Wärmepumpenkaskade heizt ReihenhäuserVon fossilen Brennstoffen zu erneuerbarer Energie: Vorbild im Wohnungsbau
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Steigende Energiekosten beschäftigen nicht nur Eigentümer von Einfamilienhäusern. Auch Vermieter von Mehrfamilienhäusern stehen vor der Frage, wie sich Wohnraum langfristig wirtschaftlich und zukunftssicher bewirtschaften lässt. Vor dieser Herausforderung stand auch Familie Ricken aus Bad Oeynhausen.
Das Mehrfamilienhaus der Familie Ricken in Bad Oeynhausen stammt aus dem Jahr 1963 und umfasst drei Wohneinheiten mit insgesamt 320 Quadratmetern Wohnfläche. Während Fassade und Fenster über die Jahre modernisiert wurden, versorgte eine Ölheizung das Gebäude mit Wärme und Warmwasser. Technisch war die Anlage noch gut in Schuss. Dennoch entschied sich die Familie für den Umstieg auf eine Luft-Wasser-Wärmepumpe aroTHERM perform von Vaillant. Ergänzt wird das System durch die bereits vorhandene Photovoltaikanlage auf dem Dach. Gegenüber den rechnerischen Ölkosten auf Basis des Heizölpreises zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme fallen die kalkulierten Energiekosten für Heizung und Warmwasser mit Wärmepumpe rund 44 Prozent niedriger aus.
„Abzüglich der Förderung von rund 21.000 Euro bleibt damit ein Eigenanteil von 29.000 Euro, so dass sich die Investition für uns und unsere Mieter auf jeden Fall auszahlt. Die Energiekosten werden künftig nur noch bei etwa 250 Euro im Monat liegen – für alle Mieter zusammen!“Frank RickenEigentümer


Das Mehrfamilienhaus war durch kontinuierliche Modernisierung energetisch bereits auf einem guten Stand. Die Fassade wurde gedämmt, die Fenster nach und nach erneuert. Bei der Wärmeversorgung hingegen blieb erst einmal alles beim Alten; hier vertrauten die Eigentümer weiterhin der mehr als 30 Jahre alten Ölheizung. Doch mit den steigenden Heizölpreisen wuchs der Handlungsdruck. Denn jeder Preissprung bedeutete für die Mieterinnen und Mieter höhere Nebenkosten und damit eine immer stärkere finanzielle Belastung. Für Familie Ricken war wichtig, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner das Wohnen in ihrem Haus auch künftig leisten können.
Eine weitere Optimierung der Gebäudehülle kam nicht infrage. Das Haus war bereits energetisch verbessert worden. Eine zusätzliche Dämmung der Fassade hätte nach Berechnung des Fachbetriebs noch einmal deutlich mehr als 60.000 Euro gekostet. Der größere Hebel lag deshalb bei der Heiztechnik. Die Entscheidung für eine neue Heizung war damit gefallen. Offen war allerdings noch, wie sich die Umrüstung der Heiztechnik in einem Mehrfamilienhaus aus den 1960er-Jahren gestalten lässt. Ein Austausch sämtlicher Heizkörper oder weitere umfangreiche Sanierungsarbeiten sollten weitgehend vermieden werden. Gleichzeitig sollten die Bewohnerinnen und Bewohner während der Arbeiten in ihren Wohnungen weiter wohnen können.


Vor der Planung der neuen Heizungsanlage wurde der Energiebedarf des Gebäudes geprüft. Das Mehrfamilienhaus verbrauchte bislang rund 4.280 Liter Heizöl pro Jahr. Gleichzeitig musste die neue Lösung nicht nur die drei Wohnungen zuverlässig beheizen, sondern auch die Warmwasserversorgung für die insgesamt sechs Bewohnerinnen und Bewohner mit einem Wasserbedarf von 25 Litern pro Person und Tag sicherstellen. Die Lösung: eine Luft-Wasser-Wärmepumpe aroTHERM perform von Vaillant mit 20 kW Leistung. Sie erreicht in dem Gebäude hohe Vorlauftemperaturen von 55 °C, um die vorhandene Wärmeverteilung weiter zu nutzen. Die Heizkörper in den Wohnungen konnten deshalb bleiben. Unterstützt wird das System durch einen 300 Liter-Pufferspeicher für Heizungswasser sowie einen weiteren 300 Liter-Pufferspeicher mit einer Trinkwasserstation für die bedarfsgerechte Warmwasserbereitung. Für sehr niedrige Außentemperaturen steht zusätzlich ein Elektro-Zusatzheizgerät als Reserve bereit, insbesondere zur Absicherung der Warmwasserbereitung.
Für maximale Effizienz kann Frank Ricken über iQconnect als Energiemanagementsystem zudem den selbst erzeugten Strom aus seiner bereits vor einigen Jahren installierten PV-Anlage (16,4 kW Leistung) künftig für den Antrieb der Wärmepumpe nutzen. Bisher wird der Solarstrom in einem Batteriespeicher „gebunkert“ und für einen kleinen Tarif, deutlich unter dem der Stromkonzerne, direkt an die Mieter verkauft. „Das ist für alle eine Win-win-Situation“, sagt Frank Ricken: „Wir entlasten auf diese Weise die Umwelt und senken gleichzeitig die Betriebsnebenkosten.“ Deswegen werde er im nächsten Schritt die PV-Anlage nochmals um 5 kW Leistung erweitern: „Mein Ziel ist es, das Mehrfamilienhaus energetisch möglichst unabhängig zu bekommen. Daher ist für mich auch der Fernzugriff über die myVAILLANT App und für die Firma Stenzel Haustechnik über die Service-Plattform myVAILLANT Pro essenziell. Denn so habe ich immer die Verbrauchswerte im Blick und die Spezialisten von Stenzel können ohne großen Aufwand die wesentlichen Parameter nachjustieren und die Effizienz so immer weiter steigern.“
Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Heizungswassers, das vom Wärmeerzeuger zu den Heizflächen wie Heizkörpern oder Fußbodenheizungen geleitet wird. Je höher die Vorlauftemperatur, desto höher ist auch der benötigte Energieaufwand.
Weitere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber.


Für Familie Ricken spielte beim Heizungstausch nicht nur die technische Machbarkeit eine Rolle, sondern auch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Grundlage der Berechnungen ist eine prognostizierte Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe von 4,0. Rechnerisch bedeutet das: Aus einer Kilowattstunde Strom entstehen rund vier Kilowattstunden Wärmeenergie. Ob dieser Wert im laufenden Betrieb erreicht wird, soll sich im Verlauf der ersten vollständigen Heizsaison zeigen. Basierend auf der prognostizierten Jahresarbeitszahl, fallen die kalkulierten Energiekosten für den Wärmepumpenbetrieb deutlich niedriger aus als mit der Ölheizung.
Für Heizung und Warmwasser benötigt das Mehrfamilienhaus jährlich rund 41.300 kWh Energie. Auf Basis der angenommenen Jahresarbeitszahl entfallen davon rechnerisch etwa 10.300 kWh auf den Stromverbrauch der Wärmepumpe. Bei einem Strompreis von 29 Cent pro Kilowattstunde ergeben sich daraus kalkulierte Energiekosten von rund 3.000 Euro pro Jahr beziehungsweise etwa 250 Euro pro Monat für alle drei Wohneinheiten zusammen. Zum Vergleich: Die bisherige Ölheizung verbrauchte rund 4.280 Liter Heizöl jährlich. Beim Heizölpreis von 1,25 Euro pro Liter zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme der neuen Anlage hätten sich die jährlichen Energiekosten auf rund 5.350 Euro belaufen. Gegenüber diesem Vergleichswert fallen die kalkulierten Energiekosten für Heizung und Warmwasser rund 44 Prozent niedriger aus. Zusätzliche Einsparpotenziale ergeben sich durch den Strom aus der vorhandenen Photovoltaikanlage. Je mehr davon direkt für den Betrieb der Wärmepumpe genutzt werden kann, desto geringer fällt der Strombezug aus dem Netz aus. Gekostet hat der Heizungstausch 50.000 Euro, und zwar inklusive einer speziellen Regelung zum direkten elektrischen Nachheizen des Speichers mit besagtem PV-Strom. „Abzüglich der Förderung von rund 21.000 Euro bleibt damit ein Eigenanteil von 29.000 Euro, so dass sich die Investition für uns und unsere Mieter auf jeden Fall auszahlt,“ freut sich Frank Ricken: „Die Energiekosten werden künftig nur noch bei etwa 250 Euro im Monat liegen – für alle Mieter zusammen!“
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) gibt die Effizienz eines Heizsystems über ein Jahr an, indem sie das Verhältnis von eingesetzter Energie zu erzeugter Heizwärme darstellt.
Weitere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber.

