Mann mit Exoskelett
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Exoskelette im Handwerk – Wie Ironman auf der Baustelle?

 

Auch wenn das Wort „Exoskelett“ vielleicht erst einmal nach echsenartigen Dinosauriern klingt, geht es inhaltlich vielmehr um ziemlich moderne Hilfsmittel. Die „Außenskelette“ (exo ist altgriechisch für „außen“) können den Körper auf unterschiedliche Weise unterstützen und kommen inzwischen auch in Handwerksberufen zum Einsatz. Das ist nachhaltig im Umgang mit einer besonders wichtigen Ressource: der menschlichen Gesundheit.

Exoskelette sind mechanische Stützstrukturen, die dem Körper von außen angelegt werden und bei bestimmten körperlichen Tätigkeiten im Wortsinne unterstützen. Sie finden in der Medizin, in der Industrie, im Sport und sogar beim Militär Anwendung: Die Assistenzsysteme können gelähmten Menschen helfen, wieder zu gehen, sie machen das Bewegen enormer Lasten möglich und helfen Athletinnen und Athleten, schneller oder ausdauernder zu sein. Doch auch in handwerklichen Berufen liegen große Chancen in der Arbeit mit Exoskeletten, denn sie können ein sinnvoller Weg sein, körperliche Tätigkeiten wie beispielsweise schwere Hebearbeiten zu erleichtern und die resultierende physische Belastung zum Schutz des Körpers verringern.

Gesünder und effizienter dank Exoskeletten?

Frau mit Exoskelett trägt KisteDiesen Vorteil schätzt auch Kilian Schramm, der gemeinsam mit seinem Vater den Betrieb Hans Schramm Baddesign in München führt. Das Unternehmen beteiligt sich am Forschungsprojekt „Handwerksgeselle 4.0“ des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). Es beleuchtet, wie Exoskelette den Arbeitsalltag in SHK-Betrieben erleichtern können. „Die körperliche Beanspruchung der Mitarbeiter sinkt enorm, sie können schneller arbeiten und auch länger erstklassige Qualität liefern, sodass wir unsere Leistungen auch kosteneffizienter anbieten können,“ so Kilian Schramm im Gespräch mit dem SHK-Fachmagazin Si. Auf Dauer könnten Mitarbeitende länger und gesünder in körperlich anspruchsvollen Handwerksberufen tätig bleiben. Das wiederum macht auch eine Ausbildung im Handwerk für neue Zielgruppen interessant.

Noch etwas Wegstrecke bis zum Heldenstatus

Doch es gibt auch Herausforderungen beim Einsatz der „Roboteranzüge“. Günstig sind die Exoskelette nicht: Die Anzüge, für die sich das Münchner Unternehmen entschieden hat, kosten rund 800 Euro pro Stück. Zudem werden für unterschiedliche Arbeiten mitunter auch unterschiedliche Modelle benötigt und das An- und Ablegen der Exoskelette ist zu aufwendig, um sie mehrmals täglich zu wechseln. Im Idealfall bräuchte es also ein „Universal-Exoskelett“.

Die größte Hürde ist jedoch das Selbstbild vieler Handwerkerinnen und Handwerker, mit dem sich ein Assistenzsystem wie das Exoskelett (noch) nicht so recht vereinbaren lässt: Sie sehen im Exoskelett eher ein Eingeständnis von Schwäche als ein unterstützendes Werkzeug. Diese Beobachtung wurde in vielen der Betriebe gemacht, die sich am Forschungsprojekt beteiligen. Ein wichtiger Ansatzpunkt, um das Image von Exoskeletten zu verbessern: anfängliche Hemmschwellen überwinden durch praktisches, gut angeleitetes Heranführen an die neuen Arbeitsmittel. Später könnten Mitarbeitende eine Prämie erhalten, wenn sie z.B. mithilfe des Exoskeletts den Bauzeitplan besser einhalten oder ein Projekt schneller zum Abschluss bringen. Langfristig wird die tägliche Praxis für mehr Verständnis und Wertschätzung sorgen. Um möglichen Ressentiments vorzubeugen und die Beteiligten gut abzuholen, ist es wichtig, alle relevanten Interessengruppen wie Mitarbeitende, Gesundheits- und Sicherheitsbeauftragte sowie Personal- und Produktionsabteilungen in die Planung mit einzubeziehen.

Es gibt also noch einige Entwicklungsfelder. Doch dann ließe sich mit Exoskeletten vielleicht wirklich für mehr Ironman-Vibes auf der Baustelle sorgen – und langfristig auch für gesündere und beschwerdefreie Arbeitende im Handwerk.

Mehr zum Forschungsprojekt „Handwerksgeselle 4.0“ unter www.hwg40.de oder in folgendem Video:

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