Gütertransport 2.0
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Gütertransport 2.0: Smarte Ideen für mehr Nachhaltigkeit

 

Der Onlinehandel boomt und immer mehr Waren und Güter werden weltweit transportiert. Das stellt Infrastruktur und Umwelt vor eine Belastungsprobe. Wir stellen euch drei Zukunftsprojekte vor, die das Potential haben, den Gütertransport nachhaltig zu revolutionieren.

Cargo Sous Terrain: Vollautomatischer Warentransport 24/7

Ein Schienen-Tunnelsystem, 50 Meter unter der Erde: Das klingt verrückt, könnte aber in der Schweiz Realität werden. Mit dem ehrgeizigen Projekt „Cargo Sous Terrain“ wollen die Initiatoren ein unterirdisches Tunnelsystem aufbauen, das verschiedene Städte mit Waren und Briefen vollautomatisch beliefert. Auf einer Streckenlänge von 450 Kilometern sollen elektrisch angetriebene Fahrzeuge, die auf Induktionsschienen fahren, Container mit Frachtgütern bis zum Stadtrand befördern. Der innerstädtische Transport erfolgt dann wieder über die üblichen Wege. Der Vorteil: Das Konzept ermöglicht einen 24/7-Warenverkehr.

Schätzungen zufolge könnte Cargo Sous Terrain den Schweizer Straßen- und Schienenraum um rund 40 Prozent entlasten. Und das klimaneutral ohne Abgase. Für die Planung des ersten Teilstücks müssten Investoren rund 86 Millionen bereitstellen. Dann gilt es als wahrscheinlich, dass die Schweizer Regierung grünes Licht für den Baustart gibt. Die ersten 70 unterirdischen Tunnel-Kilometer könnten bis 2030 fertiggestellt werden – bis 2045 würden 380 weitere folgen. Aber klar ist auch: Cargo Sous Terrain ist ein immens herausforderndes Projekt – auch finanziell. Ein Punkt, an dem Kritiker ansetzen und stattdessen für sanftere Ansätze werben.

Platooning: Im Konvoi über die Autobahn

Das Platooning vernetzt LKWs miteinander und lässt diese in einem Konvoi fahren. Der Fahrer überwacht nur noch die Instrumente, den Rest erledigt die Technik. Der Vorteil ist, dass die LKW sicher und im gleichbleibenden Abstand von nur 15 Metern hintereinander fahren können. Im Windschatten des Vordermannes lassen sich bis zu fünf Prozent Diesel einsparen. Für die LKW-Branche wäre das Platooning ein großer Schritt, investiert sie doch schon seit langer Zeit in gewinnbringende Zukunftstechnologien wie diese. Die Gründe liegen auf der Hand: Treibstoff ist der größte Kostenpunkt von Spediteuren.

Daimler erprobt das Fahren in Konvois seit Herbst 2017 auf den amerikanischen Endlos-Highways durch Nevada und Oregon. Wie tauglich das Konzept für Deutschland ist, bleibt allerdings fraglich: Auf den stauintensiven Autobahnen hierzulande würde Platooning nur eingeschränkt Wirkung zeigen. Darüber hinaus ist ein flächendeckendes 5G-Netz nötig – und wann das kommt, ist ungewiss.

Next Generation Train Cargo: Im Güterzug fast bis an die Haustür

Fest steht: Der Güterzug wird auch zukünftig ein Zug sein, der Güter transportiert. Darüber hinaus aber wird alles anders, geht es nach dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Das Projekt „Next Generation Train Cargo“ verfolgt das Ziel, dass sich einzelne Güterwaggons automatisch und per Elektroantrieb zu einem Güterzug arrangieren und dann vollautomatisch zum Zielbahnhof fahren. Dabei werden Geschwindigkeiten zwischen 160 und 200 Stundenkilometern erreicht, so die Hoffnung der Ingenieure.

Das Konzept ist deutlich flexibler als der Schienen-Güterverkehr, wie wir ihn heute kennen. Denn der befördert stets gleiche Güter in möglichst großer Menge. Mit Next Generation Train Cargo wird es perspektivisch möglich sein, unterschiedliche Einheiten in kleineren Stückzahlen zu transportieren.

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Ein Kommentar

Franziska Bergmann

Vielen Dank für den zukunftsweisenden Beitrag. Ich denke ebenfalls, dass im Bereich Gütertransport in den kommenden Jahren ein enormer Fortschritt realisiert wird. Ein Bekannter hat mir von einem LKW Gate erzählt, bei dem die Ware vom Gütertransport automatisch gecheckt wird. Dadurch könnte der Fahrer enorm entlastet werden.

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