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Der eigene Herr sein – das Vaillant Gründerstipendium

 

Der Traum vom eigenen Unternehmen – wer träumt den bisweilen nicht. Wenn der unfähige Kollege die Beförderung bekommt, die Autobahn verstopft oder das Kantinenessen mies ist. Es gibt gute Gründe der eigene Herr zu werden. Nicht selten scheitert es aber am Geld. Wir haben den Gewinner des Vaillant Gründerstipendiums getroffen.

Ein sprechendes Spielzeug brachte die zündende Idee – ausgerechnet beim gemütlichen Familienkaffee mit den potenziellen Schwiegereltern. „Hier geht noch was“, dachte sich Sascha Poggemann und war seitdem infiziert. Mit dem Gründervirus. Wenn Teddybären antworten können, dann können das auch andere Geräte. Schließlich spricht hier nicht der Bär, sondern ein elektronischer Chip, der mit einer Sprachsteuerungssoftware bespielt ist. Der könnte auch in Kühlschränke, Kaffeemaschinen oder Gummibäume eingepflanzt werden. Die Idee ließ den 30-Jährigen auch in den Wochen und Monaten nach dem Kaffeeklatsch nicht mehr los. Zurück in der Wahlheimat Münster wurde getüftelt: Ein ganz neues Level der Interaktivität sollte her. Apples Siri war das große Vorbild, aber intelligenter sollte es werden.

Begeisterung ist ansteckend

cognigyHeraus kamen das Start-up Cognigy, eine Finanzierungsfrage und die Vision von einer gerechteren Welt. Eine intelligente, sprachgesteuerte Software, die auch Umgangssprache, Dialekt und Akzente versteht, die Wissen intelligent miteinander verknüpft und mehr Rückfragen als ein eckiges „Habe ich dich richtig verstanden?“ stellen kann – sie bildet das Herzstück des Cognigy-Geschäftsmodells. Die Software kann an beliebigen Orten in unterschiedlichen Szenarien eingesetzt werden. Gaming, Bildung, Heizung. Notruf, Kühlschrank, Telefon – sie alle lassen sich mit Saschas Idee intelligent und allein über die Stimme der Nutzer steuern. Was dem 30-Jährigen fehlte: Geld und Kunden. Eine Kontaktansprache über Xing brachten ihn diesem Ziel einen Schritt näher: Bei einem kalt akquirierten Kaffee lernte Sascha Philipp Heltewig kennen. Eigentlich als potenziellen Finanzier. Vier Stunden und ein gemeinsames Mittagessen später waren die beiden Geschäftspartner. Und die Finanzierungsfrage weiterhin ungelöst.

Schon als Teenager von Technik fasziniert

Ganz neu ist dem gebürtigen Münsterländer die aktuelle Situation nicht. Während seine Kumpels auf den lokalen Fußballplätzen an Weltkarrieren bastelten, baute er im Teenageralter zehn Jahre lang ein Veranstaltungs- und Messebauunternehmen mit auf, das aus einer DJ-Idee entstanden war. Damals war es noch die Lichttechnik, die ihn faszinierte. Heute ist es das intelligente Zuhause und die Daten, die drahtlos von A nach B transportiert werden. „Was man mit Technik ermöglichen kann“, schwärmt Sascha. „Ich kann da mitgestalten.“

Erfolgreiche Gründer brauchen Visionen

Und dann zeichnet er eine Vision, für die man ihm gleich einen Termin bei Ban Ki Moon persönlich verschaffen möchte: Was wäre, wenn man diese sprachgesteuerte Software zu einer Plattform weiterentwickelt, die in allen möglichen Umgebungen eingesetzt werden könnte? In Entwicklungsländern zum Beispiel. Zu Bildungszwecken. Sprachgesteuerte Informationen über das Smartphone sind in diesen Ländern, deren Mobilfunknetze weitaus besser ausgebaut sind als das hiesige, einer deutlich breiten Bevölkerungsschicht zugänglich als Schulen, Bücher oder Zeitungen. „Sprechen können sie alle. Die Antworten auf ihre Fragen erhalten sie dann aus mobilen Endgeräten, z.B. einem Telefon oder etwas noch simplerem“, sagt Sascha. Wer also Informationen über AIDS, Wassereinsparung oder Brunnenbau haben möchte, bräuchte künftig nur noch sein Handy anzusprechen. Die Plattform stellt bedarfsgerecht in der Landessprache die Informationen zur Verfügung – Rückfragen sind selbstverständlich erlaubt. Für den Anfang würde Sascha sich damit zufriedengeben, 2017 den ersten funktionsfähigen Prototypen eines sprachgesteuerten Heizungsreglers vorstellen zu dürfen.

 

Unterstützung von Freunden und Familie

Was treibt so einen an, fragt sich so mancher. Viel Arbeit, wenig Freizeit, zahlreiche Auslandsreisen und ein hohes wirtschaftliches Risiko beschreiben die neue Lebenssituation von Sascha Poggemann. Der Job in Münster wurde gekündigt. Seine Freundin unterstützt ihn. Immerhin: Die Pendelei zwischen dem Arbeitsort Münster und der Beziehung in Düsseldorf hat ein Ende. Der neue Firmensitz befindet sich selbstverständlich in Düsseldorf. Dort hat sich eine lebhafte Start-up-Szene etabliert, die den Vergleich mit Berlin nicht fürchten braucht. Konservativere Freunde oder seine Eltern mahnen auch schon einmal die fehlende Sicherheit in Saschas Leben an. Im Grunde ihres Herzen verstehen sie aber seine Motivation. „Ich hatte bisher immer das große Glück, dass mir das, was ich tue, immer irrsinnig viel Spaß gemacht hat“, lautet die simple Formel hinter Saschas scheinbar anstrengendem Lebensmodell.


Über den STARTPLATZ wurde im August 2016 das erste Vaillant Gründerstipendium ausgeschrieben. Der STARTPLATZ ist Treffpunkt und Netzwerk für junge Unternehmer in NRW. Neben den Stipendienprogrammen bietet der STARTPLATZ Co-Working Spaces, eine Start-up Academy sowie vielfältige Workshop-, Vortrags- und Beratungsangebote.

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