Nachhaltige Zoos
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Leben in Zoos: Artenschutz oder Tierquälerei?

 

Tausende exotische Wildtiere wie Bären und Löwen leben heutzutage in Zoos. Dort haben Menschen auf der ganzen Welt die Chance, den Tieren außerhalb ihres natürlichen Lebensraums zu begegnen. Zoos galten lange Zeit als beliebtes Ausflugsziel für Familie, werden jedoch inzwischen oft kritisiert: Tierschützer und Umweltaktivisten sorgen sich um das Wohl der in Gefangenschaft lebenden Tiere. Leiden Tiere im Zoo? Oder dienen die Einrichtungen dem Artenschutz?

Die Debatte um Zoos ist keine einfache. Sowohl Fürsprecher als auch Gegner stützen ihre Positionen mit überzeugenden Argumenten. Hier ein Überblick:

Pro: Warum sind Zoos wichtig?

  • Forschung
    EisbärZootiere lassen sich viel leichter beobachten und untersuchen als ihre Artgenossen in freier Wildbahn. Aus diesem Grund basiert ein Großteil unseres heutigen Wissens über die Biologie verschiedener Tiere auf Erkenntnissen aus Zoos. Die Mitglieder des Verbands der Zoologischen Gärten e.V. (VdZ) arbeiten eng mit Universitäten und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen zusammen und veröffentlichen pro Jahr über 230 Studien zu tierbiologischen und veterinärmedizinischen Themen. Umfassendes Wissen über Panda, Tiger & Co. befriedigt nicht nur die menschliche Neugier, sondern ermöglicht auch den wirksamen Schutz freilebender Tiere und ihrer Lebensräume.
  • Bildung
    Zoos bieten vor allem Kindern die Möglichkeit, Tiere hautnah zu erleben und dabei spielerisch zu lernen. Es gibt keine andere Einrichtung, die Menschen so gezielt über Tiere, ihre Bedürfnisse und Lebensräume informiert. Pro Jahr besuchen dem VdZ zufolge rund 33,4 Millionen Menschen deutsche Zoos: Demnach sind sie wichtige Bildungseinrichtungen. Außerdem gelingt es den Betreibern oft, ihre Besucher für Tier- und Umweltschutz zu begeistern. Wenn Menschen den Zootieren nahe kommen, entwickeln sie eher das Bedürfnis auch freilebende Exemplare zu schützen und werden vielleicht selbst aktiv.
  • Artenschutz
    ZiegeDie Artenvielfalt auf der Erde ist gefährdet. Laut der Roten Liste der „International Union for Conservation of Nature“ (IUCN) gelten aktuell 27.000 Tier- und Pflanzenarten als bedroht. Bemühungen für den Artenschutz sind wichtig, um das ökologische Gleichgewicht zu erhalten und Zoos leisten hier einen erheblichen Beitrag: In Tiergärten werden gefährdete Arten nachgezüchtet und wieder ausgewildert. Gelungen ist das zum Beispiel mit den Przewalski-Pferden in der Mongolei. Daher arbeiten wichtige Naturschutzorganisationen wie der „World Wide Fund For Nature“ (WWF) häufig eng mit Zoos zusammen.

Kontra: Kritik an Zoos

  • Tierleiden in Gefangenschaft
    LöweWildtiere sind in ihrem Körperbau und ihren Verhaltensweisen auf das Leben in Freiheit ausgerichtet. Im Zoo fehlen ihnen natürliche Reize, sich verändernde Landschaften und Beschäftigungsmöglichkeiten und sie fühlen sich von den Besuchermassen gestört. Es gibt mehrere Anzeichen dafür, dass Tiere unter dem Leben in Gefangenschaft leiden: Zoobewohner können sogenannte Stereotypien entwickeln – immer gleiche Bewegungsabläufe – wie etwa das rastlose Hin-und Herlaufen bei einigen Bären und Großkatzen. Einige Tiere sind in ihren Gehegen so unglücklich, dass sie sich selbst verstümmeln oder ihre eigenen Exkremente verzehren, berichtet die Tierrechtsorganisation PETA.
  • Probleme der Wildtierzucht
    Ein grundlegendes Problem der Wildtierzüchtung in Zoos besteht darin, dass sich die natürliche Selektion nicht kopieren lässt. Zwingendermaßen werden auch Tiere gepflegt, die sich in der Natur nicht fortgepflanzt hätten: So entfernen sich Käfigtiere genetisch von den Populationen in der freien Wildbahn. Oft sind sie in freier Natur nicht überlebensfähig und lassen sich nicht auswildern – weshalb das Argument des Artenschutzes nicht greift. Damit der Genpool der Populationen nicht verarmt, betreiben viele Zoos Fangexpeditionen und entreißen Tiere ihrem natürlichen Ökosystem. Eine einfache und genauso schädliche Alternative ist Inzucht, die regelmäßig Tiere mit schweren genetischen Defekten hervorbringt.
  • Zoos sind gewinnorientierte Unternehmen
    SchimpanseLetztendlich haben Zoos ein existenzielles Interesse daran, Geld zu verdienen und möglichst viele Besucher anzulocken. Aus diesem Grund züchten sie zum Beispiel Überschusstiere – mehr Tiere, als sie unterbringen können – um Menschen mit süßen Tierbabys zu locken. Wenn die Tiere alt sind, werden sie getötet oder an Tierhändler verkauft. PETA wies nach, dass der Tierpark Berlin zwischen 2007 und 2009 über 1.000 Tiere an den Händler Werner Bode verkaufte, der unter anderen mit Versuchslaboren, Exotenrestaurants und chinesischen Zuchtfarmen kooperiert. Da Zoos immer ein Profitinteresse verfolgen, ist nicht davon auszugehen, dass sie im Sinne der Tiere handeln.

Tipps für den nachhaltigen Zoobesuch

Wer trotz der Gegenargumente in den Tierpark gehen möchte, findet hier Tipps für einen Tag im Zoo, der weder Tieren noch Umwelt schadet:

  1. Wählen Sie Zoos mit einem Nachhaltigkeitszertifikat aus, zum Beispiel Mitglieder der WAZA oder Einrichtungen mit einem Green Key Zertifikat.
  2. Besuchen Sie Zoos, die sich um eine artgerechte Tierhaltung bemühen. Informieren Sie sich im Voraus.
  3. Nutzen Sie Bildungsangebote im Zoo, die über Nachhaltigkeit und Tierschutz informieren. Für Kinder eignen sich Zooschulen besonders gut.
  4. Halten Sie sich an die Zooordnung: Vermeiden Sie das Streicheln und Füttern der Tiere und respektieren Sie deren Bedürfnisse.
  5. Entsorgen Sie Müll richtig und hinterlassen Sie keinen Abfall auf dem Gelände.
  6. Setzen Sie sich über den Besuch hinaus mit Tier- und Umweltschutz auseinander und werden Sie mit einer Spende oder ehrenamtlicher Arbeit selbst aktiv.

Wie denkt ihr über Zoos?

 

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