Krumme Dinger
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Ganz schön krumme Dinger!

 

Elf Millionen Tonnen Lebensmittel wandern hierzulande jährlich in den Müll. Darunter auch schmackhaftes Obst und Gemüse, das gar nicht erst in den Supermarkt gelangt ist – weil es optisch aus der Norm fällt. 21grad findet: Krumm, na und? Hauptsache lecker! Wir stellen euch drei Projekte vor, denen Gurke, Tomate & Co. gar nicht krumm genug sein können.

Etepetete: Es lebe die „Retterbox“

EtepeteteDie Website von Etepetete lädt noch, da schreit bereits eine Paprika um Hilfe: „Hau mich in die Pfanne“. Zugegeben: Man blickt etwas mitleidig auf die zerknautschte, faltige Schwester der Hochglanz-Paprika aus dem Handel. Und das schlechte Gewissen pocht, wohlwissend, beim Einkaufen oft genau eben nicht die unförmige Zucchini oder den fleckigen Kürbis gewählt zu haben.
Wenn der es denn überhaupt in den Supermarkt schafft. Unmengen frisches Obst und Gemüse werden gar nicht erst geerntet oder bewusst vernichtet, weil sie nicht „schön“ genug für den Verkauf erscheinen. Erschreckend ist, dass die Ernte der Landwirte fast doppelt so hoch ausfallen würde, könnten sie die weniger adretten Lebensmittel berücksichtigen. Das zumindest sagt das Münchener Start-up Etepetete und arbeitet in die Gegenrichtung: Es erwirbt das durchgefallene Gemüse bei Biobauern, größtenteils in der Region, und vertreibt es über das Internet in „Retterboxen“.

Mehr als 700.000 Kilo Gemüse gerettet

Darin finden sich auch Lebensmittel, die allein daran kranken, etwas zu groß oder etwas zu klein geraten zu sein. Ob den Käufer ein dreibeiniger Rettig, eine unförmige Möhre oder eben eine faltige Paprika in der Box erwartet, ergibt sich spontan. Etepetete verschickt saisonal und deshalb das, was die Natur gerade hergibt. Bis jetzt hat das Unternehmen bereits rund 700.600 Kilogramm Gemüse vor dem Wegwerfen gerettet.

The Good Food: Von wegen 2. Wahl

The Good FoodEiner der wenigen Supermärkte, dessen Lager für krummes Gemüse offen steht, ist THE GOOD FOOD in Köln-Ehrenfeld. Hier finden Kunden ausschließlich aussortiertes Obst und Gemüse, Brot, Brötchen und Kuchen vom Vortag oder Chia-Keimlinge, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben.
Gründerin Nicole Klaski wollte dem „Überfluss und der permanenten Verschwendung“ in Deutschland etwas entgegensetzen, nachdem sie von einem Einsatz für eine Hilfsorganisation in Nepal zurückgekehrt war. Klaski ging Containern, später führte sie die Geschäfte bei der Initiative „Foodsharing“, im Herbst 2015 dann wurde ihre Idee von The Good Food Realität.

Kunden zahlen, was sie für angemessen halten

Verkauft wird, was gespendet wurde: von Großhändlern, von einem kooperierenden Hostel oder von Landwirten. Klaski und ihr Team unterstützen die Bauern zudem bei der Nachernte auf deren Feldern. Die Beschäftigten arbeiten ehrenamtlich, die Einnahmen decken gerade die Miet- und Logistikkosten. Denn bei The Good Food zahlen die Kunden, soviel sie wollen oder können: etwas weniger der Student, der am Monatsende knapp bei Kasse ist; etwas mehr der Besserverdiener, der das Projekt mit ein paar Euros extra unterstützt.

Restlos glücklich: Kochen mit geretteten Lebensmitteln

Restlos GlücklichRESTLOS GLÜCKLICH sind alle Gäste des gleichnamigen Berliner Restaurants, das aus unförmigem Gemüse und überschüssigen Lebensmitteln leckere Mittagsgerichte und Drei-Gänge-Menüs zaubert. Ein kleiner Vorgeschmack: „Rote-Beete-Knödel an Kräuteremulsion, Wirsinglaub, Apfelraspel und fruchtigem Salat.“ Dahinter steckt ein hoher kulinarischer Anspruch – und ein selbst auferlegter Bildungsauftrag. Denn Restlos Glücklich ist ein Not-for-Profit-Lokal. Mit seinen Einnahmen deckt es den Aufwand, vor allem aber investieren die Inhaber in Bildungsarbeit an Schulen. Das Ziel: Kindern und Jugendlichen zeigen, wie sie sorgsam mit Lebensmitteln umgehen können, etwa über Kochkurse.

Bewusst konsumieren, weniger wegwerfen

Gemüsesuppe„Mit unseren Projekten möchten wir Menschen dazu bewegen, bewusster zu konsumieren und mehr zu verwerten“, schreibt der Verein auf seiner Homepage. Im April 2015 gab Restlos Glücklich ein erstes Dinner mit geretteten Lebensmitteln, im folgenden Herbst ging das Restaurant an den Start. Seit April 2017 ist die Initiative Träger des „Zu gut für die Tonne“-Preises vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Wir finden: Weiter so!

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