Ein Mann genießt eine warme Dusche. Das Wasser rieselt angenehm von oben herab.
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Wie entstehen Legionellen im Trinkwasser & wie gefährlich sind sie für die Gesundheit? (Artikel 1/3)

 

„Duschverbot! Legionellen im Trinkwasser!“ Solche Meldungen sind oft in lokalen Medien zu lesen oder als Aushang in Miethäusern, Schulen oder Sportstätten zu finden. Aber was sind Legionellen? Wie kommen sie ins Trinkwasser? Und wie gefährlich sind Legionellen wirklich? Alles nur Panikmache? Ganz und gar nicht! Denn unter Fachleuten wird die Gefahr, die von Legionellen ausgeht, viel intensiver diskutiert als in der breiten Öffentlichkeit.

Was sind Legionellen?

Legionellen sind stabförmige Bakterien mit etwa 6 μm Länge (also viel viel kleiner als ein Haar dick), die im Wasser vorkommen. Derzeit sind etwa 57 verschiedene Legionellen-Arten bekannt. Laut Robert-Koch-Institut ist die für uns gefährlichste die Legionella pneumophila. Dieser Typ verursacht etwa 90 Prozent aller Erkrankungen durch Legionellen.

Wie gefährlich sind Legionellen im Trinkwasser für die Gesundheit?

Sonnenstrahlen lassen die Wasseroberfläche einer Trinkwasser-Talsperre in verschiedenen Blautönen schillern.

Da Legionellen Umweltkeime sind, kommen sie in natürlichen Gewässern vor. Allerdings in unbedenklicher Konzentration.

Wie der wissenschaftliche Name der bedeutendsten Legionellen-Art deutlich macht, können Legionellen Pneumonien verursachen. Das sind Lungenentzündungen. Eine einfache Infektion ist so ähnlich wie eine fieberhafte Grippe. Der hauptsächliche Infektionsweg ist dabei das Einatmen von kontaminierten Wassertröpfchen beim Duschen. Gefährlich können aber auch andere Quellen sein, die – meist warmes – Wasser zerstäuben, zum Beispiel Whirlpools, Raumluftbefeuchter oder Zimmerbrunnen. Schuld an Massenerkrankungen durch Legionellen sind hingegen häufig gewerbliche Kühlanlagen, die zerstäubtes Wasser als Aerosole in die Luft abgeben.

An Lungenentzündungen sterben in Deutschland schätzungsweise 40.000 bis 50.000 Menschen pro Jahr. Wie viele davon auf das Konto von Legionellen gehen, ist unbekannt. Aber es gibt Anhaltspunkte: Einer Studie zufolge lösen Infektionen mit Legionellen in Deutschland schätzungsweise jedes Jahr 15.000 bis 30.000 Lungenentzündungen aus. Menschen mit geschwächtem Immunsystem und ältere Menschen sind besonders gefährdet. Wie schwer die Erkrankung verläuft, hängt vom allgemeinen Gesundheitszustand ab. Die Sterblichkeit einer solchen Lungenentzündung – auch als Legionellose oder Legionärskrankheit bezeichnet – liegt bei 10 bis 15 Prozent. Demnach sterben hierzulande schätzungsweise jedes Jahr bis zu 4.500 Menschen an einer Legionellen-Infektion.

Die Gefahr, die von Legionellen für die Gesundheit ausgeht, ist also hoch. Deshalb schreibt der Gesetzgeber auch regelmäßige Untersuchungen auf Legionellen in Gebäuden mit „gewerblich genutzten“ Trinkwasseranlagen vor. Außerdem ist eine Trinkwasser-Kontamination mit Legionellen ebenso meldepflichtig wie die Legionellen-Erkrankung selbst. Das gilt sogar europaweit. Auch für die erwähnten Kühlanlagen für Industrie und Gewerbe sind neue Melde- und Untersuchungspflichten vom Gesetzgeber erlassen worden. Denn sie stellen ebenfalls bei nicht sachgemäßer Wartung eine ernste Gefahr für die öffentliche Gesundheit dar.

Legionellen – der Name erinnert an die Gefahr

Die heute als Legionellen bekannten Bakterien wurden 1977 entdeckt. Forscher untersuchten den ungeklärten Tod von 29 Personen, die alle eines gemeinsam hatten: Sie waren Legionäre der US-Armee und nahmen im Juli 1976 an einem Veteranen-Kongress teil. Im Anschluss erkrankten insgesamt 180 Anwesende an einer Lungenentzündung. Ein bis dahin unbekanntes Bakterium wurde im Lungengewebe als Ursache ausgemacht und gab dem gefährlichen Keim und der Krankheit seinen Namen – die Legionärskrankheit.

Wie entstehen Legionellen im Trinkwasser?

Morgens im Bad: Eine Frau fängt mit ihren Händen das wohltuende Nass aus dem Wasserhahn auf.

Unter Umständen kommt es in Trinkwasser-Installationen zu einer gefährlichen Vermehrung von Legionellen. Nutzer können das verhindern, indem sie beispielsweise regelmäßig überall Wasser zapfen.

Die Frage „Wie entstehen Legionellen?“ trifft nicht ganz den Kern. Legionellen sind Umweltkeime und damit praktisch in jedem Süßwasser vorhanden – von Flüssen über Seen und Talsperren bis Brunnen. Bei den typischen Wassertemperaturen, der ständigen Wasserbewegung und dem üblichen Nährstoffangebot in natürlichen Gewässern bleibt die Legionellen-Konzentration hier jedoch auf einem unkritischen Niveau. Gefährlich kann es erst werden, wenn Trinkwasser-Installationen in einem Gebäude Legionellen ideale Wachstumsbedingungen bieten.

Legionellen im Trinkwasser vermeiden: Das raten die Experten

In Trinkwasser-Installationen können sich Legionellen unter bestimmten Bedingungen gefährlich vermehren. Insbesondere beim Duschen besteht die Gefahr, Legionellen über das zerstäubte Wasser einzuatmen. Deswegen raten Experten, sich mit der sachgemäßen Nutzung von Trinkwasser im Haushalt vertraut zu machen. Außerdem empfehlen Trinkwasserhygieniker Eigenheimbesitzern im eigenen Interesse vorsorgliche Legionellen-Prüfungen, obwohl dazu keine gesetzliche Verpflichtung besteht.

Fazit:

Die Warnung vor Legionellen im Trinkwasser ist keine Panikmache – Legionellen sind wirklich gefährlich. Deshalb sind Maßnahmen zum Schutz vor Legionellen wichtig.

Beteiligt Euch doch bitte an einer kurzen Umfrage:

Habt Ihr bereits Erfahrungen mit einer Legionellen-Prüfung gemacht?

Danke fürs Mitmachen!

 

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7 Kommentare

Uwe

Laut Robert Koch Institut kommt es bei ca. 1,7 von 100.000 Personen in Deutschland zu einer Legionellose. Das sind ca. 1450 Personen pro Jahr. Die Sterblichkeit bei einer Legionellose ist 10-15 %. Also bei 15 % sind das 218 Personen und nicht 4500, wie von Ihnen dargestellt.

21 grad Redaktion

Hallo Uwe,

vielen Dank für Deine Nachricht.

Ich habe die Zahlen des RKI dahingehend noch mal geprüft. Du hast recht, das RKI gibt eine Meldeinzidenz von 1,7 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner an. Das RKI schreibt aber weiter: “Da nicht alle Pneumonien auf eine Legionellen-Infektion getestet werden, ist von einer Untererfassung auszugehen. Aus Studieninformationen wird die tatsächliche Inzidenz nicht-Krankenhaus-assoziierter Fälle von Legionärskrankheit auf etwa 18 bis 36 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner geschätzt…”

Wir haben uns in unserem Artikel auf die Zahlen aus der Studieninformation bezogen und mit den 18 bis 36 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner gerechnet.

Vielen Dank und liebe Grüße,
Jacqueline vom 21grad Redaktionsteam

Lutz

In eurem Artikel schreibt ihr, dass ältere Menschen und Kinder besonders durch eine Legionelleninfektion gefährdet sind.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informiert dagegen aber so über eine LegionellenInfektion :

” Gefährdet sind vor allem Menschen mit einer geschwächten Immunabwehr, Senioren oder Raucher. Zu einer geschwächten Immunabwehr können auch Medikamente beitragen, welche das Abwehrsystem des Körpers unterdrücken. Männer erkranken häufiger als Frauen, Kinder nur selten.”

21 grad Redaktion

Hallo Lutz,

vielen Dank für Deinen Hinweis und das aufmerksame Lesen. Wir werden dies in unserem Artikel anpassen.

Liebe Grüße
Michelle vom 21grad Team

Henri Conen

Guten Morgen;
Ich habe das Problem, dass es im Garten zwei Abgänge zu Nebengebäuden gibt, wo früher einmal eine Zapfstelle genutzt wurde. Leider weiss Niemand WO genau diese Abzweige in der Erde sind! Zum anderen habe ich keine Ahnung, wie die Temperatur an meinem Elektroboiler zu regeln! Wir haben einen 250L Behälter, den wir allerdings eigendlich nicht mehr voll nutzen, da unser Sohn inzwischen ausgezogen ist! Aber auf Grund der hohen Strompreise würde ich gerne den Boiler auf eine max.mögliche niedere Temperatur runterregeln! Würde sich dadurch die Gefahr von Legionellen wesendlich erhöhen?

21 grad Redaktion

Hallo Henri,

vielen Dank für Deine Nachricht. Bitte entschuldige die verspätete Rückmeldung.
Die Gefahr von Legionellen erhöht sich grundsätzlich, wenn Warmwasser unter 50°C absinkt oder das Wasser zu lange in den Leitungen steht und sich dann entsprechend erwärmt bzw. abkühlt. In Mehrfamilienhäuser oder öffentlich-gewerblich genutzte Gebäude ist sogar eine Mindesttemperatur des Warmwassers von 55 °C (!) vorgeschrieben. Wenn Du die Speichertemperaturen zumindest etwas absenken möchtest, solltest Du aber mindestens einmal wöchentlich eine sogenannte Legionellenschaltung durchführen.
Weitere Informationen kannst Du in unserem zweiten Teil zum Thema Legionellen finden: https://www.vaillant.de/21-grad/rat-und-tat/legionellenprophylaxe-so-beugt-ihr-legionellen-im-leitungswasser-vor/

Liebe Grüße
Michelle vom 21grad Team

Dr. Fedor ERnst

Sehr geehrte Redaktion,

in Ihrem Artikel „Wie entstehen Legionellen im Trinkwasser und wie gefährlich sind sie für die Gesundheit?“ behaupten Sie ohne jeglichen Nachweis:
„Demnach sterben hierzulande schätzungsweise jedes Jahr bis zu 4.000 Menschen an einer Legionellen-Infektion.“

Nachweislich sterben nach RKI Statistik (Legionellen sind eine meldepflichtige Erkrankung) seit 2011 bis 2020 30-84 Menschen pro Jahr. Nicht 4.000!
Sie beziehen sich mit Ihrer Zahl der Erkrankten von 30.000 pro Jahr wahrscheinlich auf eine Studie von Baum et al aus dem Jahr 2008. In dieser Studie wird ohne jeden Beweis eine Schätzung über die vermeintliche Dunkelziffer der Legionellen Pneumonie abgegeben. Dies ist wissenschaftlich gesehen sehr fragwürdig, da es sich um keine hochwertige epidemiologische Studie handelt.
Die Letalitätsrate von 10-15% der Legionellen Pneumonie betrifft im übrigen nur die Patienten, die in ein Krankenhaus mussten. Es gibt aber sehr viele unterschiedliche Legionellen mit unterschiedlicher Pathogenität und Morbidität. Ihr Ansatz, die Krankenhausletalität auf geschätzte und nicht nachgewiesene Fälle hochzurechnen, ist unseriös und definitiv falsch.

Für diese Zahlen gibt es weder in nationalen noch internationalen Publikationen einen Anhalt. Ich empfehle eine Recherche bei pubmed oder in dem ECDC Report über Europa: https://www.ecdc.europa.eu/sites/default/files/documents/leggionnaires-disease-annual-epidemiological-report-2020.pdf
Hier werden insgesamt in Europa maximal 11.405 Legionellen Fälle im Jahr 2018 nachgewiesen. Der Umfang der nicht erkannten Fälle wird nicht beziffert, sondern nur allgemein von einem Underreporting ausgegangen. Von hochgerechneten Todeszahlen ist in dieser wissenschaftlichen Studie nichts zu finden.

Sie schüren Angst in eigenem wirtschaftlichen Interesse. Ich bitte Sie um eine Richtigstellung oder um eine Ihre Behauptung stützende Argumente.
Und vergleichen Sie bitte die 30-84 Legionellen-Todesfälle in Deutschland pro Jahr mit den Corona Todesfällen aus dem Jahr 2021 (77.956) und 2022 (49.305). Covid 19 ist ein relevantes Gesundheitsproblem. Und nicht die Legionellen Pneumonie.

Seit Einführung der Legionellen Verordnung im Jahr 2011 sind die Fall- und Todeszahlen in Deutschland um das Doppelte gestiegen! Wo bleibt der Effekt der milliardenschweren Anstrengungen und der unnötigen CO2 Emissionen durch die Erhitzung des Warmwassers. Er ist kleiner als Null!!

Es wird Zeit das Gespenst der Legionellen zu vertreiben, es ist nur ein relativ unter vielen Gesundheitsproblemen. Siehe Todeszahlen durch Rauchen, Drogen, Alkohol, Diabetes, Adipositas, alles durch gutes Leben vermeidbare Fälle und nicht durch teure und CO2 intensive Maßnahmen.
Dr. Fedor Ernst

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