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Von Pokémon lernen: Wie wir Gamification für uns nutzen können

 

An passionierten Pokémon-Jägern auf Schnitzeljagd kommt heute keiner vorbei. Aber wusstet Ihr schon, dass Spiele nicht nur unterhalten, sondern auch beim Abnehmen, Aufräumen, Umdenken helfen? „Gamification“ heißt der Trend, der Menschen zum Mitmachen motiviert. Und manchmal auch dazu bringt, die Welt ein bisschen besser zu machen.

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Mit Zombies im Rücken läuft es sich schneller – so die Erfahrung von Joggern, die mit der Sport-App „Zombies, Run!“ trainieren. Kopfhörer übertragen den hechelnden Atem der gruseligen Verfolger, die den Läufer immer wieder zum Sprinten zwingen.

Die Idee, auf der eine der weltweit erfolgreichsten Lauf-Apps aufbaut, heißt „Gamification“: Spielerische Elemente werden auf nicht spielerische Umgebungen übertragen. Neu ist das nicht. Weight Watchers beispielsweise fordert Abnehmwillige schon seit fünfzig Jahren zum kollektiven Erfolgsvergleich auf und bedient sich dabei aus der Spielewelt. Auch Fluggesellschaften, Banken und Modelabel motivieren mit Bonuspunkten Kunden dazu, einen höheren Status zu erreichen. Inzwischen macht sich Gamification allerdings auch jenseits des Marketings breit: Es motiviert gelangweilte Schüler zum Lösen ihrer Rechenaufgaben, erinnert chronisch Kranke per App daran, regelmäßig ihre Tabletten einzunehmen oder lädt Putzmuffel in eine Fantasiewelt ein, in der Spülen und Staubsaugen zu Aufgaben in einem actionreichen Rollenspiel werden. Smartphones, Fitness-Tracker und Online-Plattformen sorgen dabei dafür, dass die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt immer durchlässiger werden.

Generation Gaming

Parallel ist mit den sogenannten Millennials erstmals eine Generation herangewachsen, für die Computerspiele zum Alltag gehören. „Wer seine Jugend um die Jahrtausendwende erlebt hat, ist es gewohnt, gegen andere anzutreten und sich spielerischen Herausforderungen zu stellen“, sagt Nora Stampfl, Inhaberin der Berliner Denkfabrik f/21 Büro für Zukunftsfragen. „Durch den natürlichen Umgang mit Computerspielen hat diese Generation zudem stärker als ihre Eltern gelernt, dass Verlieren im wahrsten Sinne des Wortes nicht gleich das Ende bedeutet. Denn beim Spielen ist es ja normal, dass man hinfällt und wieder aufsteht. Das prägt und führt dazu, dass Millennials Aufgaben auch in anderen Zusammenhängen eher nach dem Trial-and-Error-Prinzip angehen.“

Damit fahren sie gut – denn in einer dynamischen Welt sind starre Strukturen fehl am Platz. Viele Unternehmen haben das bereits erkannt und setzen auf die Kraft der Spiele. Sie laden Bewerber dazu ein, Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit in einem Online-Spiel unter Beweis zu stellen. Andere lassen Aufgaben im Wettbewerb verschiedener Teams bearbeiten – inklusive Kommentarfunktion, gegenseitiger Punktevergabe und Rankings. Das weltweit tätige Marktforschungsinstitut Gartner geht davon aus, dass inzwischen mehr als die Hälfte der Unternehmen, die in Innovationsfeldern tätig sind, Spielprinzipien einsetzen.

Der Flow motiviert

Wenn sich rauschhafte Glücksgefühle beim Spielen einstellen – der so genannte Flow – kann Gaming besonders viel bewirken, so die These der amerikanischen Spieledesignerin Jane McGonigal. Sie konfrontiert Gamer mit den großen Herausforderungen unseres Jahrtausends und setzt auf deren Kreativität. Zum Beispiel beim Online-Spiel „Superstruct“ aus dem Jahr 2008. Die Teilnehmer waren mit dem Szenario konfrontiert, dass die menschliche Zivilisation binnen 23 Jahren untergehen wird. Die Spieler hatten die Aufgabe, sich online zum bestmöglichen Team zu vernetzen, um gemeinsam etwa Strategien zur Zukunft der Energie oder der Gesundheit zu entwickeln. Rund 8.000 Menschen weltweit beteiligten sich an dem achtwöchigen Spiel. In dieser Zeit entwickelten sie mehr als 500 kreative Lösungsansätze. Einige davon wurden zum Startkapital von innovativen Unternehmen und Organisationen, die sich auch heute noch dafür engagieren, die Welt ein bisschen nachhaltiger zu machen.

Tipps für Spielkinder

Essen teilen: Schon 40 Cent reichen aus, um ein Kind im afrikanischen Lesotho einen Tag lang zu ernähren. Die von der UN entwickelte App ShareTheMealermöglicht eine gezielte, schnelle und jederzeit wiederholbare Spende per Smartphone. Nach einmaliger Eingabe der Kontodaten reicht ein Klick – und der Nutzer wird zum Teil einer weltweiten Spendencommunity.

CO2 sparen: Die Online-Community Changers.com fordert dazu auf, vom Auto auf CO2-arme Alternativen umzusteigen. Die eingesparten Emissionen werden in Recoins umgewandelt. Die grüne Währung macht das Energiesparen messbar und unterstützt die „Changer“ auf ihrem Weg zur CO2-Neutralität.

Moleküle bauen: Wie genau setzt sich die für den Stoffwechsel wichtige Ribonukleinsäure (RNS) zusammen? Für die Medizin ist die Beantwortung dieser Frage von enormer Bedeutung. Wissenschaftler haben deshalb das Online-Spiel Eterna Game entworfen, das eine Mischung aus Puzzle und Knobelaufgabe ist. Aufgabe ist, vorgegebene Molekülstrukturen so genau wie möglich nachzubauen – um so gemeinsam mit den Forschern ein großes medizinisches Rätsel zu entschlüsseln.

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2 Kommentare

Maurice Koblitz

toller Artikel Domme!
klasse typ

Dominik

Hallo Maurice,

vielen Dank für das positive Feedback! Schön, dass Dir der Artikel gefällt.

Liebe Grüße
Dominik vom 21 grad Team

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