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Kein Talent darf verloren gehen

 

Die Wuppertaler Junior Uni für das Bergische Land eröffnet Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen spielerisch und praxisorientiert den Zugang zu Wissen und Können aus vielen Fachgebieten – das ist deutschlandweit einzigartig.

Jedes Semester bietet die Junior Uni eine abwechslungsreiche Vielfalt von Kursen an. Im Junior-Uni-Kurs „Mit Industrierobotern in der Kreativwerkstatt“ lernt der Nachwuchs, mithilfe eines Industrieroboters kreative Ideen zu verwirklichen. Die Kursteilnehmer zwischen elf und vierzehn Jahren überlegen sich coole Designs und schreiben Programme, mit denen der Roboter anschließend Türschilder graviert.

Nachwuchsstudent Nikias liest die Anzeige auf dem Eingabe-Panel des Roboters laut ab: „Typkonflikt in Zeile 537.“ Auf der anderen Seite des gläsernen Roboterschutzkäfigs sitzt Dozent Patrik Hagemann, 23-jähriger Student der Informatik und Physik an der Bergischen Universität Wuppertal, vor dem Steuerungsgerät. „Das haben wir gleich!“, erwidert er. Patrik scrollt in die Programmzeile mit dem falschen Zeichen. „Gibst du mir Schreibzugriff?“, ruft Patrik um die Ecke. Nikias versteht die Frage sofort. Er hat längst gelernt, dass Patrik das geschützte Programm nur bearbeiten kann, nachdem er die Sperre aufgehoben hat.

Nikias drückt auf den Touchscreen des Panels. „Schreibzugriff erteilt“, sagt er routiniert. Patrik setzt den Cursor an die fehlerhafte Stelle und tippt auf die Delete-Taste. „Jetzt aber!“ Der Fehler ist behoben. Nikias prüft die Anzeige auf dem Screen. Keine weiteren Fehlermeldungen. „Alles in Ordnung, es geht weiter“, sagt Nikias. Er drückt die Play-Taste, das Programm ist aktiviert. Sofort steuert der Roboterarm die Startposition an. Die zangenartige Stahlhand mit dem dicken Filzschreiber führt die Spitze des Stiftes auf das Blatt Papier. Jetzt malt Robbie den Schriftzug – so wie Nikias es programmiert hat.

Sieben Studenten, zwei Dozenten und ein Robbie

Junior UniversitätDie Schreibaktion mit dem Filzstift ist ein Testlauf. Sobald das Ergebnis einwandfrei ist, geht es weiter zum Ziel und Höhepunkt des Kurses: der Gravur eines Türschilds aus Metall. Die sieben Juniorstudenten, die Dozenten Patrik und Tobias sowie Robbie, der Roboter, sind am sechsten und letzten Termin des Kurses „Mit Industrierobotern in der Kreativwerkstatt“ ein eingespieltes Team.

Christos, Erich, Jakob, die beiden Joshuas, Kim und Nikias haben längst gelernt, ihre Designideen mithilfe des Roboters zu verwirklichen. Jeder Student hat ein eigenes Programm geschrieben, das Robbie befähigt, einen schönen oder außergewöhnlichen, auf jeden Fall einzigartigen Schriftzug in ein Türschild zu fräsen. Der Weg dahin hat mehrere Wochen gedauert.

Erfolgserlebnisse als Schlüssel

Die Hauptaufgabe zu Beginn des Kurses war, den Kindern die Scheu vor Robbie zu nehmen. Zwar sind seine Maße im Vergleich zu denen der gewaltigen Roboter an den Fließbändern der Industrie eher bescheiden. Trotzdem ist Robbie eine Respekt einflößende Maschine. Doch unter der achtsamen Anleitung der beiden Dozenten sind die Kinder Robbie schnell nähergekommen. Nach dem ersten Kurstermin hatten die jungen Teilnehmer bereits ein grundlegendes Verständnis der Funktionsweise und der Möglichkeiten des Roboters.

Als Nächstes kamen Programmiersprache und theoretisches Grundwissen an die Reihe. Bei den jungen Studenten stellten sich schnell Aha-Erlebnisse ein. Die verblüffende Erkenntnis: Wissenschaft und Kreativität haben eine ganze Menge miteinander zu tun – und es macht viel Spaß, die praktischen Seiten von Mathematik und Physik kennenzulernen und anzuwenden.

Nicht zuletzt haben die sieben Kinder gelernt, verantwortungsvoll mit Maschinen und Computern umzugehen und produktiv im Team zu arbeiten. Sie haben im wahrsten Sinne des Wortes erlebt, dass sie mit ihrem Wissen etwas bewegen können. Dieses Erfolgserlebnis hat ihre Einstellung zu Wissen und Lernen positiv verändert – ein dauerhafter Gewinn, auch für die weitere Schulzeit.

400 Kurse mit 4.500 Kursplätzen

Junior Uni WuppertalDer Junior Uni Wuppertal gelingt es nun schon seit zehn Jahren, Kinder und Jugendliche für das Lernen, Experimentieren und Forschen zu begeistern. Wie gut das Angebot ankommt, zeigt die stetig wachsende Nachfrage. Inzwischen bietet die Junior Uni mit ihren fünf Fachbereichen pro Semester 400 Kurse mit 4.500 Kursplätzen an. Rund 150 Dozenten aus Wissenschaft und Wirtschaft engagieren sich für den Nachwuchs.

Montags bis samstags, vom Morgen bis in den Abend und sogar in den Schulferien ist viel Betrieb an der Junior Uni im Wuppertaler Stadtteil Unterbarmen. Das farbenprächtige Gebäude mit seiner außergewöhnlichen Architektur liegt direkt an der Wupper. Die nur wenige Schritte vom Gebäude entfernte Haltestelle der Schwebebahn ist nach der Junior Uni benannt worden.

Wie man eine Rakete baut, lernt der Nachwuchs im Kurs „Höher, schneller, weiter“. Tiefere Einsichten in die Physik des Fußballspielens erhalten junge Studenten im Kurs „Kick mit Physik“. Wer sich mehr für Natur und Umweltschutz interessiert, nimmt am Kurs „Mikrocontroller blicken durch!“ teil: Jugendliche ab 14 Jahren untersuchen das Wasser der Wupper unter Einsatz modernster Analysetechnik. „Aufnahme läuft!“ ist ein Angebot aus den Geistes- und Sozialwissenschaften. Hier produzieren Nachwuchsstudenten ein Hörbuch.

Hoch konzentriert und ganz bei der Sache

Weiter im Programm mit Patrik, Tobias und den sieben Jungs: Während Patrik und Nikias den Roboter für das Fräsen der Türschilder vorbereiten, haben sich die sechs anderen Jungen um Dozent Tobias, 24 Jahre, Maschinenbaustudent an der Uni Wuppertal, versammelt.

Tobias untersucht gemeinsam mit den Kindern alle weiteren Programme auf deren Einsatztauglichkeit. Die Jungen sind hoch konzentriert. Keiner wirft auch nur einen Blick auf sein Smartphone oder schaut verträumt aus dem Fenster. Ganz im Gegenteil: Das Interesse ist echt, die Faszination unübersehbar. Die Jungen können den beiden Dozenten kaum ein größeres Kompliment machen.

Natürlich denken die Juniorstudenten voller Vorfreude an das gravierte Türschild, das sie mit nach Hause nehmen möchten – um es stolz Eltern, Geschwistern und Freunden zu präsentieren, bevor sie es an die Zimmertür schrauben.

Zwischenzeitlich hat Nikias die Schrauben am Greifer des Roboters gelöst, die Zangenhand abgenommen und durch einen Träger ausgetauscht – auf dem Werkstück werden später die Türschild-Rohlinge befestigt. Nikias setzt die vier Schrauben ein und zieht sie mit einem Inbusschlüssel fest. Patrik macht den Test. Er nickt zufrieden. „Das passt! Perfekt.“

Nachdem die Jungen die Programme geprüft haben, speichert Tobias die Quellcodes auf einem USB-Stick. Patrik und Nikias machen die Steuerungseinheit des Roboters für Tobias frei, damit der junge Dozent die Programme darauf übertragen kann.

Kim kommt als Erster an die Reihe. Der Junge setzt seinen Türschild-Rohling auf das Werkstück. Tobias schließt die Glastür des Schutzkäfigs und überreicht Kim das Bedienungs-Panel, der mit der Play-Taste das Programm startet. Der Roboterarm bewegt den Türschild-Rohling an die Fräsmaschine. Das sirrende Geräusch erinnert an einen Zahnarztbesuch. Nach weniger als einer Minute ist das Türschild fertig. Der Roboter kehrt in den Ruhezustand zurück. Patrik öffnet den Schutzkäfig, und Kim nimmt begeistert sein Türschild in Empfang. Er strahlt über das ganze Gesicht. Wieder ein junger Tüftler, den die Junior Uni Wuppertal für das Lernen begeistern konnte.

Info-Box Vaillant Group:

Vaillant Ingenieure in der Junior Uni

Die Vaillant Group hat sich bereits ganz praktisch für die Junior Uni engagiert – mit dem mehrwöchigen Kurs „Warm – wärmer – am wärmsten“. Die Vaillant Group Innovationsingenieure Lars Brandes und Claudia Michalik haben den Kurs als Dozenten betreut und vermittelten vier- bis sechsjährigen Kindern, was es mit Temperatur, Wärme und Energie im Alltag auf sich hat. Mit dem Bau eines eigenen Thermometers und spektakulären Experimenten wie dem brodelnden Wasservulkan sorgten sie bei den sehr jungen Studenten für große Begeisterung und viel Staunen.

Sie wollen mehr erfahren? Ein ausfürhliches Interview mit den beiden Dozenten gibt es im Magazin “taking care…” der Vaillant Group.

 

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