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Meine Einrohrheizung: Probleme, Potenziale, Perspektiven

 

Alt, ineffizient, aber nicht zukunftslos: Einrohrheizungen lassen sich optimieren – und manchmal sogar mit Wärmepumpen betreiben.

Ich wohne in einem Mietshaus, Baujahr 2000. Klingt relativ neu – bis man sich die Heiztechnik anschaut: eine Einrohrheizung. Ich hatte sie für ein Überbleibsel aus den 70ern gehalten, aber sie wurde vermutlich dennoch verbaut, um Kosten zu sparen. Als Mieterin bedeutet das für mich in der Heizsaison: Entweder Sauna im Wohnzimmer  oder Kühlschrank im Badezimmer. Warum das so ist, erläutere ich ebenso wie die Möglichkeiten zur Optimierung – und zur Kombination mit einer zukunftsfähigen Wärmepumpe. Denn von fossilen Brennstoffen wollen wir weg – ganz gleich, ob Einrohr- oder zeitgemäße Zweirohrheizung. Doch der Reihe nach!

Was genau ist eigentlich eine Einrohrheizung?

Anders als bei einem modern Heizsystem fließt das Heizwasser bei einer Einrohrheizung der Reihe nach durch alle Heizkörper, die durch eine Ringleitung miteinander verbunden sind. Es gibt also keinen separaten Rücklauf. Der erste Heizkörper im Kreislauf erhält daher das heißeste Wasser, die nachfolgenden zunehmend kühleres. Denn nach jedem Heizkörper wird dem Vorlauf das abgekühlte Rücklaufwasser beigemischt.

Verbaut wurde dieses System in vielen Ein- und Mehrfamilienhäusern, die zwischen 1975 und 1985 gebaut wurden. Laut co2online sind in Deutschland heute noch mehr als 1 Million Einrohrheizungen in Betrieb. Installiert wurden sie vor allem wegen der geringeren Material- und Installationskosten. Da sie jedoch handfeste Nachteile haben, spielen sie im Neubau heute keine Rolle mehr.

Skizzenhaftes Schema einer Einrohrheizung

Grafik: Vamo

Heizen mit Tücken – meine persönlichen Erfahrungen

In meiner Wohnung beginnt der Heizkreislauf im Wohnzimmer. Ich muss also im Wohnzimmer den Heizkörper auf zwei, zweieinhalb aufdrehen, um das Badezimmer auf Temperatur zu bringen. Durch die hohe Vorlauftemperatur am Anfang ist es mir aber im Wohnzimmer mit 22 °C, je nach Außentemperatur, oft zu warm – zumal eine präzise Einzelraumsteuerung über meine Thermostate nicht möglich ist. Das Ergebnis: geringer Wohnkomfort, hoher Energieverbrauch.

Schwächen der Einrohrheizung – und ihre Folgen

Einrohrheizungen sind selten effizient – vor allem, wenn sie nicht optimiert wurden. Zu den häufigsten Nachteilen der Einrohrheizung gehören:

  • Hohe Vorlauftemperaturen: Um auch den letzten Heizkörper im Strang noch erwärmen zu können, muss das Wasser deutlich über 60 °C erhitzt werden.
  • Ungleichmäßige Wärmeverteilung: Räume nahe der wärmeerzeugenden Öl- oder Gas-Heizung werden tendenziell überhitzt, während entferntere eher kühl oder sogar kalt bleiben.
  • Fehlende Regelbarkeit: Besonders bei älteren Einrohrheizungen lassen sich die Heizkörper nicht individuell steuern.
  • Hoher Stromverbrauch der Umwälzpumpe: Da die Pumpe dauerhaft läuft, entstehen dauerhaft Kosten.
  • Ungeeignet für Brennwerttechnik: Grund dafür ist die zu hohe Rücklauftemperatur, sodass diese energieeffizientere Heiztechnik nicht genutzt werden kann. Das Wasser fließt durch alle Heizkörper in Reihe und es kühlt dabei nicht stark genug ab, weil das System so ausgelegt ist, dass jeder Heizkörper noch genug Wärme abbekommt.

 

Heller Heizkörper mit Einrohrsystem vor einem bodentiefen FensterNicht verzagen – die Einrohrheizung hat Optimierungspotenzial

Auch, wenn ich über meine Einrohrheizung nicht glücklich bin, so verstehe ich dennoch, dass mein Vermieter sie nicht einfach auswechseln kann. Denn dafür müsste er sehr viel Boden- und Wandfläche aufreißen, um ein zeitgemäßes Zweirohrsystem mit getrenntem Vor- und Rücklauf verlegen zu können. Und auch ich hätte nicht viel Spaß daran, wenn sich meine Wohnung vorübergehend in eine Großbaustelle verwandeln würde. Zum Glück gibt es aber einige Stellschrauben, an denen man drehen kann, um den Energieverbrauch der Einrohrheizung zu senken und den Wohnkomfort zu erhöhen:

  • Hydraulischer Abgleich: Dabei stellt der Heizungsfachmann sicher, dass alle Heizkörper die optimale Wassermenge erhalten. Entscheidend sind gut eingestellte Bypass-Ventile, die dafür sorgen, dass jedem Heizkörper die optimale Heizwassermenge zugewiesen wird. Bei Einrohrheizungen ist der Abgleich etwas aufwendiger, weil nicht nur der Durchfluss zu jedem Heizkörper, sondern auch die Verteilung innerhalb des Strangs berücksichtigt werden muss.
  • Effiziente Heizungspumpe: Der Austausch alter Pumpen gegen eine Hocheffizienzpumpe reduziert den Stromverbrauch deutlich.
  • Rohrdämmung: Freiliegende Heizungsrohre lassen sich einfach dämmen – eine kostengünstige Maßnahme mit Soforteffekt.
  • Programmierbare Thermostate: Sie optimieren die Steuerbarkeit der Heizkörper und helfen, unnötigen Verbrauch zu reduzieren.

Einrohrheizung plus Wärmepumpe – ist das möglich?

Sagen wir so: Eine Einrohrheizung mit einer Wärmepumpe zu kombinieren ist durchaus herausfordernd, aber nicht unmöglich. Dies gilt vor allem für sternförmig aufgebaute Einrohrheizungen, bei denen mehrere Heizkreise vom zentralen Wärmeerzeuger abzweigen und die Heizkörper nicht sequenziell in einer Reihe angeordnet sind. Wärmepumpen arbeiten zwar mit niedrigen Vorlauftemperaturen bis 45 °C am effizientesten, während Einrohrsysteme meist für 60 bis 70 °C ausgelegt sind. Dennoch gibt es besonders in Gebäuden mit bis zu vier Wohneinheiten oftmals Wege, beide Systeme miteinander zu verbinden. Dazu zählen:

  • Installation größerer oder zusätzlicher Heizkörper (Niedertemperatur-Modelle)
  • Einbau eines Pufferspeichers zur Stabilisierung der Vorlauftemperatur sowie zur Trennung von Wärmeerzeugung und Wärmeabgabe
  • Durchführung eines spezialisierten hydraulischen Abgleichs (u. a. Optimierung der Bypass-Ventile, damit die Heizkörper auch mit niedrigen Temperaturen genug Wärme abbekommen).

Eine praktische Methode, um die grundsätzliche Machbarkeit zu prüfen, ist der sogenannte Heizkurventest: Wenn Ihr im Winter die Vorlauftemperatur vorübergehend auf 55 °C absenkt und Eure Wohnung – idealerweise bei etwa –10 °C Kälte – immer noch ausreichend warm wird, stehen die Chancen für eine Wärmepumpe gut. Bleibt zu hoffen, dass die Heizungsrohre ausreichend groß dimensioniert sind. Daher muss die Umstellung stets im Einzelfall von einem Heizungsspezialisten geprüft werden! Interessante Infos zum Thema „Wärmepumpen im Altbau“ findet Ihr im gleichnamigen Ratgeber.

Fazit: Einrohrheizung – ein Auslaufmodell mit wenigen Chancen

Einrohrheizungen sind veraltet, aber in einigen Hunderttausend Bestandsgebäuden immer noch Realität. Sie haben viele Schwächen, aber es gibt sinnvolle Ansätze zur Optimierung, um Energieverbrauch und Komfort zu verbessern. Auch die Kombination mit einer zukunftsfähigen Wärmepumpe ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich – sie erfordert jedoch eine sorgfältige Prüfung und Planung.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit Einrohrheizungen gemacht?

Wohnt Ihr wie ich mit einer Einrohrheizung? Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht – gerade auch bei der Optimierung oder Kombination mit einer Wärmepumpe? Teilt gern Eure Erfahrungen in den Kommentaren. Damit helft Ihr anderen, die mit diesen Maßnahmen liebäugeln. Vielen Dank!

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