Hoch hinaus!
Die Weltbevölkerung wächst. Bis 2050, so schätzen die Vereinten Nationen, leben etwa 9,7 Milliarden Menschen auf der Erde. Drei Viertel von ihnen werden in Städten wohnen. Es wird also eng in den Metropolen dieser Welt, deren Stadtbild schon heute von Wolkenkratzern geprägt ist. Sie bieten viel Platz auf wenig Fläche und ermöglichen kurze Verkehrswege. Aber schaffen sie es auch in puncto Nachhaltigkeit hoch hinaus?
Stahl aus Recycling-Materialien, natürliche Belüftung oder computergesteuerte Fassadenregelung: Nachhaltige Hochhäuser sind längst keine Vision mehr. Weltweit realisieren Architekten und Ingenieure ökologische Konzepte für Wolkenkratzer – begrünte Dächer gehören dabei inzwischen zum Standard. Hier sind unsere Top-3-Ansätze für nachhaltiges Leben und Arbeiten in Hochhäusern.
1. Windkraft aus dem Hochhaus
Beim Thema Windkraft setzt das Bahrain World Trade Center Maßstäbe. Das Gebäude erzeugt mehr als eine Gigawattstunde Strom pro Jahr. Möglich machen es drei Windräder und die kluge Bauweise. Die beiden ovalen Türme, die das Center formen, erinnern an Flugzeugtragflächen und bilden dadurch einen Trichter. So lassen sich auch Seitenwinde optimal nutzen und eine maximale Energieausbeute erzielen.
Auch der Pearl River Tower, 2011 als Bürokomplex in der chinesischen Stadt Guangzhou eröffnet, setzt auf Windkraft: Das Gebäude verfügt über eigene Technik-Etagen. Deren Fassade ist nach innen gekrümmt, so dass der Wind optimal für die eigene Windkraftanlage im Inneren genutzt werden kann. Das Besondere: Die Anlage wurde vertikal gebaut, um störenden Geräuschen und Vibrationen vorzubeugen. In Kombination mit Photovoltaikelementen, die optimal zur Sonne ausgerichtet sind, ist der Pearl River Tower in der Lage, einen Großteil seines Energiebedarfs autark zu decken.
2. Fokus auf Energieeffizienz
Bei der Planung nachhaltiger Wolkenkratzer spielen kompakte Gebäudeformen und spezielle Fassaden- und Gebäudetechnik eine wichtige Rolle: So wurde der Hearst Tower in New York, der als einer der umweltfreundlichsten Hochhäuser der Stadt gilt, mit einer einzigartigen Fassade aus Glas und Stahlträgern gebaut. Die Materialien wurden schräg angeordnet, so dass sich der Materialeinsatz deutlich verringerte. Mithilfe einer Regenwasser-Sammelanlage auf dem Dach sank der Wasserverbrauch im Hearst Tower um rund 25 Prozent. Durch eine intelligente Tageslichtsteuerung und eine natürliche Belüftung verbraucht das Gebäude zudem mehr als 20 Prozent weniger Energie als vergleichbare Hochhäuser.
Aber auch hierzulande gibt es vielversprechende Ansätze, wie Wolkenkratzer nachhaltig werden: Ein Musterbeispiel ist das Westarkade-Gebäude der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Frankfurt am Main. Das 56 Meter hohe Gebäude zählt zu den weltweit ersten Bürohochhäusern, die weniger als 100 Kilowattstunden Primärenergiebedarf pro Quadratmeter benötigen. Auch hier setzt man auf eine natürliche Belüftung: Dank einer computergesteuerten Regelung der Fassade lassen sich die Windverhältnisse optimal kontrollieren und nutzen.
Ein weiteres leuchtendes Beispiel für den Bau umweltgerechter Bürogebäude ist der Frankfurt Tower 185, der bereits mit dem International Green-Building-Zertifikat LEED Gold ausgezeichnet wurde. Das Besondere: Der Tower fängt pro Jahr rund 2,3 Millionen Tonnen Regenwasser auf, das für die Toilettenspülung und zur Bewässerung der Grünflächen zum Einsatz kommt.
3. Smarte Aufzugtechnologie
Verbesserungspotenzial sehen Experten bei den Aufzugtechnologien, die zu den größten Verbrauchsposten eines Wolkenkratzers zählen. Erste Ansätze, um den Energieverbrauch zu senken, sind vielversprechend. So nutzt beispielsweise das Shanghai World Financial Center die sogenannten Doppeldeckeraufzüge: Übereinander angeordnete Kabinen erhöhen die Effizienz. In einem Wolkenkratzer in Barcelona sorgt ein intelligentes Führungssystem dafür, dass der Energieverbrauch sinkt. Darüber hinaus können Aufzüge heutzutage sogar Strom erzeugen – indem die Energie genutzt wird, die beim Abbremsen der Kabinen entsteht. Auf diese Weise wird im One World Trade Center in New York ausreichend Energie erzeugt, um damit das Beleuchtungssystem des gesamten Gebäudes zu versorgen.






2 Kommentare
Eine Alternative zu Photovoltaik,
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