Ein kleines Mädchen, in blauem Badeanzug und mit grüner Taucherbrille, malt an dem beschlagenen Glas in der Dusche.
34 Lesern gefällt das

Legionellenprophylaxe: So beugt ihr Legionellen im Leitungswasser vor (Artikel 2/3)

 

„Vorbeugen ist besser als heilen“ sagt der Volksmund. Das gilt auch für Legionellen. Eine mit Legionellen infizierte Trinkwasser-Installation zu „heilen“ ist aufwändig und teuer. Ganz zu schweigen von dem Gesundheitsrisiko. Aktiver Legionellenschutz im Alltag ist jedoch sehr einfach und effektiv – und ihr habt ihn selbst in der Hand! Hier einige Tipps von Fachleuten.

Was lässt Legionellen wachsen?

Legionellen sind Umweltkeime, die in jedem natürlichen Süßwasser vorkommen. In den Trinkwasserleitungen von Häusern können allerdings Bedingungen entstehen, durch die sich Legionellen rasant vermehren. Dann werden sie zu einer ernsten Gesundheitsgefahr für eure Familie. Insbesondere drei Faktoren begünstigen das Wachstum von Legionellen – die ihr aber zum großen Teil selbst beeinflussen könnt:

  • Erwärmtes Wasser kühlt unter 50 °C ab.
  • Kaltes Wasser erwärmt sich über 25 °C.
  • Trinkwasser bleibt zu lange in den Leitungen stehen.

Legionellenprophylaxe: Welche Maßnahmen schützen vor kritischen Wassertemperaturen?

In einem blitzsauberen Keller steht ein ebenso sauberer Speicher zur Wasser-Erwärmung. Eine Legionellen-Verunreinigung ist hingegen nicht sichtbar.

Legionellen vermehren sich besonders bei Wassertemperaturen zwischen 25 und 50 °C. Daher sollte das Wasser auf jeden Fall 60 °C warm sein, wenn es den Speicher verlässt. Am Display ist die Temperatur einzustellen und abzulesen.

Zunächst eine wichtige Hintergrundinformation für Nicht-Experten: In jedem Haus ist ein Rohrleitungssystem für kaltes und ein zweites für warmes Trinkwasser installiert. Am Wasserhahn oder an der Duscharmatur laufen beide Rohrleitungen zusammen. So kann jeder ganz individuell die gewünschte Wassertemperatur aus kaltem und warmem Wasser mischen.

Die größte Gefahr einer Legionellen-Infektion geht von erwärmtem Wasser aus. Energiespar-Füchse begünstigen oft unbewusst das Legionellen-Wachstum, in dem sie die Wassertemperatur absenken. Das gefährdet hier aber die Gesundheit. Zur Legionellenprophylaxe gehören deswegen folgende Maßnahmen:

  • Bei zentraler Erwärmung in einem Speicher darf die Wassertemperatur nicht unter 60 °C fallen.
  • Bei dezentraler Wasser-Erwärmung, beispielweise mit einem Durchlauferhitzer, sollte die Wassertemperatur immer auf über 50 °C eingestellt sein.

Aber sogar in Leitungen für kaltes Trinkwasser können sich Legionellen kritisch vermehren. Und zwar immer dann, wenn die Wassertemperatur über etwa 20 °C ansteigt, sagen Fachleute. Mehr als 25 °C sind sogar verboten. Zur Legionellenprophylaxe gehört deswegen auch:

  • Überall, wo Kaltwasserleitungen sichtbar verlegt sind, sollten sie gedämmt sein. So kann die Raumwärme, beispielsweise im Heizungskeller, oder Sonneneinstrahlung das kalte Wasser in den Leitungen nicht so schnell aufheizen.

Legionellenprophylaxe: Welche Maßnahmen schützen vor Wasserstagnation?

An einer Hausecke schaut fast unmerklich ein Wasserhahn mit Anschluss für den Gartenschlauch aus der Wand.

Wasseranschluss alle drei Tage, aber mindestens einmal in der Woche ausgiebig zu nutzen. Bleibt Wasser zu lange in den Leitungen stehen, können sich Legionellen schnell vermehren.

Trotz Dämmung wird auch kaltes Wasser irgendwann warm, wenn es zu lange in den Leitungen steht. Das Gleiche trifft umgekehrt auf warmes Wasser zu: Wird nicht geduscht oder die Badewanne nicht befüllt, bleibt das Wasser in der Leitung stehen und kühlt ab. Zur Legionellenprophylaxe raten Experten deswegen:

  • An jeder Entnahmestelle sollte regelmäßig Wasser entnommen werden – auch im Gäste-WC oder am Wasserhahn draußen für den Gartenschlauch.
  • Ideal ist, wenn spätestens alle 3 Tage der Wasserhahn benutzt wird. Mindestens einmal in der Woche ist aber ein Muss.

Auch bei der Legionellenprophylaxe gilt also: Gesundheitsschutz kommt vor Wassersparen.

Und noch ein Tipp: Nicht mehr benutzte Wasserhähne sollten konsequent abgeklemmt werden, und zwar schon am Abgang der Hauptleitung! Dann bleibt auch in der Zuleitung kein Wasser stehen, in dem Legionellen noch wachsen könnten.

Legionellen vorbeugen in der Urlaubszeit – was müsst ihr beachten?

Auch in der Urlaubszeit sollte die Legionellenprophylaxe nicht vernachlässigt werden. Denn die oft hohen Sommertemperaturen lassen kaltes Wasser schneller erwärmen. Außerdem wird zuhause kein Wasser verbraucht – also steht es mitunter wochenlang in den Leitungen und verkeimt. Aber auch am Urlaubsort drohen Gefahren: Vielleicht hat in dem Hotelzimmer oder dem Ferienhaus eine lange Zeit niemand gewohnt. Dann fand auch hier kein Wasseraustausch in den Leitungen statt. Mit diesen Maßnahmen könnt Ihr euch gut gegen Legionellen schützen:

  • Wer länger als eine Woche nicht zuhause ist, sollte den Hauptwasserhahn zudrehen. Wenn Ihr heimkehrt, öffnet alle Wasserhähne im und am Haus. Aus jeder Entnahmestelle sollte so viel Wasser auslaufen, bis es wieder spürbar kalt beziehungsweise heiß ist.
  • Am Urlaubsort öffnet am besten als Erstes alle Wasserhähne und lasst für einige Minuten das Wasser laufen. Hier reicht es jedoch meist, etwa eine Minute das Wasser laufen zu lassen. Prüft die Wassertemperatur dann mit der Hand. Das Wasser sollte spürbar kalt beziehungsweise spürbar heiß sein.

Legionellenschutz: Zu diesen Maßnahmen raten Experten

Viele Details zum Schutz des Trinkwassers enthält eine Broschüre vom Bundesumweltamt. Der kostenlose Download hat den Titel „Rund um das Trinkwasser“.

Beteiligt Euch doch bitte an einer kurzen Umfrage:

Habt Ihr schon mal die Temperatureinstellung an eurem Warmwasserspeicher geprüft?

Danke fürs Mitmachen!

34 Lesern gefällt das

7 Kommentare

Thiele Dieter

Warum ist die Empfehlung bei Wärmepumpen die Temperatur auf 47 Grad zustellen?
Dieses wird von Fachbetrieben immer wieder empfohlen!

21 grad Redaktion

Hallo Dieter,

vielen Dank für Deine Frage und entschuldige bitte die späte Rückmeldung. Deine Anfrage ist uns leider untergegangen.
Eine Temperatur von 47 Grad ist bei einer Wärmepumpe ein guter Kompromiss um einerseits Legionellen zu verhindern, andererseits aber die Effizienz der Wärmepumpe hoch zu halten.

Liebe Grüße,
Jacqueline vom 21 grad Team

Marcel Strobelt

Hallo liebes 21Grad Team.

Der Dieter hat schon recht. Ich denke Legionelle verbindet man erst bei Temperaturen Gröser 60 Grad bei zentralen Anlagen. Bei 47 Grad wäre das eine Begünstigung von Legionellen im Leitungssystem.

Wir haben ebenfalls eine Wärmepumpe von Vailant aber ich habe bedenken, dass bei einer Temperatur von 48 Grad, so wie bei uns eingestellt ist, wir Probleme im Trinkwassers bekommen?

Was sollte man denn einstellen?
Der Heizungsfachmann sagt da die Zirkulation an ist wäre es kein Problem. Stimmt das?
LG Marcel

21 grad Redaktion

Hallo Marcel,

eine Legionellengefahr besteht, wenn Wasser bei Temperaturen unter 60°C längere Zeit in den Leitungen oder im Speicher steht. Eine Zirkulationsleitung sorgt dafür, dass permanent Warmwasser in den Leitungen zirkuliert und es somit auch nicht zu stehendem Wasser kommt.

Liebe Grüße,
Hanna vom 21grad Team

Langerhans

Hallo,
wie verhält es sich denn mit einem Warmwasserboiler einer Zentralheizung eines EFH?
Muss dieser konstant auf über 47 Grad gehalten werden, oder kann dieser zu Zwecken des Energiesparens nur dann auf Temperatur gebracht werden wenn benötigt?

21 grad Redaktion

Hallo,

vielen Dank für Deine Anfrage. Wie im Artikel beschrieben sollte die Temperatur möglichst konstant auf über 47 Grad gehalten werden. Kühlt erwärmtes Wasser ab und wird dann nur bei Bedarf auf Temperatur gebracht, besteht die Gefahr der Legionellenbildung.

Liebe Grüße,
Jacqueline vom 21grad Team

Deniz Durmus

Hallo
Wie oft sollte denn der Speicher und das Wasser in den Leitungen auf über 60 Grad gebracht werden? Gibt es da einen Richtwert ? Einmal am Tag, die Woche, im Monat,…?

LG Deniz

Schreibe gerne einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.