Haus der Zukunft

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Das Haus der Zukunft (1): Wohnen wir bereits darin?

 

Rund um die Jahrtausendwende entstanden kühne Visionen dafür, wie wir heute in Häusern leben werden. Was ist aus den Ideen zum „Haus der Zukunft“ geworden? Was hat sich bewahrheitet? Was ist hinter den Erwartungen zurückgeblieben?

Rund um die Jahrtausendwende entstanden kühne Visionen dafür, wie wir heute in Häusern leben werden. Was ist aus den Ideen zum „Haus der Zukunft“ geworden? Was hat sich bewahrheitet? Was ist hinter den Erwartungen zurückgeblieben?

Als der amerikanische Präsident Jimmy Carter 1977 die Studie „Global 2000“ in Auftrag gab, leitete dies ein Umdenken ein. Die 1980 veröffentlichte Studie brach in Deutschland in Buchform alle Verkaufsrekorde und sorgte für vielerlei Diskussionen. Anhand wissenschaftlicher Untersuchungen wurde darin prognostiziert, wie sich unsere Lebensweise auf die Umwelt auswirkt – und zu was das bis zum Jahr 2000 führen würde.

Wohnen, arbeiten, leben: Moderne Gesellschaft mit neuem Konzept

Frau am LaptopVielen wurde bald klar, dass moderne Gesellschaften umdenken müssen. Es ging dabei auch beim Wohnen oder Hausbau um Ressourcenbewusstsein. Etwa auf der Weltausstellung Expo2000 in Hannover konnte man das Zusammenspiel von „Mensch, Natur und Technik“ unterschiedlichster Kulturkreise in seiner Entwicklung erleben. Dort waren Ideen zu sehen, wie in Zukunft gebaut und gelebt werden könnte, wie man mit unterschiedlichsten Werkstoffen bauen kann oder wie man anders als bisher recycelt. Das Ziel: Neben der Schonung von Ressourcen sollte der Wirkungsgrad etwa von Energieträgern erhöht werden.

Großwetterlage für den Hausbau

Doch gerade der Hausbau ist durch verschiedene Entwicklungen beeinflusst. Dazu gehören:

  • Wohnraumknappheit: Viele Menschen ziehen in die Ballungszentren und vor allem in die Großstädte. Das hat dazu geführt, dass Wohnraum dort knapp wird und sowohl Mieten als auch Eigentumswohnungen oder Baugrundstücke immer teurer werden.
  • Demografie: In Deutschland werden nicht nur die Familien kleiner, es gibt sogar die Tendenz zum Ein-Personen-Haushalt.
  • Flexible Raumnutzung: Kombiniert man die demografische Entwicklung mit weniger bezahlbarem Wohnraum werden Konzepte wie der „flexible Raum“ wieder aktuell. Bereits 1975 wurde im nordrhein-westfälischen Dorsten der „Habiflex“-Bau realisiert, bei dem sich der Grundriss einer Eigentumswohnung durch verschiebbare Wände verändern ließ oder der Balkon durch Klappelemente zum Wintergarten wurde. Inzwischen gibt es für kleine Räume Multifunktions-Mobiliar: etwa ein Küchenmobiliar mit einem ausklappbaren Bett oder einem herausziehbaren Tisch. So kann die Küche schnell zum Schlaf- oder Sitzbereich umfunktioniert werden – eine maßgeschneiderte Lösung für kleine Wohnungen, die den Platz optimal ausnutzt.

Das Heute aus der Sicht von damals

Was waren Vorstellungen, die um 2000 prognostizierten, wo wir heute stehen werden? Was ist eingetreten und was nicht?

Wunsch 1: Neue Haustechnik allerorten

WohnraumDie Vorstellung des hochtechnisierten Hauses bekam um die Jahrtausendwende Auftrieb durch das Internet. Das hatte sich ab 1993 etabliert und später Visionen hervorgebracht, in denen das Haus, wie wir es kannten, zu einem vernetzten Wunderwerk wurde. Es enstanden Referenz-Häuser mit der jeweils aktuellen Technik, die aber noch nicht in Serie gegangen war.

Wo stehen wir heute?
Viel hat sich getan. Aber nicht flächendeckend und holistisch, sondern Schritt für Schritt. Zu einem Massenphänomen wurde die LED-Lichttechnik mit wechselnden Lichtfarben, steuerbar über eine Fernbedienung oder das Handy. Alexa oder Google Home haben eine Welle digitaler Sprach-Assistenten in die heimischen vier Wände gebracht. Dies korrespondiert mit Musikstreaming und der Steuerung der häuslichen Unterhaltungselektronik. Neben Licht- und Wärmetechnik lassen sich Sicherheitstechnik und diverse Haushaltsgeräte bereits per Handy (fern)steuern.

Fazit: Die Realität bleibt noch ein Stück hinter der Vision zurück.

Wunsch 2: Sonnenenergie als Königsweg des Energiesparens

SonnenstrahlenEine unbegrenzte Ressource ist das Sonnenlicht, wenn auch nicht gleichbleibend über das Jahr hinweg vorhanden. So konnte man zur Jahrtausendwende hoffen, dass Sonnenenergie die Energie der Zukunft wird, gerade für den Energiebedarf im eigenen Haus.

Wo stehen wir heute?
Sonnenenergie in Form von Heißwassererzeugung über Photovoltaik ist in vielen Häusern zum Standard geworden und hat sich durchgesetzt – auch durch die Förderprogramme. Solarenergie ist durch die Inhouse-Solarstromspeicherung in großen Akkus einen Schritt weiter.

Fazit: Photovoltaik hatte 2020 an der Bruttostromerzeugung in Deutschland einen Anteil von 8,9 Prozent. Flächendeckende Solarenergie ist noch nicht vorhanden.

Wunsch 3: Das energetisch autarke Haus

Haus im SchneeEnergie ist im Wohnalltag zum Kostentreiber geworden. Deshalb wurden Neubauten gewünscht, die Niedrigenergiestandards realisieren.

Wo stehen wir heute?
Niedrigenergiehaus, Passivhaus, Nullenergiehaus oder Plusenergiehaus sind Gebäudetypen, die viel Energie einsparen, intelligent nutzen oder sogar selbst produzieren.

  • Das Niedrigenergiehaus erreicht viel durch die Wärmedämmung der Wände, der Fenster, des Dachs und der Decken. So kommt es zu einem möglichst geringen Energieverlust und einem hohen Wirkungsgrad der eingesetzten Energie. Oft kommt hier als Heizung ein Gas-Brennwertkessel zu Einsatz oder günstige Holzpellets. Über ein Wärme-Rückgewinnungssystem wird möglichst viel der im Haus enthaltenen Wärme genutzt.
  • In Form des Passivhauses wird das Niedrigenergiehaus in seiner Effizienz gesteigert. Es kommt mittels eines Lüftersystems sogar ohne klassisches Heizsystem aus. Die Architektur des Hauses schließt Wärmebrücken, die als Schwachstellen Energie nach außen leiten würden, vollständig aus. Zum Einsatz kommen Solarenergie, Wärmerückgewinnung und ein Spezial-Dämm-Konzept, das auch die Fenster mit Dreifachverglasung miteinschließt.
  • Das Nullenergiehaus ist ein energetischer Selbstversorger. Die Sonne ist der Hauptenergielieferant für diesen Häusertyp, dem man keine externe Energie zuführen muss.
  • Das Plusenergiehaus ist der höchste Standard des Energiesparens und nutzt Solarthermik, die die Sonnenenergie nicht wie bei der Photovoltaik in Strom umwandelt, sondern in Wärmeenergie. Dieser Haustyp produziert sogar einen Energieüberschuss.

Fazit: Zum Teil haben die Standards Nullenergiehaus oder Plusenergiehaus die Erwartungen übertroffen. Was die reine Energieeinsparung der beiden anderen Haustypen anbelangt, entspricht der Status Quo der Vision von vor 20 Jahren.

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