Erdaufgang im Weltall. Der blaue Planet erhebt sich aus der Dunkelheit. Das einzigartige Wasservorkommen muss geschützt werden.
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Der virtuelle Wasserverbrauch – eine reale Gefahr für die Umwelt?

 

Unser blauer Planet funkelt im Weltall wie ein Diamant – dank Wasser. Die Erdoberfläche ist zu rund zwei Drittel mit Wasser bedeckt. Aber weniger als 1 Prozent davon ist Trinkwasser. Ein nachhaltiger Wasserverbrauch ist also für alle überlebenswichtig. Um das deutlich zu machen, wurde der „virtuelle Wasserverbrauch“ entwickelt. In Deutschland liegt er bei 3.900 Litern Wasser pro Kopf und Tag. Hier ein paar Hintergründe dazu und Tipps für den bewussten Umgang mit „virtuellem Wasser“.

Virtuelles Wasser – welches Konzept steckt dahinter?

Ein Vater kocht mit seinen beiden Kindern. Die Tochter bereitet das frische Gemüse vor, der Sohn rührt im Kochtopf. Hier trifft viel virtuelles Wasser auf nur geringen realen Wasserverbrauch.

Der virtuelle Wasserverbrauch ist in der Landwirtschaft am höchsten. Oft stammen die bei uns konsumierten Lebensmittel außerdem aus Anbaugebieten mit knappen Wasservorkommen. Bewusst regional und saisonal einzukaufen, hilft also Wassersparen.

Den Begriff „virtuelles Wasser“ wurde von dem englischen Geografen John Anthony Allan in den 1990ern erfunden. Er ermittelte damals für einige landwirtschaftliche Produkte, wie viel Wasser ihren Anbau und die Weiterverarbeitung erforderlich ist. Die Idee: Lebensmittel, die bei der Produktion einen hohen Wasserverbrauch aufweisen, sollten besser in Ländern angebaut werden, die über ein entsprechend hohes Wasservorkommen verfügen. Andernfalls geht in Regionen mit knappen Ressourcen durch den Export von Gütern mit hohem Wasserverbrauch dort das verfügbare Wasser unwiederbringlich verloren.

Arjen Hoekstra, ein niederländischer Professor für Wassermanagement, entwickelte diesen Ansatz zu dem Konzept des „virtuellen Wasserfußabdrucks“ weiter. Dabei wird der virtuelle Wasserverbrauch differenziert nach dem Verbrauch von Regenwasser (grüner Wasserverbrauch), Grund- und Oberflächenwasser (blauer Wasserverbrauch) und der Wassermenge, die nötig ist, um verschmutztes Wasser zu reinigen (grauer Wasserverbrauch).

Ein Beispiel: In einer Tasse Kaffee stecken rund 140 Liter virtuelles Wasser. Dabei ist die Bewässerung hochgelegener Anbauflächen kein Thema, denn Kaffee wächst in den regenreichen Tropen. Der größte Wasserverbrauch aber entsteht durch die Gewinnung des Rohkaffees. Bei anderen Lebensmitteln ist die Bilanz des virtuellen Wassers deutlich alarmierender. Mit am höchsten ist der Wasserverbrauch in der Fleischproduktion (siehe Tabelle).

Soviel virtuelles Wasser steckt durchschnittlich in diesen Produkten …

Fleischproduktion

  • Rindfleisch: 15.415 Liter/kg (94 % grünes, 4 % blaues und 3 % graues virtuelles Wasser)
  • Hühnerfleisch: 4.325 Liter/kg (82 % grünes, 7 % blaues und 11 % graues virtuelles Wasser)
  • Schweinefleisch: 5.988 Liter/kg (82 % grünes, 8 % blaues und 10 % graues virtuelles Wasser)
  • Schaffleisch: 10.412 Liter/kg (94 % grünes, 5 % blaues und 1% graues virtuelles Wasser)

Andere Lebensmittel

  • Tomate: 214 Liter/kg (50 % grünes, 30 % blaues und 20 % graues virtuelles Wasser)
  • Apfel: 822 Liter/kg (68 % grünes, 16 % blaues und 15 % graues virtuelles Wasser)
  • Käse: 3.178 Liter/kg (85 % grünes, 8 % blaues und 7 % graues virtuelles Wasser)
  • Schokolade: 17.196 Liter/kg (98 % grünes, 1 % blaues und 1% graues virtuelles Wasser)

(Quelle: Arjen Hoekstra & Water Footprint Network)

Wie realistisch ist der virtuelle Wasserverbrauch?

An der Darstellung des virtuellen Wasserverbrauchs wird häufig Kritik geübt. Ein Argument: Das Wasser wird nicht wirklich verbraucht, sondern später immer wieder dem natürlichen Kreislauf zugeführt. Tatsächlich bleibt die verfügbare Süßwassermenge in etwa konstant. Meteorologen bestätigen, dass die jährlichen Regenmengen nur geringfügig schwanken. Allerdings ändert sich die Verteilung der Niederschläge über dem Land. Werden Lebensmittel in Regionen mit geringen Regenmengen angebaut, nutzen die Landwirte Grundwasservorkommen zur Bewässerung – aber mehr, als in diese Reserven nachfließen. Auf Sicht wird Wasser dort künftig also für das tägliche Leben fehlen.

Ein anderer Aspekt: Verbrauchtes Wasser verschmutzt, lässt sich jedoch nicht immer vollständig reinigen. Oder es fehlen in einigen Ländern dazu die technischen Einrichtungen. Die Folge: Aus dem virtuellen Wasserverbrauch wird ein realer Wasserverbrauch, weil die Trinkwasservorkommen nicht mehr gefahrlos genutzt werden können. Diese Zusammenhänge lassen sich mit der Hilfsgröße des virtuellen Wassers plastisch und differenziert nach Produkten darstellen.

Wie können wir den virtuellen Wasserverbrauch beeinflussen?

In erster Linie soll die Bilanzierung des virtuellen Wassers die internationalen Warenströme optimieren, um in Ländern mit knappen Wasservorkommen die Ressourcen zu schützen. Aber auch wir Verbraucher können etwas tun. Zum Beispiel Obst und Gemüse saisonal und möglichst regional einzukaufen. Zum Beispiel fällt der persönliche Wasserfußabdruck geringer aus, wenn eine Tomate aus den regenreichen Niederlanden stammt als von Plantagen im trockenen Südspanien.

Ein junges Paar auf Shopping-Tour in einer verschneiten Stadt. In den Einkaufstaschen werden unter Umständen erhebliche Mengen an virtuellem Wasser nachhause getragen.

Viel virtuelles Wasser steckt auch in Kleidung. Beim Shoppen solltet ihr also auf Produkte mit dem Siegel „Fairtrade-Baumwolle“ achten. Das ist ein wertvoller Beitrag zum bewussteren Umgang mit Wasser als Grundbaustein des Lebens.

Auch durch den Einkauf unserer Kleidung haben wir Verbraucher Einfluss auf den Wasserverbrauch: Schon beim Anbau von Baumwolle ist er extrem hoch. Auf die Gewinnung von einem Kilo Baumwolle entfallen knapp 10.000 Liter virtuelles Wasser. In den klassischen Anbauländern wird das meiste davon aus den Tiefen des Grundwassers gefördert, und die Bewässerungsmethoden der vielen Kleinbauern sind ineffizient. Faire Preise und entsprechendes Know-how hilft den Erzeugern, in moderne Techniken zu investieren. Dafür setzt sich beispielsweise die Organisation Fairtrade ein (mehr Infos über Fairtrade-Baumwolle hier). Warum nicht beim nächsten Kleidungskauf ein paar Cent mehr ausgeben und auf das Fairtrade-Siegel achten.

Was sagt ihr zum Konzept des virtuellen Wasserverbrauchs? Ist es eine nützliche Größe für mehr Nachhaltigkeit? Teilt eure Erfahrungen hier …

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2 Kommentare

Giszmo

Hallo, ein sehr interessanter Beitrag der tatsächlich zu mehr Bewusstsein führen kann, jetzt das aber… wollen Verbraucher auf Komfort und billige Dinge verzichten? Nein! Die gesamte Industrie zielt auf günstige Preise ab und hat den Kunden auf hierhin erzogen. Fairtrade kann eine minimale Erleichterung schaffen die ökologische Ausrichtung der Kunden zu forcieren. Leider sind nicht alle Siegel wirklich ehrlich! Solange. Der Kunde im Winter Erdbeeren kaufen soll! Solange nach kilopreis Fleisch eingekauft wird, solange werden einige wenige sich das leisten…

Dominik

Hallo Giszmo,

vielen Dank für Deinen Kommentar und das Feedback! Du hast recht, ohne ein grundsätzliches Umdenken in vielen Bereichen, ist es schwierig dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Deshalb ist es wichtig, sich Sachverhalte wie diesen immer mal wieder vor Augen zu führen.

Liebe Grüße
Dominik vom 21 grad Team

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