Grüne Stadt der Zukunft
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Die Schwammstadt: Städtebau der Zukunft verhindert Überschwemmungen

 

Zwischen hohen Bürotürmen, Geschäften und Cafés liegen von Ebereschen und Liguster umsäumte kleine Parks. Massive Bänke unter Silberpappeln laden zum Verweilen ein. Selbst die Wände und Dächer der Häuser sind bepflanzt. Grüne Kühle statt aufgeheizter Beton- und Glaswüste – so könnten unsere Städte in Zukunft aussehen. Um Überschwemmungen, Hitzewellen und Stürme zu vermeiden, setzen immer mehr Städte auf das Schwammstadt-Prinzip. Doch was steckt hinter diesem Ansatz? Welche Vorteile bietet er? Und welche Städte sind damit bereits erfolgreich?

Die Schwammstadt einfach erklärt

Straßen, Häuser, Parkplätze – Städte sind durch die vielen versiegelten Flächen bei Starkregen besonders anfällig für Überflutungen. Je dichter eine Stadt bebaut ist, desto weniger Regenwasser versickert auf natürlichem Weg im Boden. Stattdessen fließt das Wasser oberflächig über die Kanalisation ab. Übersteigt die Wassermenge hier die Aufnahmekapazität, kommt es zu Überschwemmungen. Zudem leitet die Kanalisation das Wasser ungefiltert in die Gewässer. Dadurch gelangen Mikroplastik, Treibstoffrückstände, Gummiabrieb und Öl von der Straße in die Umwelt. Das Prinzip der Schwammstadt basiert auf der Idee, den natürlichen Wasserkreislauf in die Stadtplanung zu integrieren: Statt Regenwasser über die Kanalisation abzuleiten, wird es vielerorts gesammelt und gespeichert. Die Stadt saugt sich wie ein Schwamm mit Regenwasser voll und gibt es bei Hitze und Trockenheit wieder ab. Das Ziel ist, Flächen zu schaffen, die große Mengen Wasser aufnehmen können. Das reduziert Überschwemmungen, verbessert das Stadtklima und fördert die Vegetation.

Das Schwammstadt-Prinzip in der Praxis

Erst das Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen macht eine wassersensible Stadtentwicklung wirklich erfolgreich:

  • Wasserdurchlässige Beläge: Statt Flächen zu versiegeln kommen wasserdurchlässige Beläge zum Einsatz. Forscher arbeiten an Bodenbelägen, die Wasser aufnehmen, indem beispielsweise Betonsteine auf ein Splittbett gelegt werden und so winzige Hohlräume entstehen.
  • Gebäudebegrünung: Begrünte Dächer und Fassaden können große Mengen an Regenwasser zurückhalten. Kletterpflanzen oder direktbepflanzte Fassaden helfen, Niederschläge aufzufangen. Die Gebäude sind dadurch besser gedämmt und im Sommer kühlt die verdunstende Feuchtigkeit die Luft ab . Voraussetzung ist allerdings der fachgerechte Einbau und eine regelmäßige professionelle Pflege (Rückschnitt, Einflechten in Kletterhilfen und Düngung).
  • Regenwassernutzung: Auf den Dächern gesammeltes Regenwasser spült die Toilette, reinigt die Böden oder bewässert Grünflächen. Auch künstlich angelegte Teiche speichern Regenwasser.
  • Versickerungsflächen schaffen: Ausgedehnte Grünflächen wie Parks und Wiesen sind ideale Versickerungsflächen. Darüber hinaus sammeln Mulden und Rigolen an Straßen und Gehwegen Regenwasser und lassen es versickern. Bäume entlang dieser Versickerungsflächen lassen das Wasser über ihre Blätter verdunsten.
Grafik Schwammstadt

Grün, nachhaltig, biodivers – die Vorteile einer Schwammstadt

Eine Schwammstadt bietet viele Vorteile:

  • Sie entlastet die Kanalisation: Die Flächen, die Regenwasser lokal aufnehmen und speichern können, entlasten die Kanalisation bei Starkregen. Das reduziert Überschwemmungen und minimiert die Gefahr von Schäden an Infrastruktur und Gebäuden.
  • Sie ermöglicht, Regenwasser nachhaltig zu nutzen: Gesammelt eignet es sich etwa, um Grünflächen zu bewässern, die Toilettenspülung zu versorgen oder zu Reinigungszwecken. Das spart wertvolles Trinkwasser und ist besonders effizient.
  • Sie verbessert das Stadtklima: Bei Hitze geben Grünflächen und Bäume das gespeicherte Wasser ab, das Verdunsten kühlt die Luft und die Temperaturen in der Stadt sinken.
  • Sie fördern die Biodiversität: Begrünte Dächer, Fassaden und andere Flächen in Schwammstädten fördern die Biodiversität, denn sie bieten Insekten, Vögel und andere Tierarten einen Lebensraum.

Schwammstädte weltweit

Die dänische Hauptstadt Kopenhagen gilt als Vorreiter in der Hochwasservorsorge. Die Stadt setzt seit 2012 auf mehr Grünflächen entlang der Straßen und Versickerungsbecken. Leicht abschüssige Straßen leiten das Wasser effizient ab. Der multifunktionale Enghavepark dient gleichermaßen als Rückhaltebecken wie als Erholungsraum . Heute hält der Park bei Wolkenbrüchen fast 23 Millionen Liter Wasser zurück – das sind neun befüllte olympische Schwimmbecken.

Die nordchinesische Stadt Harbin hat das Prinzip der Schwammstadt bereits 2013 umgesetzt. Dort sammelt, reinigt und speichert ein großer “Regenwasserpark” Niederschläge. Der Park schützt dabei nicht nur vor Hochwasser, sondern lädt die Bewohner ein, sich im Grünen zu erholen.

BerlinDie Schwammstadt Berlin kombiniert verschiedene Maßnahmen wie Dachbegrünung, Fassadenbegrünung, Regenwassernutzung und Versickerungsflächen entlang von Straßen und Plätzen. Außerdem renaturiert die Stadt Gewässer wie Kanäle und Flüsse, um zusätzliche Rückhalteflächen zu schaffen.

Auch Hamburg arbeitet daran eine Schwammstadt zu werden. Die Gründachstrategie sieht vor, mindestens 70 Prozent der Neu- und Bestandsbauten mit Grünflächen auszustatten. Das soll Regenwasser zurückhalten und das Stadtklima verbessern.

Eine Antwort auf die Klimakrise

Begrüntes HochhausNeben den finanziellen Aspekten für die notwendige Infrastruktur muss die Bevölkerung das Konzept akzeptieren und sich durch private Regenwassernutzung und Gebäudebegrünung aktiv beteiligen. Darüber hinaus ist sehr wichtig, das Konzept in bestehende Stadtstrukturen zu integrieren. Stadtplaner, Architekten, Ingenieure und Umweltschutzexperten müssen eng zusammenarbeiten. Eine große Herausforderung, die sich lohnt: Schwammstädte sind eine innovative Antwort auf den Klimawandel und verbessern die Lebensqualität in urbanen Räumen, denn sie schützen vor Hochwasser, gehen effizient mit Wasser um und schaffen grüne lebenswerte Räume für die Menschen.

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