China – Die ökologische Zivilisation der Zukunft
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China – Die ökologische Zivilisation der Zukunft

 

Ein Fünftel der Weltbevölkerung, zweitgrößte Volkswirtschaft, höchster CO2-Ausstoß – in China gelten andere Maßstäbe. Das gilt auch für den Umwelt- und Klimaschutz. Hier will die chinesische Regierung Vorreiter sein. Um dies zu erreichen, treibt sie die nachhaltige Entwicklung der Städte und energieeffizientes Bauen massiv voran.

Bis 2050 werden 258 Millionen Menschen vom Land in die chinesischen Großstädte ziehen. Es muss Wohnraum geschaffen werden. Viel Wohnraum. Aber nicht irgendeiner, sondern möglichst grüner. Bis vor Kurzem noch bekannt als das Land der „Airpocalypse“, hat die chinesische Regierung der Verschmutzung den Kampf angesagt – und das spiegelt sich auch in dem wachsenden Markt für „Green Building“ wider. Seit 2005 hat er sich mehr als verdoppelt. Die Landsea Group zum Beispiel wurde 2001 gegründet. Heute ist sie nicht nur der führende chinesische Entwickler und Betreiber von grünen Gebäuden; sie steht auch auf der Liste der TOP 100 Projektentwickler des Landes. Ökologischer Städtebau wird in China nicht nur diskutiert, sondern ausprobiert – in deutlich größerem Ausmaß als in Europa oder den USA. Ganze Eco-Cities entstehen. Städte, in denen es darum geht, Stadt und Land miteinander zu verbinden – und städtische Entwicklung mit weniger Ressourcenverbrauch und zugleich mehr Lebensqualität zu schaffen. An fünfundzwanzig dieser Öko-Städte arbeitet die Deutsche Energie-Agentur (dena) mit.

66

Millionenstädte existieren in China.
In Deutschland vier.

 

Fast 35 %

der installierten Gesamtstromleistung
stammten 2016 aus erneuerbaren Energieträgern.
In Deutschland waren es 29 %.

 

Gut 4 Mrd. m²

werden jährlich neu gebaut.
Das ist mehr als es Wohngebäude in Deutschland gibt.

 

Quelle: Deutsche Energie-Agentur

Die Deutsche Energie-Agentur (dena) in der Volksrepublik

Die dena entwickelt und realisiert deutsch-chinesische Kooperationsprojekte für energieeffizientes Bauen, nachhaltige Stadtentwicklung, Energieeffizienz in der Industrie, erneuerbare Energien und intelligente Energiesysteme. Ein zentrales Projekt sind die Eco-Cities. Um den CO2-Ausstoß zu reduzieren, werden die Themen Gebäude, Energie, Verkehr, Wasser und Abfall sowie die übergreifende Planung und Organisation ganzheitlich betrachtet. Dabei kann China von deutschem Knowhow über umweltschonende Technologien profitieren.

Eco-Cities – Chinas Antwort auf die rapide Urbanisierung des Landes

Beispiel für eine solche Eco-City ist Tongli im Osten Chinas. Die Gemeinde, die zur Stadt Suzhou gehört, soll künftig nicht nur Touristen anziehen, sondern auch Stadtplaner. Auf einem etwa 300 Hektar großen Areal außerhalb der historischen Wasserstadt mit ihren Kanälen und Brücken soll bis 2022 die Tongli New Energy Town (TNET) entstehen, ein Vorzeigeprojekt der städtischen Energiewende mit weltweiter Bedeutung. Es umfasst zwei Wohnquartiere, ein Geschäftsviertel, ein Hotel und ein Konferenzzentrum – ein neues Zuhause für 20.000 Menschen. Projektentwickler ist State Grid, der weltweit größte Netzbetreiber – Konzeptentwickler die dena.

Tongli soll Kernfragen der urbanen Energiewende beantworten

Dazu plant die dena ein „Integrated Urban Energy System“, das die Wechselwirkungen von Energieversorgung, Gebäudeeffizienz und Mobilität möglichst ganzheitlich berücksichtigt. Da sich ein rein elektrifiziertes Verkehrs- und Energiesystem als unwirtschaftlich darstellte, setzt man in TNET auf einen Energiemix, der auch Wasserstoff für die Mobilität nutzt – erzeugt aus überschüssigem Solarstrom. Auch sollen kleine Windturbinen auf Gebäuden und öffentlichen Plätzen installiert werden. Der Stadtteil soll aber energetisch nicht autark sein, sondern etwa auch von Stromüberschüssen aus umliegenden Solar- und Windenergieanlagen profitieren. Um das Modell mit ähnlichen Projekten weltweit vergleichbar zu machen, hat die dena eigens dafür erforderliche Kriterien entwickelt.

In 30 Jahren könnten zwei von drei Menschen in Städten leben

Eine weitere Besonderheit ist die Einbeziehung der künftigen Bewohner in die Planungen – durch öffentliche Informationsveranstaltungen oder auch Möglichkeiten der Online-Partizipation. Um weitere Innovationen zu inspirieren, soll TNET die urbane Energiewende anschaulich und erlebbar machen. Bewährt sich der Ansatz, soll er im Idealfall als Vorlage für weitere Städtebauprojekte dienen – auch europäische. Denn davon gibt es nicht nur in China reichlich: 2010 lebte erstmals jeder zweite Mensch in der Stadt. Bis 2050 könnten es nach Prognosen der Vereinten Nationen zwei Drittel sein.

 

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