Gartenbeet
7 Lesern gefällt das

Hallo Permakultur, tschüss konventionelle Landwirtschaft?

 

Unsere Art, Lebensmittel herzustellen, verbraucht zehnmal so viel Kalorien, wie darin enthalten sind, so Patrick Whitefield, einer der Permakultur-Pioniere in Europa. Doch wie sieht die Alternative aus? Vielversprechend, seht selbst!

GartenarbeitIst es möglich, auf einem Quadratmeter Erde ohne Kunstdünger, Pflanzenschutzmittel und Maschinen drei- bis viermal mehr pflanzliche Nahrung zu erzeugen als mit diesen Hilfsmitteln? Wenn ja, dann könnten mehr Menschen mit hochqualitativem Gemüse und Obst versorgt werden, für das weniger Ressourcen verbraucht würde – bei gleichzeitiger Förderung der Artenvielfalt. Was utopisch klingt, ist längst Wirklichkeit und nennt sich Permakultur.

Doch Permakultur ist mehr als ein landwirtschaftliches Konzept. Es zielt darauf ab, dauerhaft funktionierende und naturnahe Kreisläufe zu schaffen und formuliert ethische Leitprinzipien: den achtsamen Umgang mit der Erde, den Menschen sowie die Selbstbegrenzung zugunsten eines fairen Austausches von Ressourcen. Entwickelt wurde das Konzept in den 70er Jahren in Australien von Bill Mollison und seinem Schüler David Holmgren. Mollision erhielt 1981 den Alternativen Nobelpreis dafür.

Vielfalt statt Monokultur

VielfaltInzwischen wird Permakultur weltweit praktiziert. Hobbygärtner und Landwirte verbinden die Prinzipien des Biolandbaus mit Anbaumethoden der Naturvölker: Sie planen mit der Natur und gestalten sich selbst erhaltende Lebensräume. Im Gegensatz zum Biolandbau nutzen sie jedoch weder fossile noch erneuerbare Energien und keine Maschinen oder Geräte außer Rechen und Pflanzstöcke. Relativ kleinflächige Hoch- und Hügelbeete, die mit einer Vielzahl von Kräutern, Gemüsen und Obstsorten bepflanzt werden, erleichtern die Handarbeit. Da alles wiederverwendet und in den Kreislauf der Natur zurückgeführt wird, fällt kein Abfall an.

Maßstab ist die Natur

Grundlage der Permakultur ist die Beobachtung, wie sich Leben in der Natur entwickelt, organisiert und erhält. Basierend darauf nutzt die Permakultur Gestaltungsprinzipien und Werkzeuge, die sich auf jedes beliebige System anwenden lassen: einen Garten, einen Bauernhof, ein Dorf, eine Stadt etc. Die Herangehensweise ist ganzheitlich und kann auf viele Aspekte bezogen werden.

Ursachen des Ertragsreichtums

KopfsalatFranzösische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen untersuchten in einem Zeitraum von vier Jahren tausend Quadratmeter kultivierter Fläche der 1,4 Hektar großen Farm Bec Hellouin (YouTube). Bec Hellouin erwirtschaftet in der Normandie mit einem Dutzend Angestellten über 50 Euro pro Quadratmeter– und damit deutlich mehr als ein Gemüsebetrieb vergleichbarer Größe. Sie sammelten Daten wie Arbeitszeit, Arbeitsmittel und Erntegewichte und stellten fest, dass die höhere Produktivität aus der Vielfalt der Pflanzen auf engem Raum resultiert, was diese zugleich robuster macht – auch gegen Schädlinge. Weitere Erfolgsfaktoren sind die intensive Pflege der Gärtner, die kluge Einführung von neuen Beeten in das Gesamtsystem, die Nutzung von Pferdemist aus der Nachbarschaft als Dünger, der Verzicht aufs Pflügen und das Abdecken des Bodens mit Stroh, um Feuchtigkeitsverluste zu vermeiden. Ebenfalls positiv zu Buche schlägt natürlich der Wegfall von Betriebskosten für Maschinen, Treibstoffe, Pestizide und Düngemittel.

Wo ist der Haken?

Landwirtschaft nach den Prinzipien der Permakultur ist ein Gewinn für Umwelt und Klima. Jedoch lassen sich diese nicht ad hoc auf jeden konventionellen Betrieb übertragen, da vor allem die geographischen Bedingungen eine große Rolle spielen. Auch muss der Landwirt bereit sein, sich auf diese einzulassen. Und einen langen Atem mitbringen, denn es dauert rund fünf Jahre, bis er erste Gewinne einfährt. Die Praxis zeigt jedoch, dass bereits Landwirtschaften mit mehreren hundert und tausend Hektar Fläche funktionieren. Zur Erinnerung: ein Hektar entspricht 10.000 Quadratmetern.

Eine Vision: Bewaldung von freigewordenen landwirtschaftliche Flächen

In „Permakultur kurz & bündig“ führt Patrick Whitefield, einer der europäischen Permakultur-Pioniere, in das Konzept einer Ökologisierung aller Lebensräume ein: vom Modell des „Naturgartens“ und des „Stapelns“ für die den ländlichen und urbanen Gartenbau, für „lebende Häuser“, für Stadt-Land-Kooperativen und lokale Lebens- und Produktionsgemeinschaften – mit dem Ziel, sich destruktiven globalen Märkten zu entziehen. Die Vision des Autors: Da permakulturelle Landwirtschaft mehr Ertrag auf weniger Raum erzielt, könnten die freigewordenen Flächen bewaldet werden, um CO2 zu binden und die Artenvielfalt zu regenerieren.

Gratis downloaden könnt ihr euch „Das Wesen der Permakultur“ von David Holmgren.

Was denkt Ihr? Habt Ihr Lust bekommen, selbst aktiv zu werden und vielleicht eigenes Gemüse und Obst zu ziehen – in einem Hochbeet oder auf Kästen im Balkon? Wir freuen uns auf Eure Kommentare!

7 Lesern gefällt das

Schreibe gerne einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.