Mikroplastik: Die unsichtbare Gefahr
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Mikroplastik: Die unsichtbare Gefahr

 

Plastik vermüllt die Weltmeere und schadet der Umwelt, das ist gemeinhin bekannt. Weniger wissen wir über Mikroplastik: Die kleinen Kunststoffpartikel treiben nicht nur im Meer, sondern gelangen auch in Kosmetik, Kleidung, und sogar Lebensmittel. Hier erfahrt ihr genau: Was ist Mikroplastik und woher kommt es?

Nach einer Schätzung der Vereinten Nationen landen pro Jahr mehr als zehn Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren. Plastik ist die umgangssprachliche Bezeichnung für Kunststoffe aus Erdöl, Kohle und Erdgas. Im Meer wird es kaum abgebaut: Ganze 450 Jahre dauert es, bis eine PET-Flasche vollständig zerfallen ist. Meeresbewohner verwechseln Plastik mit Nahrung und können daran sogar sterben. Seit kurzem ist ein neues Übel – Mikroplastik, die unsichtbare Gefahr – in aller Munde.

Was ist Mikroplastik?

Laut Definition der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration gelten Plastikteilchen mit einer Größe von unter fünf Millimeter als Mikroplastik. Primäres Mikroplastik sind Formkörper aus Kunststoff, die in industriellen Produkten zum Einsatz kommen. Als sekundäres Mikroplastik hingegen bezeichnen Wissenschaftler Kunststofffragmente und Mikrokunststofffasern, die durch mechanische Beanspruchung und Einwirkung von UV-Strahlung auf größere Kunststoffteile wie Verpackungen entstehen. Die kleinen Partikel sind allgegenwärtig wie eine Studie des Fraunhofer Instituts zeigt: Mit 74 Prozent ist der Anteil der Kunststoffemissionen aus Mikroplastik in Deutschland etwa dreimal so groß wie der aus Makroplastik.

Wie sieht der Mikroplastik Kreislauf aus?

Verursacher von primärem Mikroplastik sind dem Fraunhofer Institut zufolge vor allem der Reifenabtrieb im Verkehr sowie Bauabfälle und Verwitterung. Zudem findet sich primäres Mikroplastik in Kleidung aus synthetischen Fasern. Am stärksten betroffen ist Fleece-Bekleidung: Pro Waschgang lösen sich zirka 2.000 winzige Kunststofffasern. Eine weniger offensichtliche Quelle von primärem Mikroplastik sind Pflegeprodukte und Kosmetika. Die Kleinstteilchen dienen hier als Füllstoff und Bindemittel und verstärken die Wirkung solcher Mittel. Hauptquelle von sekundärem Mikroplastik ist Makroplastik. Durch die Zersetzung von Haushalts- und Verpackungsmüll gelangen auch hier Minipartikel in die Umwelt.

Sobald die Kunststoffteilchen im Umlauf sind, beginnt der Mikroplastik Kreislauf. Die kleinen Partikel gelangen ins Abwasser, und Kläranlagen können die Teilchen nicht komplett heraussieben: So erreichen sie die Meere und werden von Tieren verschluckt. Als Nahrung in Form von Fisch und Meeresfrüchten findet Mikroplastik schließlich einen Weg in unsere Körper.

Welche Auswirkungen hat Mikroplastik auf den Menschen?

Wie Mikroplastik den menschlichen Körper beeinflusst, ist noch nicht eindeutig geklärt. Bisherige Studien weisen jedoch darauf hin, dass bei der Zersetzung von Mikroplastik schädliche Stoffe wie Weichmacher und das Hormongift Bisphenol A entstehen. Weichmacher können bei Männern Unfruchtbarkeit bewirken und stehen im Verdacht, Diabetes zu verursachen. Bisphenol A hingegen kann schon in kleinen Mengen Gehirn- und Organentwicklung schaden. Außerdem fanden Forscher in Mikroplastik das als krebserregend geltende PCB. Weiterhin werden Zusammenhängen mit Allergien, Fettleibigkeit und der Entstehung von Herzerkrankungen vermutet.

Wie erkennt man Produkte, die Mikroplastik enthalten?

Wer Mikroplastik in Nahrungsmitteln und Kosmetik meiden möchte, kann sich auf verschiedenen Wegen informieren: zum Beispiel beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der alle Kosmetikprodukte, die Mikroplastik enthalten, in einem Online-Mikroplastikratgeber sammelt und die Liste regelmäßig aktualisiert. Eine weitere Möglichkeit ist Beat the Microbead 3.0: Eine App, die Mikroplastik in Produkten nach Scannen des Barcodes erkennt. Ähnlich funktioniert Code Check. Die App informiert über alle Inhaltsstoffe des gescannten Produktes, so auch über Mikroplastik.

Die Infografik zeigt den Mikroplastik-Kreislauf von der Zersetzung über den Weg ins Meer bis hin zur Nahrungsaufnahme.

Quelle: https://www.mdr.de/wissen/umwelt/mikroplastik-im-menschlichen-stuhl-nachgewiesen-100.html

Download Infografik

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