Ein Tag bei der Tafel
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Ein Tag bei der Remscheider Tafel

 

Jedes Jahr unterstützt das 21 grad Redaktionsteam eine Organisation, die sich für Bedürftige einsetzt. Ende letzten Jahres krempelten wir die Ärmel hoch, um einen Tag lang bei der Remscheider Tafel zu helfen und für diejenigen da zu sein, die bisher weniger Glück im Leben hatten.

Nach kurzer Recherche unserer Auszubildenden Christiane Leszczynski trafen wir uns mit Günther Patz, dem Stellvertretenden Vorsitzenden der Remscheider Tafel e.V. Gemeinsam entschieden wir, im Stadtteil Hasten einen Tag bei der Essensausgabe mitzuwirken. Günther bedankte sich aufrichtig, dass wir uns die Zeit nehmen würden, Ihn bei seiner täglichen Arbeit zu unterstützen. Gleichzeitig erklärte Christiane sich bereit, diesen Tag in Bild und Schrift festzuhalten, daher folgt nun die Chronologie des Tages aus ihrer Sicht.

Früher gab es mehr ehrenamtliche Helferinnen und Helfer

Obsttheke bei der Ausgabe

Am 17. Dezember war es soweit. Um 9:15 Uhr trafen wir uns im Remscheider Musikclub Kultshock, der montags als Ausgabestelle der Tafel dient, und machten uns mit den ehrenamtlichen Helfer*innen bekannt. Diese erwarteten uns ganz gespannt und waren herzlich erfreut. Nach kurzen Anweisungen von Günther, der uns über den täglichen Ablauf informierte und über die Tafel im Allgemeinen, waren wir sehr aufgeregt und gespannt.

Günther berichtete unter anderem, dass die Tafel viel mehr personelle Unterstützung bräuchte und dass es in früheren Jahren deutlich mehr ehrenamtliche Helfer*innen gab. Insgesamt gibt es sieben Ausgabestellen in Remscheid, so dass von Montag bis Freitag immer mindestens eine Ausgabestelle geöffnet ist. Die Ausgabezeit beginnt vormittags um 11 Uhr. Wer nicht rechtzeitig anwesend ist, muss schon etwas Glück haben, denn die Tafel schließt danach eigentlich ihre Türen.

Wir erfuhren zwar auch, dass man bei der Essensausgabe manchmal etwas geizig sein muss, da es Leute gibt, die nicht mit der Menge zufrieden sind, die sie bekommen. Jedoch war dies an diesem Tag nicht häufig der Fall. Alle Unterstützenden waren sehr freundlich und hilfsbereit und die entgegenkommende Art erwärmte die Räumlichkeit und die Herzen aller Menschen, die auf die Tafel angewiesen sind. Auch die Menge der Lebensmittel, die an diesem Tag zur Verfügung stehen sollte, trug dazu bei.

Aufbau und Ausgabe mit System

Ausgabe bei der Tafel

Die Ausgabe und der Aufbau erfolgt bei der Tafel nach einem vorgegebenem System.

Aber der Reihe nach: Bevor es mit der Ausgabe losging, warteten wir auf den Transporter, der schon seit 7:30 Uhr unterwegs war, um die gespendeten Lebensmittel von den regionalen Supermärkten abzuholen. Als der Transporter eintraf, wurden die Kisten mit den Lebensmitteln erstmal mitten in den Raum gestellt. Dann wurde sortiert, denn die Ausgabetheken sind nach einem bestimmten System aufgebaut. Es wurde grob nach Salaten, Gemüse, Obst, Backwaren, Frischewaren (bspw. Fleisch, Eier, Milchprodukte) und Fertigwaren (bspw. Tee, Nudeln, Schokolade) aufgeteilt, so dass auf den jeweiligen Theken nur eine „Abteilung“ zu finden war. Da wir viele Helfer*innen waren, ging alles sehr schnell.

Schon seit 10:30 Uhr warteten Bedürftige vor der Tür darauf, dass es losgeht. Erst mussten sie 3 Euro pro Erwachsenen bezahlen. Für Kinder muss nicht bezahlt werden. Danach haben alle eine Nummer gezogen, um die Reihenfolge zu ermitteln, in der die Menschen hereingelassen wurden. So wird das „wer zuerst kommt, malt zuerst“-Prinzip vermieden. Um von der Tafel profitieren zu dürfen, wird ein Ausweis benötigt, so dass auch wirklich nur Bedürftige bei der Tafel ihr tägliches Brot bekommen. Nach der Kasse ging es dann direkt weiter zu den unterschiedlichen Ausgabestationen.

Je größer die Familie, desto mehr Lebensmittel

AusgabethekeWir Helfer standen schon aufgeteilt hinter den Ausgabetheken, um mit der Verteilung zu beginnen. Die erfahrenen Helfer*innen erklärten uns vorher noch schnell, dass die Leute nicht immer alles bekommen was sie wollen, denn schließlich müssen auch die nachfolgenden Bedürftigen etwas abbekommen. Die Lebensmittel, die nach der Ausgabe übrig geblieben sind, werden in Remscheid in einer Kühlzelle gelagert und am nächsten Tag für eine andere Ausgabestelle zur Verfügung gestellt.

Während des Austeilens musste man immer mal wieder fragen, wie viele Kinder die Personen haben, damit große Familien auch mehr bekommen. Die Menge der Ausgabemenge hängt zudem davon ab, wie viel von den einzelnen Lebensmitteln vorhanden ist. Wenn es zum Beispiel viele Tomaten gibt, können auch alle reichlich bekommen. Gibt es jedoch nicht so viele, wird auch nur wenig ausgegeben. Die Tafel versucht, jedem Bedürftigen eine gleiche Auswahl anzubieten. Egal, wann die Leute dran sind. Oft waren wir auch noch etwas großzügiger, denn manchmal appelliert das Herz mehr als der Kopf, wenn zum Beispiel eine Frau alleine vier bis fünf Kinder ernähren muss.

Es ist schön, etwas Gutes zu tun

Als alle dann Ihr Essen bekommen haben und die Lebensmittel fast komplett verteilt wurden, musste die Ausgabestelle noch flink aufgeräumt werden. Die leeren Kisten wurden von uns allen wieder eingesammelt und der Boden gefegt, damit man den Raumanbietern keine Arbeit hinterlässt. Danach um ca. 12:30 Uhr standen wir noch mal in einer kleinen Runde zusammen und reflektierten die Geschehnisse und das gute Empfinden, welches wir dabei und auch danach hatten.

Die Ausgabe ging gefühlt sehr schnell und die im Durchschnitt 30 Kunden erwiesen sich im Endeffekt als eine ganze Menge. Uns allen Tat es gut, den Menschen zu helfen und als wir fertig waren, hatten wir alle das schöne Gefühl etwas Gutes getan zu haben. Auch die Helfer*innen der Tafel waren sehr froh über unsere Hilfe und baten uns an, dass wir immer wieder kommen können. Und ich bin mir sicher, das werden wir auch tun!

Ihr wollt die Remscheider Tafel unterstützen? Ehrenamtliche Helfer finden hier alle nötigen Informationen: http://tafelremscheid.de/unser-verein/ehrenamt/

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