Getreidekörner
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Erntedank trotz Erderwärmung – 5 Kulturpflanzen mit Zukunft

 

Die Erderwärmung beschert der Landwirtschaft höhere Temperaturen und trockenere Böden. Daher sind Kulturpflanzen gefragt, die diesen Bedingen widerstehen.

Wusstet Ihr, dass Reis, Weizen und Mais fast die Hälfte unseres weltweiten Kalorienbedarfs decken? Pflanzen, deren Erträge sich durch den Klimawandel vielerorts verschlechtern. Daher halten Landwirte nach stress- und trockenheitsrelevanteren Alternativen Ausschau und werden fündig: bei alten Sorten und neu entwickelten Hybriden. Wir haben uns für Euch 5 Hoffnungsträger auf der Zunge zergehen lassen:

Amaranth: trotzte schon der Kolonialisierung

Pflanze

Image by Manfred Richter from Pixabay

Als die Spanier Südamerika kolonialisierten, verboten sie den Azteken und Maya den Anbau von Amaranth. Und so fristete er sein Dasein als Unkraut, bis die von einigen Bauern aufbewahrten und über Generationen weitergegebenen Samen wieder ausgebracht werden durften. Amaranth ist dürreresistent und vollständig essbar – vom Stängel bis zu den samengefüllten Federn. Er liefert Protein sowie zahlreiche Vitamine und Mineralien, darunter Vitamin C, E, B und K sowie Eisen, Magnesium, Kalium und Phosphor. Amaranthsamen enthalten 13 bis 15 Prozent Eiweiß, einen der höchsten Werte aller Getreidearten. Rezeptideen  liefert u. a. das „Amaranth Institute“ aus Columbia in Missouri, USA.

Fonio: auch zum Bierbrauen geeignet

Bierdose

© Brooklyn Brewery

Seit Tausenden von Jahren bauen die Bauern in Westafrika Fonio an – eine Hirseart, die wie ein etwas nussigerer Couscous oder Quinoa schmeckt. Sie ist glutenfrei, reich an Calcium und liefert Kupfer, Zink, Magnesium, B-Vitamine sowie zwei essenzielle Aminosäuren. Fonio wird auch als „Hungerhirse“ bezeichnet, weil er widerstandsfähig gegen Trockenheit, Schädlinge und Krankheiten ist, auf kargen Böden wächst und schon immer eine wichtige Nahrungsquelle in Zeiten von Dürre und Hungersnot war. Er ist eine Alternative zu Reis, Rohstoff für Bier und kann gemahlen zu Backwaren verarbeitet werden. Schaut doch mal bei Yolélé und lasst Euch von der Produktvielfalt inspirieren!

Kuhbohnen: ganz und gar köstlich

Die Kuhbohne ist in Afrika und Indien beheimatet. Sie ist trockenheitstolerant und vollständig essbar: Die Blätter können wie Spinat zubereitet, die unreifen Hülsen als Gemüse gegessen und die reifen, trockenen Samen zu typischen Bohnengerichten verarbeitet werden. Kuhbohnen sind reich an Ballaststoffen, Eisen, Kalzium und Vitaminen der B-Gruppe. Forscher haben sie außerdem als potenzielle Eiweißquelle für die Herstellung von veganen Produkten im Visier. Im englischsprachigen Raum spricht man übrigens von „Black Eyed Peas“: „Let’s get it started“ – Schwarzaugenbohnen rocken, denn sie können womöglich die in Lateinamerika beliebten Pinto- und schwarzen Bohnen ersetzen, deren Anbau schwieriger werden könnte.

Taro: stärkehaltige Knolle mit vielen Namen

Taro Knolle

Image by LATUPEIRISSA from Pixabay

Taro ist die „Alleskönner-Knolle“ in den Tropen Südostasiens und Polynesiens. Sie ist auch als „Elefantenohr“ oder „Eddo“ bekannt und wird Basis für Pürees und Suppen, in frittierten Gerichten oder als Beilage genutzt. In Hawaii ist es Teil der Kultur, Taro zu Poi zu fermentieren, um einen nahrhaften Pudding herzustellen. Da die steigenden Temperaturen den Anbau der Pflanze in ihrem natürlichen Lebensraum bedrohen, versuchen amerikanische Landwirte die tropische Staude so anzupassen, dass sie als einjähriges Gemüse der gemäßigten Zone wächst und deren Winterkälte übersteht.

Kernza: entwickelt für eine nachhaltigere Landwirtschaft

BrotBisher wachsen auf unseren Feldern nur einjährige Getreidesorten wie Weizen, Gerste oder Roggen, die jedes Jahr neu gesät werden müssen. Diese Getreide haben flachere Wurzelsysteme, die vor allem das Wasser in den oberen Bodenschichten erreichen. Kernza ist mehrjähriges Getreide, das vom gemeinnützigen Land Institute aus dem Wildgras Graugrüne Quecke gezüchtet und namentlich geschützt wurde. Es hat Wurzeln, die über drei Meter tief in den Boden eindringen – etwa doppelt so tief wie die Wurzeln von Weizen. Außerdem verzweigen sie sich viel stärker, was die Erosion von Boden und Wasser sowie die Nitratauswaschung reduzieren kann. Kernza bindet außerdem mehr Kohlenstoff und benötigt weniger Dünge- und Pflanzenschutzmittel als herkömmliche Getreidesorten. Bereits heute werden in den USA aus Kernza-Samen Bier, Brot und Müsli hergestellt, während die Halme als Viehfutter genutzt werden. Kernza enthält mehr Protein und Mineralstoffe als andere Getreidearten. Es ist reich an Ballaststoffen, Eisen, Zink und B-Vitaminen. Die Ernteerträge liegen jedoch noch deutlich unter denen von Weizen, und im dritten Jahr der Ernte fallen sie drastisch ab. Aber die Wissenschaftler in Salina im US-Bundesstaat Kansas sind zuversichtlich, diese Defizite durch weitere Züchtung und Anpassung der landwirtschaftlichen Methoden ausmerzen zu können. Forscher der Universität Hohenheim beschäftigen sich ebenfalls mit Kernza: Sie vergleichen es mit einjährigen Getreiden bezüglich Biodiversität, Agronomie und Ökosystemdienstleistungen unter verschiedenen klimatischen Bedingungen in Frankreich, Belgien und Schweden.

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