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Rettet die Lebensmittel!

 

Der eigene Lebensmittelkonsum ist eine wichtige Schraube, die man drehen kann, um nachhaltiger zu leben. Denn, was viele nicht wissen: Nahrungsmittel machen einen Großteil unseres Abfalls aus. Darum sollten Lebensmittel möglichst sorgsam verwendet, statt verschwendet werden.

Man mag es kaum glauben, aber auf unseren Mülldeponien landen tonnenweise Lebensmittel. Umfragen zufolge, werfen wir alle mindestens einmal in der Woche Nahrungsmittel weg. Insgesamt kommen so jährlich 18 Millionen Tonnen zusammen.

Das gilt nicht nur für die Privathaushalte, auch in öffentlichen Einrichtungen wie Schulmensen und gastronomischen Betrieben fallen viel mehr Lebensmittelabfälle an, als vertretbar ist. Im Hinblick auf einen nachhaltigen Lebenswandel ist das fatal, denn für die Produktion von Getreide, Gemüse, Fisch und Fleisch setzen wir Unmengen an Ressourcen ein, darunter Strom, Wasser, Dünge- und Futtermittel. Beispielsweise vernichtet jedes Kilo unverzehrtes Brot 1.000 Liter Wassereinsatz

Foodsharing: Wertschätzung für Lebensmittel

Das Problem haben einige Menschen erkannt und versuchen mit neuen Ideen die Lebensmittelverschwendung einzudämmen. Foodsharing heißt das Konzept, also überzählige Lebensmittel rechtzeitig jemand anderem zur Verfügung zu stellen, anstatt sie verderben zu lassen. Ein bekanntes Beispiel sind die Tafeln in Deutschland: Die gemeinnützigen Tafeln sammeln überschüssige, aber qualitativ völlig einwandfreie Lebensmittel ein und verteilen sie an sozial und wirtschaftlich Benachteiligte. Das gleiche Prinzip kann man auch im Kleinen umsetzen. Und dabei geht es keineswegs darum, ob man viel oder wenig Geld hat, sondern einfach darum, mit Lebensmitteln sorgsam umzugehen.

Eine Plattform rettet Lebensmittel

© Foodsharing e.V.

Der Verein Foodsharing e.V. ist eine Anlaufstelle, für alle, die Nahrungsmittel vor dem Müll retten möchten. Auf der dazugehörigen Internetplattform foodsharing.de sind bereits 200.000 Privatpersonen aktiv. Die sogenannten Foodsharer teilen überzählige Nahrungsmittel untereinander. Eine wichtige Säule der Initiative sind die „Fair-Teiler“. Das sind offene Regale und Kühlschränke, zu denen jeder Foodsharer Lebensmittel bringen und bei Bedarf von dort auch mitnehmen kann; also Verteilerstellen für überzählige Nahrung. Mittlerweile gibt es fast 600 Fair-Teiler in ganz Deutschland. Dazu organisieren sich 40.000 ehrenamtliche Foodsaver über die Internetseite. Sie holen Lebensmittel bei Händlern, Unternehmen und Produzenten ab, und bringen sie zu Menschen, die das Essen noch verzehren.

Remscheid ist die erste Foodsharing-Stadt Deutschlands

Das Konzept Foodsharing können Städte durch eine Partnerschaft aktiv unterstützen. Und Remscheid hat’s getan: Nach dem österreichischen Graz und dem belgischen Eupen ist unsere Heimatstadt nun die erste Foodsharing-Stadt Deutschlands. Das hat die Stadt mit der Unterzeichnung einer gemeinsamen Motivationserklärung mit Foodsharing e.V im März 2020 offiziell beurkundet. Über 200 Remscheiderinnen und Remscheider sind auf foodsharing.de bereits aktiv. Wir hoffen, dass es noch viel mehr werden!

Köstliche Schnäppchen bei To Good to Go

© To Good To Go

Ein ähnliches Konzept verfolgt auch die App »To Good To Go«. Hier bieten gastronomische Betriebe überschüssiges Essen an, denn Überproduktionen lassen sich oft nicht vermeiden. Vieles bedarf einer ansehnlichen Auswahl: die Auslage beim Bäcker, das Mittagsbuffet oder die Regale im Supermarkt. Das, was hier übrig bleibt, ist vollkommen in Ordnung, aber unverkauft. Bei »Too Good To Go« bekommt man diese Waren zu einem reduzierten Preis. Ein Gewinn für alle: Die Kunden erhalten günstiges Essen, die Betriebe können ihre Reste verkaufen und die Ressourcen werden nicht verschwendet. Die App gibt es kostenlos für Android und iPhone.

Clever essen für die Umwelt

Schlussendlich liegt es natürlich stets am eigenen Umgang mit Lebensmitteln, ob viel oder wenig im Müll landet. Am Anfang steht ein bewusster und bedarfsgerechter Einkauf. Auch die sinnvolle Anwendung des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) hilft, Nahrungsmittel nicht vorschnell zu entsorgen: Lebensmittel in einer original verschlossenen Verpackung sind in der Regel über das MHD hinaus noch genießbar. Lediglich schnell verderbliche Lebensmittel tragen ein Verbrauchsdatum. Diese Lebensmittel sollten tatsächlich vor Ablauf des Verbrauchsdatums auf den Tisch kommen.

Die effektivste Lösung gegen Lebensmittelverschwendung ist und bleibt eine kreative Resteverwertung. Aus überzähligen Früchten wird Marmelade. Obst und Gemüse verwandeln sich fein püriert in leckere Suppen und gesunde Smoothies. Frittata, Auflauf, Quiche, Eintopf oder Reispfanne – sie alle machen aus großen und kleinen Überbleibseln ein erstaunlich leckeres Essen. Und was davon übrig bleibt, wartet im Gefrierfach geduldig auf die zweite Chance. Wie genügsam und flexibel Lebensmittel doch sind, dafür sollten wir sie wirklich mehr schätzen und achten.

Viele köstliche und einfache Rezeptideen findet ihr übrigens in der App »Zu gut für die Tonne« vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Dazu bietet die kostenlose App viele Tipps zu Haltbarkeit und Lagerung von Lebensmitteln.

Was ist euer leckerstes Resteessen? Postet eure Rezepte gerne in die Kommentare.

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