibt es viel zu tun

Laura Arevalo kennt das Ehrenamt aus einer anderen Perspektive: Sie koordiniert die Ehrenämter innerhalb der Stadtverwaltung bei der Stadt Remscheid und ist Ansprechpartnerin für Bürgerinnen und Bürger, die sich gerne einbringen möchten. Sie weiß genau, dass der Einsatz von Freiwilligen wichtig ist, egal wie viel oder wenig Zeit jemand investieren kann: „Einsatzmöglichkeiten gibt es noch und nöcher. Wir sind immer auf der Suche nach Ehrenämtlern.“

Darum gibt es bei der Stadt Remscheid verschiedene Projekte, die Grünflächenpflege zum Beispiel. Dabei kann man einen Kreisel oder eine Verkehrsinsel als Pate übernehmen und diese bepflanzen und pflegen. Das Gleiche gibt es auch für Spielplätze. Solche Aufgaben können mit einem sehr geringen Aufwand übernommen werden. Bei Ehrenämtern, die einen Kontakt mit Menschen vorsehen, beispielsweise bei der Arbeit mit Senioren oder Kindern, empfiehlt Laura Arevalo etwas mehr Zeit und vor allem Regelmäßigkeit, sodass man eine verlässliche Beziehung zueinander aufbauen kann.

Jeder kann ein Ehrenamt übernehmen

Wer sich für ein Ehrenamt in Remscheid interessiert, kann sich telefonisch an Laura Arevalo unter 02191 16 3537 wenden. Die Freiwilligenzentrale ist ebenfalls eine gute Anlaufstelle. Das Angebot ist vielseitig, jeder kann seinen Interessen und Fähigkeiten entsprechend aktiv werden.

Die Stadt möchte den Einsatz der Ehrenämtler wertschätzen, darum vergibt sie für eine regelmäßige Aufgabe die Ehrenamtskarte mit vielen Vergünstigungen. Auch wenn es den meisten Menschen nicht um die finanzielle Kompensation geht, freut sich Laura Arevalo über dieses Angebot an die Freiwilligen, für deren Einsatz sie sehr dankbar ist: „Wenn wir das Ehrenamt nicht hätten, würden viele Dinge nicht funktionieren.“

Weitere Informationen gibt es auf der Website der Stadt Remscheid.

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