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Berauschende Ökologie

 

Vom 12. bis 21. Mai fand im Museum für Angewandte Kunst in Köln Deutschlands größtes Event für Design und Nachhaltigkeit statt. Wir waren für Euch vor Ort.

Das ökoRAUSCH Festival für Design & Nachhaltigkeit steht für durchdachte Gestaltung, die den Menschen, die Gesellschaft und die Umwelt an erste Stelle rückt. In diesem Jahr fand es erstmals im Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) statt – mit einer großen Ausstellung sowie einem breitgefächerten Programm aus Workshops, Vorträgen, Diskussion, Lesungen und mehr. Hier ging es um die Beantwortung von Fragen wie: Wie begegnen Designer und Künstler den Herausforderungen des Klimawandels? Welche Weichen können durch kreative Entwicklungsprozesse für ein intaktes, soziales Miteinander gestellt werden? Und wie gelingt es vor allem, so viele Menschen wie möglich vom Wissen ins Handeln zu bringen?

Die Ausstellung im Obergeschoss des Museums vereinte Arbeiten von 36 internationalen Gestalterinnen und Gestaltern zum Thema Nachhaltigkeit: von hochwertigen nachhaltigen Produkten über innovative Designkonzepte bis hin zu künstlerischen Positionen.

Impressionen aus der ökoRAUSCH-Ausstellung

Criaterra TilesCriaterra Tiles – 100 % Natur, stark wie Beton

Criaterra stellt öko-innovative Baustoffe her, die stabil wie Beton sind und gleichzeitig die Idee der Kreislaufwirtschaft realisieren. Die Fliesen bestehen aus einem 100 % natürlichen Gemisch von Sand, Schlick und Lehm, welches mit Pflanzenfasern zusammengepresst wird, woraus die Vielzahl natürlicher Farbtöne resultiert. Im Gegensatz zu Keramik- oder Zementfliesen, deren natürliche Rohstoffe totgebrannt sind, können die der Criaterra-Fliesen als Nährstoffe in den Kreislauf der Natur zurückgegeben werden.

ECOncrete – Econcrete ecological solutions

ECOncrete entwickelt modulare bio-positive Betonprodukte, welche den ökologischen Wert von städtischen, küstennahen und marinen Infrastrukturen erhöhen und zugleich deren strukturelle Festigkeit verbessern. Die einzigartigen Betone vereinen eine praxistaugliche Kombination aus Additiven, Formen und Oberflächen, die sich positiv auf Biosphären auswirken. Auf diese Weise reduzieren die Produkte zum Beispiel den ökologischen Fußabdruck von Dämmen und Pieren – und erhöhen gleichzeitig den Wert von städtischen Oberflächen für die Natur.

Das gute Ding – In Form gebrachte gesellschaftliche Entwicklungen und Ereignisse

Als 2014 Sturm „Ela“ in Düsseldorf ca. 40.000 Bäume zerstörte, schufen die Produkt- und Projektdesigner von Das gute Ding die „Sturmbrettchen“: Frühstücksbrettchen, in die Name, Alter und GPS-Standort des gefallenen Baumes graviert sind. So hält die Gesellschaft die Erinnerung an die Bäume lebendig und finanziert mit dem Erlös des Produkts neue Bäume für die Stadt.

Ecosign WalliceEcosign – Wallice leuchtet und reguliert das Raumklima

Die Tischleuchte Wallice optimiert das Raumklima – durch ihre Form, ihr Licht und ihre Funktion als Luftbefeuchter. Der Faden des Leuchtmittels spendet neben Licht auch Wärme, welche das Wasser im Lampenschirm erwärmt und so zum Verdunsten bringt. Wer zudem noch den Duft in seinem Raum verbessern möchte, gibt einfach ein paar Tropfen ätherisches Öl ins Wasser. Dass Wallice ökologisch und ökonomisch sparsam ist, versteht sich von selbst.

Little Home – Helfen. Bauen. Obdach schenken.

Die „kleinen Zuhause“ sind ca. 1,60 m hoch, 1,20 m breit und 2,80 m hoch. Im Inneren sind sie mit fast allem ausgestattet, was Menschen zum (Über-) Leben brauchen: eine Matratze, ein Regal, ein Erste-Hilfe-Set, Feuerlöscher, Waschbecken, eine Kochmöglichkeit und sogar eine Campingtoilette. Gefertigt werden die Wohnboxen aus Dingen, die wir in den Sperrmüll geben. Die Macher haben inzwischen elf Mini-Häuschen auf Rollen in Köln und sechs in Berlin verschenkt. Expansionen in weitere Städte sind geplant.

Christof Mühe & Franz Junghans – Prepaired to repair

Im Rahmen ihrer Bachelorarbeit haben sich die Produktentwickler mit der immer schwerer werdenden Reparatur von Konsumgütern sowie den Strategien der geplanten Obsoleszenz beschäftigt, also der künstlichen Verkürzung der Produktlebensdauer. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist ein Staubsauger, der einfach repariert und dadurch länger genutzt werden kann. So ist der Aufbau des Entwurfs leicht nachvollziehbar, seine Einzelteile sind besonders gut erreichbar und einfach austauschbar. Dies resultiert vor allem aus der Idee, das Gehäuse nicht als verschlossene Außenhülle, sondern als tragendes Element zu verstehen.

MCL Coffee DregsMy Cookery Log (MCL) – Einzigartige Werkstücke aus Kaffeesatz

Der kurze Genuss von Kaffee steht in keinem Verhältnis zu seinem ressourcenaufwändigen Anbau, zumal er Tonnen von Kaffeesatz zur Folge hat. Die Upcycling Designer von MCL haben eine funktionale Form für den organischen Abfallstoff geschaffen – mit dem Ziel, ihn dabei aufzuwerten und daraus Objekte wie diese Schalen zu schaffen, die dem Anspruch eines formal archaisch-organischen Designs entsprechen.

Rames Eger Couture – Restart thinking

Der Designer Rames Eger Couture entwirft und produziert wasserdichte Schlafsäcke und Regenjacken aus alten Schirmstoffen und Duschvorhängen für Obdachlose „weil der Staat seine Aufgabe nicht macht und ich ein Zeichen setzen möchte.“ Er vertritt die Auffassung, dass ein moderner Modedesigner nicht nur einzelne Menschen, sondern seine ganze Umgebung verschönern sollte. Bisher hat er 70 Schlafsäcke in ganz Europa verschenkt. Mit seinem Engagement möchte er weitere Menschen dazu motivieren, sein Projekt zu unterstützen: „Die Zeit, in der Mode trennt, ist Vergangenheit. Mode soll verbinden.“

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