29 Lesern gefällt das

Nachgefragt: Warum stehen Heizkörper meistens unter dem Fenster?

 

Heizen wir so nicht sprichwörtlich aus dem Fenster hinaus – und wohnen dadurch unnötig teuer? Wir haben mit Heiz- und Wärmeexperten zum Thema „Heizung unter Fenster“ gesprochen und Wissenswertes erfahren.

Früher war am Fenster der ungemütlichste Platz in der Wohnung

Die Positionierung der Heizung unter dem Fenster ist ursprünglich dem Stand der Technik vor rund 100 Jahren geschuldet. „Früher gab es nur Fenster mit Einfachverglasung sowie schlecht gedämmten Profilen ohne wirksame Abdichtung zwischen Fensterrahmen und Flügel. Ein sehr hoher Wärmedurchgang von innen nach außen sowie ein unangenehmer Luftzug waren die Folge“, erklärt Frank Kohnen von Vaillant. „Außerdem waren die Wände an den Fenstern oft dünner und nicht gedämmt, wodurch ebenfalls viel Wärme verloren ging. Dadurch zählten die Flächen um die Fenster zu den kältesten im Zimmer, weshalb man die Heizung unter den Fenstern montierte.“ Dieser Standort begünstigt die Bildung einer „Luftwalze“, die sich im Raum durch die Erwärmung der zum Fenster strömenden Luft bildet. Außerdem verhindert er Schwitzwasserbildung am Fenster.

Heute dürfen wir dafür das Lüften nicht vergessen

Inzwischen sieht die Situation ganz anders aus: Die heute üblichen dreifachverglasten Wärmeschutzfenster sind wesentlich energieeffizienter als die einfachverglasten von früher. Gleiches gilt für die Dämmung der Fassade. So verbrauchen wir insgesamt deutlich weniger Energie und erzeugen weniger Emissionen. Der Nachteil: Je dichter die Gebäudehülle, desto geringer die Luftzirkulation und desto größer die Verantwortung der Bewohner, regelmäßig zu lüften. Denn nur dadurch bleibt die Raumluft ausreichend feucht und sauerstoffreich und Schimmelbildung effektiv vorgebeugt. Wie Ihr richtig lüftet, erfahrt Ihr in unserem Post Richtig Lüften – wichtig für Mensch und Bausubstanz.

Aller technischen Neuerungen zum Trotz – es bleibt alles beim Alten: Heizung unter Fenster

Die Heiztechnik hat sich natürlich auch weiterentwickelt: Die oftmals an eine Wärmepumpe gekoppelte Fußbodenheizung gehört heute in vielen Neubauten zum Standard. Gleiches gilt für flache und formschöne Heizkörper, die deutlich weniger Platz benötigen als die alten „Ziehharmonikas“. Und doch empfehlen die meisten Experten nach wie vor, die Heizung unter dem Fenster zu montieren: „Am besten nimmt die Heizung die volle Breite des Fensters ein, um Fallluft zu vermeiden“, so Frank Kohnen. „Hinzu kommt, dass die Wärme am Fenster deutlich besser zirkulieren kann als einer Wand. Dadurch erwärmt sich der Raum schneller und gleichmäßiger, was Energie spart.“ Ein weiteres Argument für diesen Standort ist die optimale Ausnutzung der Wohnfläche, denn weder Fenster noch Heizung dürfen mit Möbeln zugestellt werden: Das Fenster soll möglichst viel Licht in die Wohnung lassen und geöffnet werden können. Und die Wärme der Heizung muss zirkulieren und ungehindert in den Raum strömen können.

Fazit: Die Heizung ist unter dem Fenster einfach am besten aufgehoben. Weil es die effizienteste Lösung darstellt – energetisch und gestalterisch.

29 Lesern gefällt das

Ein Kommentar

Luise Hanson

Ich habe mich schon oft gefragt, warum Heizkörper am Fenster stehen. Die Erklärung mit der Luftwalze macht durchaus Sinn. Über kurz oder lang werde ich über die Installation einer Fußbodenheizung nachdenken.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.