Wegwerfwelt ade: Wie Kinder Nachhaltigkeit lernen
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Wegwerfwelt ade: Wie Kinder Nachhaltigkeit lernen

 

„Klimawandel“, „Ökobilanz“, „Wegwerfgesellschaft” – Begriffe, die im Zusammenhang mit einem Umweltbewusstsein stehen. Das sind große, manchmal spröde Themen. Aber wie vermittelt man Kindern Umweltschutz ohne erhobenen Zeigefinger? Wie wird ihr Interesse spielerisch geweckt? Wir geben ein paar Tipps und Hinweise dazu, wie Kinder Nachhaltigkeit lernen.

Der Zugang zu Umweltfragen muss vor allem altersgemäß gestaltet sein. Gerade jüngere Stadtkinder brauchen oft erst einmal einen Einstieg in die Natur. Denn die ist für viele Kinder heute fast ein neuer Raum, den es zu erkunden gilt. Die Devise dabei lautet: Learning by Doing. Denn Kinder, die lernen, indem sie etwas tun, haben mehr Spaß und sind engagierter bei der Sache. Auch der Lernerfolg ist dabei nachhaltiger.

Nachhaltigkeit lernen: Was gehört zu einer nachhaltigen Bildung?

Die Vereinten Nationen haben in ihrem Programm „Bildung für
nachhaltige Entwicklung“ vier Kriterien für Nachhaltigkeit in Umweltfragen festgelegt:

  1. Konflikte, die verhandelnd ausgeglichen werden sollen: Hier muss etwa entschieden werden soll, ob der Mensch oder die Natur wichtiger ist. Beispiel Krötenwanderung: Hat der Straßenverkehr Vorrang oder das Überleben der Kröten? Durch Aufstellen eines Zaunes und das tägliche Einsammeln der Kröten, werden diese geschützt und erhalten.
  2. Nachhaltigkeitsaspekte zusammenbringen: Bei allen Umweltfragen wirken die drei Bereiche „Ökologie“, „Wirtschaft“ und „Soziales“ zusammen. Nachhaltiges Handeln kann man nur erreichen, indem man die Zusammenhänge zwischen diesen Bereichen erfahrbar macht. Zum Beispiel, dass der Transport für billig angebaute Äpfel aus Neuseeland viel Energie vergeudet. Oder dass in Billiglohnländern produzierte Turnschuhe eine schlechte Ökobilanz aufweisen, und welche sozialen Auswirkung die schlechte Bezahlung der Arbeiter dort hat.
  3. Werte vermitteln: Vieles wird einfacher, wenn Menschen von Werten ausgehen, nach denen sie handeln. Gerade Kinder haben zum Beispiel ein starkes Gerechtigkeitsempfinden, auf dem man aufbauen kann. Zu den Werten gehören Achtung und Respekt, Verantwortungsbewusstsein, Wirgefühl, Offenheit, Vertrauen, Mut und Lebensfreude. Bei Bildungsveranstaltungen sollten einige dieser Werte zu den Lernzielen gehören.
  4. Kriterien für nachhaltiges Lernen kombinieren: Hier geht man von einem Thema wie „Trinkwasserqualität“ aus und widmet sich den Konfliktfeldern. Ein erster Aspekt ist die Eigeninitiative: Wie finde ich heraus, ob das heimische Gewässer Trinkwasserqualität aufweist? Ein weiterer Aspekt ist, unterschiedliche Sichtweisen zum Thema zusammenzubringen. Ein Gespräch im Wasserwerk, bei der Naturschutzorganisation oder mit einem Angler fördert voneinander abweichende Meinungen zutage. Hierbei können sich die Kinder als Reporter versuchen. Am Ende stehen Ansätze für Lösungen und persönliches Handeln. Die Kinder fassen ihre Ergebnisse zusammen und stellen einen Zusammenhang dazu her, wie sie leben. Das heißt auch, wo können sie sinnvoll Wasser einsparen? Oder wie lässt sich im Alltag Wasserverschmutzung vermeiden?

Nachhaltigkeit lernen durch Alltagsbezug

Nachhaltigkeit lernen durch AlltagsbezugDer Lernerfolg von Kindern hängt sehr stark von der Motivation ab. Kinder, die beispielsweise als „Wasserdetektive” unterwegs sind, stehen vor einer spannenden Aufgabe. Sie haben etwas zu entdecken und Fragen zu klären.

Ihr Verhalten im Alltag können sie ändern, wenn sie die Zusammenhänge verstehen: Wo kommt das Wasser her? Welche Verunreinigungen gibt es, zum Beispiel durch Waschmittel? Und welche ökologisch unbedenklichen Alternativen gibt es? Sich darüber Gedanken zu machen, erfordert einen Schritt mehr. Dabei sollte auch deutlich werden, warum sich der Aufwand lohnt.

Nachhaltigkeitsprojekte für kleinere Kinder

Nachhaltigkeitsprojekte für kleinere KinderWenn jüngere Teilnehmer Nachhaltigkeit lernen, sollte ein Schwerpunkt auf das aktive Handeln gelegt werden. Das kann ein Waldspaziergang sein, bei dem man Abfälle sammelt und überlegt, wo diese herkommen – und wie man sie vermeidet. Und vor allem: Was passiert mit den gesammelten Abfällen – ganz besonders mit denen aus Plastik. Werden sie verbrannt oder exportiert und warum gelangen sie ins Meer?

Interessant kann auch ein Mittagessen aus Zutaten sein, die im Hinblick auf Transport und Herstellung weniger Energie verbrauchen. So kann man die Zusammenhänge zu Klima und Erderwärmung ganz praktisch herstellen. Wer dabei Spaß hat, lernt schneller – und nachhaltiger.

Nachhaltigkeitsaktionen für größere Kinder

Für ältere Kinder bieten sich Exkursionen an, beispielsweise zu Öko-Betrieben. Auf Bauernhöfen oder in Zoos sieht man live, wie Tiere gehalten werden. Auch Selbstversuche sind nicht nur interessant und bringen Spaß, sie regen zum Umdenken an. Beispielsweise könnte man bestimmte Produkte, die man für selbstverständlich hält, eine Zeit lang nicht mehr kaufen. So könnte man Süßigkeiten weglassen und durch Obst aus der Region ersetzen. Oder Avocados, denn sie verbrauchen große Mengen an Wasser. Gibt es eine Ressourcen sparende Alternative zu ihnen?

Fazit:

Die Lernbereitschaft von Kindern ist groß. Denn sie befinden sich in der Lebensphase, in der sie am schnellsten Informationen aufnehmen und verarbeiten können. Bei der Lernbereitschaft in Sachen Ökologie und Nachhaltigkeit gilt es dennoch einige Hürden zu überwinden, vor allem, weil die Kinder von Gewohntem abweichen müssen.

Beispielsweise ist es leichter, in den Supermarkt zu gehen als in Bio-Läden, weil Letztere viel seltener sind. Gerade Ernährungsgewohnheiten wie zu viel Fleischkonsum sind schwer abzustellen. Andererseits sind viele Kinder tierlieb und sehr interessiert an der Natur und den Vorgängen in der Natur. Wenn Kinder Nachhaltigkeit lernen, ist es daher besonders wichtig, sie zu motivieren. Das erreicht man am besten durch ein Gleichgewicht zwischen interessanten Themen und Spaß.

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