Digitales Afrika
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Digitale Start-ups verändern den afrikanischen Kontinent

 

Solarenergie, künstliche Intelligenz und smarte Logistik ¬–Themen, die die meisten Menschen im ersten Moment nicht mit Afrika in Verbindung bringen. Denn oft geht es in der Berichterstattung um Hunger, Armut und korrupte Regime. Aber das ist nur eine Seite. Afrika, dieser riesige Kontinent, hat eine kreative Start-up-Szene. Wir stellen digitale Innovationen vor, die zentrale Probleme clever lösen und für eine nachhaltige Zukunft Afrikas stehen.

Afrika ist ein vielseitiger und heterogener Kontinent. Von Ägypten bis Zentralafrika könnten die Länder nicht unterschiedlicher sein. Trotzdem wird der gesamte Kontinent oft in einen Topf geworfen. Afrika, das ist meist der von harscher Natur, Ausbeutung und Armut gebeutelte Kontinent, abgehängt von westlichen Standards. Für viele Menschen in Afrika trifft dies zu: Jeder Tag ist für sie ein Überlebenskampf.

Nichtsdestotrotz gibt es auch in afrikanischen Ländern junge Gründerinnen und Gründer, die mit Hilfe innovativer Technologie ihr Land verändern. Sie treten an, um ein sozial- und ökologisch verantwortungsvolles Unternehmertum mit digitaler Modernisierung zu verbinden. Es entstehen Online-Dienste, Apps und Plattformen, die vielen Menschen über SMS oder WLAN den Zugang zu Wirtschaft, Gesundheit, Bildung und Information ermöglichen. Dabei geht es aber auch um ganz wesentliche Aspekte des täglichen Lebens, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Solar statt Kerosin: Licht für alle

Elektrisches Licht ist für uns eine absolute Selbstverständlichkeit. In Afrika hingegen leben 625 Millionen Menschen ohne Strom. Am Abend nutzen sie Kerosinlampen oder Dieselaggregate für die Beleuchtung. Diese sind nicht nur teuer, sondern auch gesundheitsschädlich. Gerade Kerosinlampen verursachen dazu noch regelmäßig Brände.

M-KopaDamit Schulkinder am Abend noch ihre Hausaufgaben machen können und Geschäfte nicht bei Einbruch der Dunkelheit schließen, haben sich zwei Start-ups einfache Beleuchtungssysteme ausgedacht: OneLamp bietet einfache Solar Home-Systeme an. Die gesamte Abwicklung inklusive der Kundenbetreuung erfolgt per SMS. Die Endkunden zahlen nur den monatlich tatsächlich verbrauchten Strom. Ein ähnliches Angebot gibt es bei M-Kopa. Zu den Leih-Solarpanels gibt es ein Finanzierungsprogramm für arme Haushalte: Über eine Mobile-App zahlen die Kunden ein Jahr lang täglich einige Cent ein. Auf diese Art konnte M-Kopa bereits 300.000 Haushalte mit Solarbausätzen versorgen.

Künstliche Intelligenz: Für eine bessere Ernte

Afrikanische Bauern verfügen oft nur über einfache Technik. Die Ernte kann aber durch verschiedene Faktoren bedroht sein, beispielsweise durch Schädlingsbefall oder Pflanzenkrankheiten. Dann ist schnelles Handeln nötig, um die Erträge zu sichern. Das südafrikanische Start-up Aerobotics aus Kapstadt bietet Landwirten die Möglichkeit, sich schnell einen Überblick über die Situation auf ihren Feldern zu verschaffen: Drohnen und Satelliten erstellen Bilder, die auf einer Plattform mittels künstlicher Intelligenz ausgewertet werden. So können Probleme rasch identifiziert und Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Auf diese Weise werden Ernteausfälle reduziert. So trägt Aerobotics zu einer möglichst stabilen Versorgung mit Lebensmitteln bei.

Kitovu FarmersDas nigerianische Startup Kitovo Technology Company setzt ebenfalls darauf, die Erntepotenziale zu optimieren. In einer web- und smartphonebasierten Plattform sammelt das Unternehmen Daten zu Bodenbeschaffenheit und Geografie. Es kombiniert diese Daten mit Informationen über die Qualität von Saatgut und den richtigen Einsatz von Düngemitteln. Damit können Bauern ihre Ernteerträge verbessern.

Smarte Logistik: Lebensmittel schneller verkaufen

Man glaubt es kaum, aber die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen beziffert den Verlust durch verrottete Lebensmittel in Afrika so hoch, dass damit eigentlich 300 Millionen Menschen ernährt werden könnten. Vor dem Hintergrund der großen Hungersnöte auf dem Kontinent sind die Probleme in den Wertschöpfungsketten mit die drängendsten. Die Landwirtschaft ist zum Teil so ineffizient organisiert, dass ein großer Teil der afrikanischen Agrarproduktion schlicht im Müll landet. Abgesehen von der schwierigen Versorgungslage verlieren Kleinbauern dadurch regelmäßig ihr überlebenswichtiges Einkommen.

AgroCentaDie Lösung besteht darin, die Logistik zu verschlanken. Diesen Ansatz verfolgt das Start-up Taimba mit seiner Online-Plattform. Ziel ist es, einen Online-Markt zu schaffen, der die Lieferketten zwischen Bauern und Händlern verkürzt. Dadurch sind die Lebensmittel deutlich schneller im Geschäft, und abverkauft, bevor sie ungenießbar werden. Auch das ghanaische Tech-Start-up AgroCenta konzentriert sich auf die Vernetzung von Kleinbauern und Märkten. Über eine App bieten die Produzenten ihre Waren an und können nach dem erfolgreichen Verkauf gleichzeitig den Transport über AgroCenta organisieren. Die Bauern profitieren von deutlich besseren Preisen, weil Zwischenhändler ausgeschaltet werden.

Gegen den Hunger: Verschwendung vermeiden

Dort wo Taimba und AgroCenta aufhören, fängt die nigerianische App Chowberry an: im Laden nämlich. In Nigeria leben 70 Prozent der Bevölkerung von weniger als 1,25 USD pro Tag. Um zu überleben, sind sie auf reduzierte Waren angewiesen. Chowberry hilft Händlern dabei, einen Überblick über die Haltbarkeit von Lebensmitteln in ihren Lagern zu behalten. Steht die Ware kurz vor dem Verfallsdatum, sendet die App automatisch eine Information an eine Online-Plattform. Hier können gemeinnützige Organisationen und arme Haushalte die Produkte zu einem stark vergünstigten Preis erwerben. Gleichzeitig erhalten die Händler immer noch einen kleinen Preis für Waren, die sie unter Umständen gar nicht mehr verkaufen würden.

Gas nach Maß: Sauber und bezahlbar kochen

Paygo EnergyMillionen von Haushalte kochen in Afrika mit schmutzigen Brennstoffen wie Holzkohle und Kerosin. Denn sie können das Geld für eine volle Gasflasche einfach nicht aufbringen. Das ist nicht nur gesundheitsschädlich, sondern auch wenig umweltfreundlich. Das kenianische Start-up PayGo Energy hat ein besonderes Ventil, das Smart Meter, entwickelt, das immer nur so viel Gas entlässt, wie der Kunde vorab bezahlt hat. Ist das Kontingent aufgebraucht, zahlen die Kunden einfach nach, und die Flasche wird entsprechend freigeschaltet. So können auch Menschen mit einem sehr geringen Einkommen Kochgas verwenden.

In diesen vielen kleinen und großen Innovationen zeigt sich eine ganz andere Seite Afrikas: dynamisch, lösungsorientiert, ideenreich, digital und nah am Menschen. Denn die jungen Unternehmerinnen und Unternehmer kennen die Besonderheiten, lokalen Bedingungen und die täglichen Herausforderungen ihres Landes. Damit wissen sie viel besser als große Organisationen und Konzerne, an welchen Stellschrauben Afrikas Probleme gelöst werden können. Und das beweisen sie bereits mit viel Kreativität, moderner Technik und Unternehmergeist.

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