Zapfenernte
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Zapfenernte: Saatgut für die Wälder von morgen

 

Zapfenstreich für den europäischen Baumbewuchs: Der Klimawandel setzt den Bäumen auf der nördlichen Halbkugel zu. Denn zahlreiche Baumarten sind hier zwar durchaus an karge Böden gewöhnt, nicht aber an die anhaltende Trockenheit und zu hohe Temperaturen im Sommer. Damit Wald und Forstwirtschaft überleben, schlägt nun die Stunde der Zapfenernte - mittels mühseliger Handarbeit in höchster Höhe.

Nadelbäume sind beliebt. Denn ihre Vertreter wie Tannen, Lärchen oder Kiefern bilden im Gegensatz zu Laubbäumen oft lange, sehr gerade Stämme aus. Ihr Holz lässt sich dadurch für viele Einsatzzwecke gut nutzen. Doch die veränderten Klimabedingungen machen es den Wäldern schwer. Die bereits in den vergangenen Jahrzehnten beobachtete Zunahme von Hitze- und Trockenperioden ist für die heimischen Bäume – speziell für die Fichte – nur schwer auszuhalten.

Der Klimawandel und die Zapfenernte

Der Klimawandel setzt also nicht nur dem Ökosystem insgesamt zu, er lässt auch die Forstwirtschaft um ihre Leistungsträger bangen. Dort, wo Nadelbäume eingehen, neu aufgeforstet und als Kulturbaumbestand massenhaft angepflanzt werden, greift man nun zu ungewöhnlichen Mitteln: Helfer gehen zunehmend mit dem Steigwagen bis hinauf in die Baumwipfel. Dort sammeln sie zum Beispiel Tannen- oder Fichtenzapfen.

Die geernteten Zapfen öffnen sich nach einer Zeit und geben den darin enthaltenen Samen frei oder werden in Spezialbetrieben weiterverarbeitet, um den Samen schneller zu extrahieren. Dabei kann man ungefähr von einem Verhältnis von 1:10 ausgehen – auf eine Tonne geernteter Zapfen kämen etwa 100 Kilogramm Samen.

Die Zapfenernte ist Handarbeit

ZapfenAngesichts des Klimawandels könnte der Beruf des Zapfenernters in Zukunft Konjunktur erleben, denn Maschinen können diese Arbeit nicht erledigen. Bis hinauf in die höchsten Höhen der Bäume lassen sich die Zapfen auf diese Weise relativ schnell ernten, bei täglich bis zu 200 Kilogramm Ertrag pro Zapfenernter.

Aber auch von kommerziellen Interessen abgesehen, gehen immer mehr ehrenamtliche Zapfenernter in den Wald und pflücken Samen von jenen Bäumen, die die heißen Sommer gesund überstanden haben.

Douglasie: Ein Ersatzspieler für die Fichte?

Damit sind aber die Auswirkungen des Klimawandels auf den Baumbestand nicht beseitigt. Denn neu aufgeforstete Bäume wachsen langsam und auch ernten kann man nicht jedes Jahr. So muss über kurz oder lang wohl ein Ersatz speziell für die Fichte gefunden werden. Ganz einfach ist die Suche nicht, weil man die Auswirkungen des Klimawandels und die Resistenz neuer Bäume nicht genau kennt.
Als widerstandsfähiger Nachfolger der Fichte in Deutschland gilt im Moment die nordamerikanische Douglasie – sie trotzt dem Klima besser und ist robuster als die Fichte. Allerdings sind Einflüsse des Klimawandels auf das Ökosystem „Wald“ vielschichtig. Denn es geht nicht nur um gestiegene Temperaturen, zugleich müssen Bäume auch mit Stürmen und Schädlingsbefall zurechtkommen. Das können gesunde Bäume besonders gut – und gesund sind Bäume dann, wenn sie sich über Generationen an das Klima anpassen konnten.

So ist die Douglasie zunächst nur ein Hoffnungsträger und die Arbeit der Zapfenernter wird erst viele Jahre später zu beurteilen sein, wenn die Bäume groß geworden sind. Die Zeit im Wald vergeht nämlich anders und ist ein Generationenwerk:

  • Fichten werden nach 80 bis 100 Jahren geschlagen,
  • Laubbäume wie Buchen nach 140 Jahren.

Die Zapfenernte hilft dem Wald dabei, sich schneller zu regenerieren.

Wirtschaftsfaktor „Fichtenholz“

Für die Volkswirtschaft in Deutschland ist das wichtigste Holz das der weit verbreiteten Fichte. Sie besiedelt etwa ein Drittel der deutschen Gesamtwaldfläche. Dabei kommt die Fichte nicht nur in natürlich gewachsenen Wäldern vor, sondern vor allem in von Menschenhand angelegten Baumkulturen.

Die Fichte, ein anspruchsvoller Baum?

WaldEigentlich galten gerade Fichten als Bergbäume, die vor allem für Höhen ab 1.000 Meter geeignet sind, bisher eher als anspruchslos, was Bodenbeschaffenheit und das Klima anbelangt. Sie ist kälteresistent und widersteht sogar härtestem Frost. Ihre Achillesferse ist nur, dass sie laufend Wasser und klimatisch eher Feuchtigkeit als Trockenheit brauchen und damit nicht für Standorte in der prallen Sonne geeignet sind.

Andererseits mag die Fichte keine Staunässe, weil dadurch die tieferliegenden Wurzeln absterben. Übrig bleiben dann nur die Tellerwurzeln, die horizontal näher an der Oberfläche wachsen. Dadurch sind solche Bäume eher umsturzgefährdet. Die Fichte braucht also, was ihre Wasserversorgung anbelangt, Kontinuität. Und genau die, ist in Zeiten des Klimawandels nicht mehr gegeben.

Fazit: Ökologie braucht lange Zeiträume

In einer schnelllebigen Zeit, in der selbst der Klimawandel immer rascher näher rückt, vergeht die Zeit im Ökosystem „Wald“ langsam. Maßnahmen wie

  • Zapfenernte durch Menschenhand,
  • Pflanzung neuer Baumarten oder
  • Bewässerung der Wälder bei großer Hitze

sind erste Ansätze. Welche Auswirkungen der Klimawandel bei welchen Temperaturen haben wird, muss sich in langen Zeiträumen erst herausstellen. Dabei ist der Wald sowohl Lebens- und Erholungsraum, Wirtschaftsfaktor und ein großflächiges System, das seinerseits das Klima beeinflusst. Hätten Sie gedacht, dass die Aufforstung so mühselig ist und die Wälder von morgen per Handarbeit entstehen?

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