Umweltstreber Skandinavien
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Die Umweltstreber aus Skandinavien

 

Vom Ikea-Heimatland zum Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit: Schweden belegt in internationalen Rankings zur ökologischen und sozialen Entwicklung regelmäßig Spitzenplätze. Ob beim Klimaschutz, dem Bildungssystem oder bei der Gleichberechtigung – die Nordländer gelten als Vorbild für eine moderne nachhaltige Gesellschaft.

Nachhaltigkeit macht weltweit Schule – und Schweden ist der Klassenprimus unter den Ländern. Das Zeugnis für die rund zehn Millionen Einwohner der Halbinsel fällt entsprechend positiv aus. Im SDG-Index der Vereinten Nationen, der die Fortschritte bei der Annäherung an 17 nachhaltige Entwicklungsziele misst, erreichten die Musterschüler aus dem hohen Norden 2017 den ersten Platz. Drei Schlaglichter auf eines der nachhaltigsten Länder der Welt:

Wo der Klimaschutz zu Hause ist

Schweden hat sich ein ambitioniertes Klimaziel gesetzt: Bis zum Jahr 2040 wollen die Skandinavier ihren Strombedarf vollständig mit erneuerbaren Energien decken. Inzwischen stammt bereits mehr als die Hälfte des Stroms aus regenerativen Quellen, vor allem Wind- und Wasserkraft. Zum Vergleich: Deutschland kommt auf einen Wert von rund 15 Prozent. In den kommenden drei Jahren investiert die schwedische Regierung 1,4 Milliarden Euro in Forschungsprojekte und regionale Initiativen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen. So viel Engagement zahlt sich aus: Im Klimaschutz-Index der Entwicklungsorganisation Germanwatch sicherte sich Schweden 2017 die Pole Position. Für Deutschland besteht auf Platz 22 besonders in den Bereichen Kohleausstieg und saubere Mobilität weiterhin Nachholbedarf.

Heimliche Recycling-Weltmeister

Dank eines neuen Recyclings-Systems landet in Schweden nur ein Prozent der Abfälle auf einer Deponie, der Rest wird weiterverarbeitet. Rund die Hälfte der jährlich anfallenden vier Millionen Tonnen Müll lässt sich dabei wiederverwerten. Der Rest wird thermisch aufbereitet. 32 Verbrennungsanlagen im ganzen Land gewinnen aus Abfällen genug Energie, um mehr als 900.000 Haushalte mit Wärme und 250.000 Menschen mit Strom zu versorgen. Für dieses sogenannte Waste-to-Energy-Konzept importiert Schweden sogar Müll aus anderen Ländern. Das soll allerdings eine Übergangslösung bleiben, denn bei der Verfeuerung entsteht trotz effizienter Technologien weiterhin CO2. Deshalb haben die Skandinavier der Wegwerfkultur den Kampf angesagt: Um Anreize für nachhaltigen Konsum zu schaffen, hat das Parlament 2017 den Mehrwertsteuersatz für die Reparatur von Elektrogeräten, Fahrrädern und Kleidungstücken auf zwölf Prozent halbiert.

Chancengleichheit auf skandinavisch

Kein EU-Land gibt im Verhältnis zu seiner Wirtschaftsleistung so viel Geld für Bildung aus wie Schweden. Laut einer aktuellen UNESCO-Studie flossen rund 7,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Schulen und Universitäten. Deutschland liegt mit einem Anteil von 5 Prozent unter dem OECD-Durchschnitt. Zudem haben Schweden aus bildungsfernen Familien eine rund dreimal so große Chance auf einen höheren Bildungsabschluss wie Deutsche mit einem vergleichbaren sozialen Hintergrund. Auch bei der Gleichstellung schneiden die Nordeuropäer gut ab: Im Gender Equality Index der UN führt Schweden die EU-Staaten mit großem Vorsprung an. Vor allem in den Rubriken Arbeit und politischer Einfluss überflügeln die Skandinavier ihre Nachbarn. Die Bundesrepublik ist mit einem Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern von rund 22 Prozent dabei eines der europäischen Schlusslichter.

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