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Wie der Klimawandel den Baugrund verändert

 

Der Klimawandel ist real. Das hat die Baubranche erkannt. Denn Gebäude sind seit eh und je der Witterung ausgesetzt. Neue Wetterphänomene wie Starkregen und Dauerhitze können Häusern und ihrem Baugrund schaden. Darum müssen schon beim Bau wirksame Vorkehrungen gegen die Folgen des Klimawandels getroffen werden.

Über Gebäude wird viel gesprochen, wenn es um den Klimawandel geht. Meist denkt man dabei weniger an den Baugrund: Gebäude spielen eine große Rolle im Energieverbrauch und beim Ausstoß von CO2. Im Jahr 2010 waren 32 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs und 19 Prozent aller Treibhausgasemissionen auf Häuser zurückzuführen. Folgt man den wissenschaftlichen Modellen könnte sich der Energieverbrauch bis 2050 sogar verdoppeln, denn immer mehr Menschen erhalten erst jetzt überhaupt Zugang zu Elektrizität und Wohnhäusern.

HochwasserKlimawandel verändert den Baugrund

Ein anderer Aspekt ist jedoch, dass sowohl der Baugrund als auch die Gebäude durch die Folgen des Klimawandels direkt betroffen sind. Denn der globale Klimawandel ist in Deutschland angekommen:

  • Es gibt mehr Hitzewellen im Sommer mit längeren Trockenphasen; insgesamt steigt die Jahresdurchschnittstemperatur an.
  • Im Sommer kommt es häufiger zu Starkregen und steigender Hochwassergefahr.
  • Unwetter wie Stürme, intensive Schneefälle und Gewitter mit Hagel treten regelmäßiger auf als früher.

Extreme Wettereinflüsse haben Auswirkungen auf Fassaden, den Baugrund, die allgemeine Stabilität, die Dächer und das Raumklima in Gebäuden. Bauherren müssen all das heutzutage mit viel Weitsicht einplanen, damit Häuser in einem veränderten Klima noch dauerhaft Schutz und Sicherheit bieten.

Auswirkungen des Klimawandels auf Bauwerke

Die größten Probleme an Häusern und Baugrund verursachen Hitze und die veränderten Niederschlagsverhältnisse:
In langanhaltenden Warmwetter-Perioden heizen sich Gebäude besonders in Städten stark auf. Die Abkühlungsphasen über Nacht hingegen werden kürzer. In den Städten entsteht der sogenannte Heat Island Effect, das bedeutet, dass dort deutlich höhere Temperaturen herrschen als in ländlichen Gegenden. Das liegt an den vielen versiegelten Flächen und der Abwärme von Industrie, Heizungen und Verkehr.

Grüne Dächer halten kühl

Die anhaltend hohen Temperaturen in Gebäuden gefährden die Gesundheit der Bewohner. Klimageräte, die Häuser herunterkühlen, sind kontraproduktiv, weil sie durch ihren hohen Stromverbrauch und die heiße Abluft, das Klima weiter anheizen. Eine klimafreundliche Baumaßnahme gegen den Heat Island Effect sind beispielsweise begrünte Dächer und Fassaden.

StarkregenStarkregen verändert den Baugrund

Anders als die Sonneneinstrahlung wirkt sich Regen unterhalb eines Gebäudes aus, nämlich im Baugrund. Normalerweise kann die über Jahrzehnte hinweg in den Städten ausgebaute Kanalisation Niederschläge auffangen und ableiten. Bei Starkregen sind die Abwassersysteme von den Wassermassen überfordert. Der Regen kann nicht versickern und es kommt vermehrt zu Überschwemmungen und Oberflächenerosionen, die als Erdrutsch ganze Böschungen und sogar Gebäudeteile hinwegschwemmen können.

Was ist Starkregen?

Starkregen ist definiert als große Niederschlagsmengen in einer kurzen Zeitspanne. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor Starkregen in zwei Stufen:

Markante Wetterwarnung: 15 bis 25 Liter pro Quadratmeter in 1 Stunde oder 20 bis 35 Liter pro Quadratmeter in 6 Stunden

Unwetterwarnung: > 25 Liter pro Quadratmeter in 1 Stunde oder > 35 Liter pro Quadratmeter in 6 Stunden

Der Baugrund wird instabil

Perioden mit Starkregen stellen für Flüsse und kleinere Fließgewässern eine Hochwassergefahr da. Ähnlich wie bei der vom Mensch geschaffenen Kanalisation kann ein natürlicher Bach- oder Flusslauf nur eine bestimmte Menge an Wasser aufnehmen. Ist das Fassungsvermögen erreicht, entwickelt sich Hochwasser mit Überschwemmungen als Folge.
Hochwasser hat eine andere Auswirkung auf den Baugrund als reiner Starkregen, der eher an der Bodenoberfläche wirkt: Bodenschichten, die eigentlich nicht von Wasser durchströmt werden, verlieren in Hochwasserphasen durch das Auf- und Ablaufen ihre Stabilität, weil Teile des Bodens ausgewaschen werden. Diese Prozesse nennt man Suffosion und Erosion.
Durch diese Veränderungen im Baugrund können Häuser

  • im Boden versinken oder zumindest absinken
  • von Hängen rutschen
  • Risse in den Wänden bekommen
  • einstürzen.

Klimawandel verstärkt Probleme im Baugrund

Sonne und Wind haben immer schon im Zusammenspiel mit Wasser den Baugrund verändert: Sonne trocknet den Boden aus, Wind bläst Erdoberfläche davon, Wasser führt zu „Matsch“. Das ständige Aufquellen des Bodens in Starkregen-Zeiten und das Schrumpfen in den folgenden Trockenperioden ist von je her eine große Herausforderung für den Bau – die Wetterextreme vergrößern das Problem.

HochwasserBauen im Klimawandel: Was tun?

Je häufiger Phasen mit hohem Niederschlag und Hochwasser auftreten, desto mehr müssen die Planer von Bauvorhaben die Reaktionen des Baugrunds darauf berücksichtigen. Einer Baugrunduntersuchung kommt daher in Zeiten des Klimawandels eine wichtige Rolle zu. Entsprechende Gutachten können ins Geld gehen, manche Bauherren verzichten aus diesem Grund teilweise oder sogar ganz darauf.
Auch die Umgebung des Gebäudestandortes muss angesichts der klimatischen Veränderungen neu betrachtet werden. Bauprojekte mit Baugrund in Flussauen oder am Hang sind angesichts der Wetterextreme heute eine andere Herausforderung für die Ingenieure als sie es vor einigen Jahrzehnten sowieso schon waren. Ergebnisse von Simulationsberechnungen für Baurisiken wie Hochwasser hängen davon ab, mit welchen Parametern sie befüllt werden. Aber: Der Klimawandel ist in weiten Teilen unvorhersehbar. Doch nicht nur der Baugrund selbst wird beim Hausbau im Rahmen des Klimawandels zu einem wichtigen Thema, sondern auch die Frage, welche Heizung dem Neubau Wärme spenden soll. Durch das Klimapaket der Bundesregierung gibt es hierzu einige neue Auflagen. Mehr zu diesem Thema erfahrt ihr in unserem Ratgeber zum Klimapaket.

Fazit: Klimawandel im Baugrund

Technische Maßnahmen am Gebäude können Gebäude an den Klimawandel anpassen: eine entsprechende Gebäudehülle, eine durchdachte Konstruktion, ein sicherer Standort und moderne Gebäudetechnik gehören dazu. Mit einer angepassten Architektur, den richtigen Materialien und Technologien können Häuser Wetterextremen gegenüber zumindest widerstandsfähiger gebaut werden.

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