Dachbegrünung
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Dachbegrünung – Wasserückhalt, Dämmung und Mini-Biotop

 

Ein Dachgarten sieht nicht nur schön aus, sondern gibt der Natur und Tierwelt auch wertvollen Lebensraum zurück. Außerdem helfen Dachgärten, Städte gegen die Folgen des Klimawandels zu rüsten. Eine einfache Dachbegrünung ist auf fast allen Dächern möglich – und wird darüber hinaus noch bezuschusst.

Dachbegrünung

Bild von cocoparisienne auf Pixabay

Die Flächenversiegelung ist in Deutschland zu einem großen Problem geworden. 45 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen in Deutschland sind bereits bebaut , betoniert, asphaltiert oder anders versiegelt. Das macht sich besonders bei den immer häufiger auftretenden Starkregen bemerkbar: Das Regenwasser sickert nicht mehr ab und die Kanalisation alleine kann die Wassermassen nicht bewältigen. Es kommt zu Überschwemmungen. Begrünte Dächer wirken wie ein Schwamm: Ein Quadratmeter Dach kann einen Wasserrückhalt von 30 Litern aufbauen. Das Wasser wird zeitversetzt über Drainagen und die Verdunstung abgegeben.

Vorteile einer Dachbegrünung

Eine Dachbegrünung bietet aber noch weitere positive Effekte: Zunächst gibt sie der Natur die Fläche zurück, die wir ihr für die Bebauung genommen haben. Viele Insekten finden auf grünen Dächern Nahrung und Rückzugsorte; Vögel, die bodennah brüten, bauen hier ihre Nester. Das Dach selbst ist durch die Pflanzen gut vor Verwitterung geschützt. Hagel und starke Sonneneinstrahlung können ihm nichts mehr anhaben. Auch die Bewohner profitieren: Begrünte Dächer gleichen nämlich Temperaturschwankungen aus und sorgen für eine zusätzliche Dämmung. Das spart Energiekosten.

Ein Quadrameter Dachbegrünung …

• nimmt 800 Gramm CO2 auf.
• bindet 10 Gramm Feinstaub pro Hektar.
• mindert den Lärm um 20 Dezibel.
• senkt die Lufttemperatur um 1,5 Grad.

Zuschuss für das grüne Dach

Darum fördern immer mehr Städte begrünte Dächer mit einem Zuschuss. Auch über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) zahlt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) Fördergelder für Erhalt und Neuanlage einer Dachbegrünung aus. Die KfW-Bank vergibt für grüne Dächer Förderkredite mit Tilgungszuschuss.

Die Ausgaben für eine Dachbegrünung sind vergleichsweise überschaubar. Bei einer einfachen Begrünung liegen die Kosten bei etwa 20 bis 40 Euro pro Quadratmeter. Bei einer intensiven Bepflanzung muss man mit 60 Euro pro Quadratmeter rechnen. Die Investition kann sich je nach Gebäude und Größe nach zehn bis dreißig Jahren amortisieren. Denn die Hauseigentümer sparen Energiekosten und profitieren von einer längeren Lebensdauer. Außerdem entfällt die Niederschlagswassergebühr bei versiegelten Flächen.

Extensive und intensive Dachbegrünung

Bild von CHUTTERSNAP auf Unsplash

Es gibt zwei Ansätze für ein grünes Dach: die intensive und die extensive Begrünung. Die Extensivbegrünung ist sehr pflegeleicht. Sie benötigt eine geringe Aufbauhöhe von nur acht bis zehn Zentimetern Substrat. Darauf werden wasserspeichernde, niedrige Pflanzen gesetzt, die sich weitestgehend selbsterhalten. Beliebt sind beispielsweise Fetthenne, Mauerpfeffer oder Steinbrech. Auch Kräuter wie Thymian oder Lavendel eignen sich für die extensive Dachbegrünung. Einmal angelegt, versorgt sich der Dachgarten von alleine. Es bedarf nur einer Begehung pro Jahr, um beispielsweise anwachsende Jungbäume zu entfernen.

Bei der intensiven Dachbegrünung bedarf es eines höheren Aufbaus von bis zu 40 Zentimetern Substrat. Darin können Stauden, Sträucher und Ziergräser wie in einem normalen Beet wachsen. Sie sollten allerdings nicht trockenheits- und frostempfindlich sein. Bei Dachgärten mit bespielbarem Rasen fällt die Wahl meist auf Fertigrasen. Auch Pflanzgefäße oder Bäume sind je nach Dachart möglich.

Tipp: Rhizombildende Arten wie beispielsweise Bambus oder Schilf sollten nicht auf dem Dach gepflanzt werden. Sie können durch den starken Wurzelwuchs das Dach beschädigen.

Wie schwer ist ein Dachgarten?

Intensiv bepflanzte Dachgärten benötigen mehr Pflege, können dafür aber wie ein normaler Garten genutzt werden. Voraussetzung ist, dass das Dach das zusätzliche Gewicht tragen kann. Je nach konkreter Gestaltung kann ein intensiv begrüntes Dach mit bis zu 500 Kilogramm pro Quadratmeter zu Buche schlagen. Ein extensiv begrüntes Dach beschwert das Dach im Schnitt mit lediglich 40 bis maximal 150 Kilogramm pro Quadratmeter.

Vorausetzungen für ein grünes Dach

Fast jedes Dach eignet sich für eine extensive Bepflanzung. Allerdings benötigen Flachdächer einen anderen Aufbau als geneigte Dächer: Flachdächer brauchen eine Entwässerrungsschicht, damit sich keine Pfützen bilden. Ab einer Dachneigung von 15 Grad sollte eine Abrutschsicherung eingerichtet werden.
Eine intensive Bepflanzung kann ausschließlich auf Flachdächern errichtet werden. Dafür sollte das Vorhaben vorab fachgerecht geprüft werden, beispielsweise durch Architekten, die die Tragfähigkeit des Daches prüfen. Ab fünf Grad Neigung sollte auf eine intensive Bepflanzung verzichtet werden. Dafür ist die extensive Bepflanzung bis zu 30 Grad Dachneigung möglich.

Das Solar-Gründach

Einen besonders hohen ökologischen Wert hat das Solar-Gründach, also eine Kombination aus einem begrünten Dach und einer Photovoltaik-Anlage oder Solarthermie. Oft herrscht Unsicherheit, ob die zeitgleiche Umsetzung beider Maßnahmen möglich ist. Bei fachgerechter Planung, Ausführung und Pflege spricht laut Bundesverband GebäudeGrün e.V. (BuGG) jedoch nichts gegen die Einrichtung von Solar-Gründächern. Praxisbeispiele zeigen, dass Solar-Gründächer dauerhaft funktionieren.

Ein extensiv bepflanztes Dach kann in vielen Fällen in Eigenregie errichtet werden. Im Handel gibt es dafür praktische Komplettpakete. Habt ihr auch schon über einen Dachgarten als nächstes Projekt nachgedacht?

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