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Das Haus der Zukunft (2): Wie werden wir im Jahr 2040 wohnen?

 

Denkt man an die Zukunft des Wohnens, liegen Themen mit großer Tragweite direkt auf der Hand: Klimawandel, bezahlbarer Wohnraum, aber auch gemeinsames Wohnen, Wohnen im Alter und natürliches Wohnen. Wie wird sich das Wohnen in den nächsten zwei Jahrzehnten verändern? Was muss und was könnte anders werden? Ein kleiner Überblick über die Veränderungspotenziale für das Wohnen der Zukunft.

Wer an das Haus der Zukunft denkt, muss sich zuerst Gedanken über das Bauen selbst machen. Dabei geht es im Kern um den Baustoff Beton und dessen Hauptbestandteil Zement. Diese Baustoffe haben eine hohe Festigkeit, allerdings nur bei einem vergleichsweise hohen Materialeinsatz. Beton sollte deshalb nicht einfach durch andere Baustoffe ersetzt werden. Es geht darum, Material einzusparen, was gleichbedeutend mit einem niedrigeren CO2-Ausstoß ist, denn Beton ist ein Klimakiller.

Allein die Zementherstellung ist nämlich mit 2,8 Milliarden Tonnen CO2 für 8 Prozent des jährlichen Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich. Hinzu kommt die Betonproduktion, die fossile Brennstoffe oder Abfälle im großen Maßstab verfeuert und damit weiteres CO2 freisetzt – Tendenz steigend. Denn Bauen boomt.

Neue Verfahren, neue Baustoffe

Da auch Rohstoffe wie bautauglicher Sand zur Mangelware werden, denkt die Baubranche längst um. Es werden neue Produktionsprozesse bei der Zementherstellung getestet. CO2 könnte dabei abgeschieden und eingelagert werden. Das Haus der nahen Zukunft wird also nicht nur im täglichen Betrieb sondern auch beim Bauen klimaneutral sein.

Spezialisten erforschen neue Ansätze, und manche von ihnen befinden sich sogar bereits in der Realisierung. Dazu gehört Beton, der CO2 aufnimmt, ebenso wie Recycling-Beton aus den wiederverwertbaren Bestandteilen alter Häuser.

Eine weitere Idee: Zement wird aus Calciumkarbonat gewonnen. Viel CO2 könnte eingespart werden, wenn man den Anteil des Calciums am Prozess verringert. Dafür setzt man bereits Ersatzstoffe ein, die in anderen Industriebereichen anfallen, etwa Flugasche, die bei der Kohleverbrennung als Abfallprodukt anfällt.

Weitere Beispiele für neue Verfahren einer klimafreundlichen Baustoffproduktion sind:

  • Textilbeton: Traditioneller Beton ist ein Baustoff mit hoher Festigkeit, allerdings ist er nicht sehr zugfest. Deshalb wird er mit Stahl bewehrt, der für die Zugfestigkeit sorgt. (7 Prozent des weltweiten CO2-Ausstosses stammen aus der Stahlproduktion.) Beim sogenannten „Textil-Beton“ oder „Carbon-Beton“ wird nun der Stahl durch Faser-Verbundstoffe wie Glasfaser oder Kohlenstoff-Carbon ersetzt, die leichter, zugfester und klimaneutraler in der Herstellung sind.
  • Holzbeton: Anstatt Sand und Kies werden Holzspäne beigegeben, die das Gewicht des Baustoffes deutlich reduzieren.
  • Graphen als Super-Material: Vor Jahren galt der das Kohlenstoff-Material Graphen als die Zukunft der Werkstoffe: ultraleicht, ultrahart und hitzebeständig wurde es von Wissenschaftlern des Massachusetts Institute of Technology (MIT) zu einer Leichtbau-Struktur verarbeitet, die an den Aufbau von Knochen oder Korallen erinnert. Man könnte zukünftig damit materialsparend und viel klimaneutraler bauen.

Die genannten Lösungen gelten nicht nur für die Hauskonstruktion, sondern es gibt zahlreiche Lösungen für einzelne Bauelemente oder Bodenplatten. Zusammen mit der neuen Technologie des 3D-Drucks von Häusern, bei dem Häuser mittels eines überdimensionalen Druckers mit Betondüsen aus dem Computer „gegossen“ bzw. gespritzt werden, werden so neue architektonische Lösungen möglich. Ideen wie „selbstheilender Beton“, bei dem Kalk-produzierende Bakterien Risse verschließen können, werden in Zukunft weiter erforscht. Das Bauen der Zukunft wird die ressourcenschonenden Vorteile neuer Materialien und Werkstoffe nutzen

Regenwassernutzung für WC, Waschmaschine und Garten

Auch Wasser ist eine Ressource, bei der zukünftig gespart wird. Dabei rückt die  Brauchwassernutzung stärker in den Fokus. Gemeint ist, dass beispielsweise Regenwasser innerhalb des Hauses verwendet wird. Die Regentonne ist zur Gartenbewässerung für manche Hausbesitzer längst ein Standard. Aber auch Toilette und Waschmaschine könnten problemlos mit Regenwasser betrieben werden.

Da eine Nachrüstung mit den entsprechenden Systemen in Altbauten meist teuer und aufwendig ist, wird vor allem der Neubau der Zukunft Regenwasser nutzen.

Dafür ist

  • eine meist unterirdische Zisterne als Großwassertank nötig,
  • ein reinigendes Filtersystem,
  • ein Hauswasserwerk als Pumpstation und
  • ein vom Trinkwasser getrenntes eigenes Rohrsystem.

Die Ansprüche für die Wassernutzung der Toilettenspülung sind gering. Für die Nutzung von Brauchwasser in der Waschmaschine muss darauf geachtet werden, ob auf dem Hausdach, von dem das Wasser abfließt, Metalle wie Blei oder Kupfer verwendet werden. Außerdem können Standorte in der Nähe von Kraftwerken, Autobahnen oder Industriegebieten das Wasser für das Waschen unbrauchbar machen. Da natürliche Ressourcen, zu denen vor allem Wasser gehört, zukünftig teurer werden, wird der Neubau für die Zukunft ein Brauchwasserkonzept realisieren, das über die Nutzung im Garten hinausgeht.

Das in die Natur integrierte Smart Home

Zwei Trends bestimmen bereits viele Diskussionen rund um das Thema Wohnen: Einerseits das moderne Smart Home mit seinen App-gesteuerten Möglichkeiten, andererseits natürliches Wohnen. Da Großstädte in ihren Zentren immer weniger neuen Wohnraum zur Verfügung stellen können, wird das Wohnen an den Stadträndern und dem nahen Einzugsgebiet attraktiver und bezahlbarer. Mit einem Nebeneffekt: Außerhalb der Stadt ist es grüner. Zusammen mit ressourcensparenden Wohnbedingungen wie CO2-Neutralität über die Nutzung von Wärmepumpen und Sonnenenergie kann das „urbane Wohnen“ zukünftig zum „grünen Wohnen“ werden. Dabei erlebt der Baustoff „Holz“ mancherorts eine Renaissance. Dafür bringt ein Holzhaus gekoppelt mit natürlichen Dämmmaterialien aus Stroh, Hanf, Flachs, Holzfasern oder Schafswolle zusätzlich ein gesundes Raumklima und noch mehr Nachhaltigkeit. App-gesteuerte Licht-, Lüftungs- und Heizungstechnik, die den Verbrauch mindern und das Raumklima nutzungsabhängig anpassen, gehen dabei Hand in Hand mit Nachhaltigkeit und natürlichem Wohnen.

Bezahlbarer Wohnraum und gemeinsames Wohnen

Da viele größere Städte an die Grenzen ihrer Ausdehnung kommen und Wohnraum immer teurer wird, wird Wohnfläche zur Ressource, die man ebenfalls einsparen kann. So wird sich das Wohnen der Zukunft wohl in kleineren Wohneinheiten vollziehen. Das muss nicht mit einem Verlust an Lebensqualität einhergehen. „Klasse statt Masse“ kann auch für das Wohnen gelten. Eine Voraussetzung dafür sind Möbel, die sich platzsparend auch an kleine Räume anpassen. Inzwischen gibt es bereits Mobiliar am Markt, das sich mittels Ausziehtechnik und multifunktioneller Nutzung individuell an Raumgegebenheiten anpassen lässt.

Zudem haben sich bundesweit Wohnprojekte etabliert, bei denen es nicht mehr um das klassische Einfamilienhaus geht, sondern um Häuser für mehrere Parteien etwa in Form von Eigentumswohnungen. Das Haus der Zukunft wird bei einer Bevölkerung, die zunehmend altert, tendenziell mehr Wohneinheiten auf einem Baugrundstück beherbergen. Die Stichworte „geteilter Wohnraum“ und „kollaboratives Wohnen“ sind aktueller denn je – weil hochpreisiges Bauen, höhere Lebenserwartung und Wohnraummangel zusammenkommen.

Auch der soziale Aspekt wird sich zukünftig auswirken. In einer Gesellschaft mit mehr Single-Haushalten und älteren Menschen werden Gemeinsinn und ein Miteinander wichtiger. In den sogenannten „Mehrgenerationen-Häusern“ lebt innerhalb eines Konzeptes des sozialen Miteinanders jeder in seinem eigenen Bereich. Das kollaborative Wohnen sieht kleinere eigene Räumlichkeiten und größere Gemeinschaftsräume vor.

Fazit: Weniger Energieverbrauch, mehr soziales Miteinander

Die Herausforderungen für die Zukunft des Wohnens sind vielschichtig. Die Entwicklungen in Demoskopie, Nachhaltigkeit und Ökonomie werden vieles verändern. Dabei können die Gedanken von natürlichem Wohnen in zum Teil neuen Sozialgemeinschaften unerwartet wiederbelebt werden. Gekoppelt werden sie mit innovativer, energiesparender Technik, die mehr Komfort bieten kann. Die kommenden zwei Dekaden werden für das Haus der Zukunft auch eine neue Gründerzeit für das Miteinander von Mensch und Technik in den Bereichen „Energie“ und „Werkstoffe“ einleiten.

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Ein Kommentar

Martin Lobinger

Gut zu wissen, dass der Stahl beim sog. „Carbon-Beton“ durch Faser-Verbundstoffe wie Glasfaser oder Kohlenstoff-Carbon ersetzt wird, die leichter, zugfester und klimaneutraler in der Herstellung sind. Mein Onkel möchte sich ein neues Haus auf dem Lande errichten lassen. Er hofft, dass ihm der zu verwendende Carbon-Beton wegen seiner Klimaneutralität hilft, zur Nachhaltigkeit beizutragen. Auf der Suche nach weiteren Infos bin ich auf die Webseite https://www.jilka-bm.at/einsatzgebiete/tullnanderdonau/ gestoßen.

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