Heizölpreise
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Schwankende Heizölpreise – Was steckt dahinter?

 

Der Preis für Heizöl ist schwer vorhersehbar. Er ändert sich täglich – vor allem, weil er eng an den Ölpreis gekoppelt ist. Hier erfahrt Ihr, wie der Ölpreis zustande kommt – und wie Ihr trotz Preisschwankungen möglichst günstig an Heizöl kommt.

Als Colonel Edwin L. Drake 1859 im amerikanischen Pennsylvania auf Erdöl stieß und damit den Spatenstich für die moderne Ölindustrie setze, ahnte er wohl kaum, dass der Ölpreis eines Tages zu den Schlüsselfaktoren der Weltwirtschaft zählen würde. Was heute noch an damals erinnert, ist wenig: Die Ölmenge wird immer noch in „Barrel“ angegeben. Ein solches „Fass“ entspricht 159 Litern Öl. Ansonsten ist alles anders: Das Öl wird in Tankern um die Welt geschickt und an internationalen Börsen gehandelt. Sein Preis folgt den Gesetzen der Märkte und spiegelt neben den Vorräten in der Erdkruste vor allem politische und wirtschaftliche Krisen sowie die Förderpolitik der produzierenden Länder wider.

Die führenden Erdölförderländer 2018 (in Millionen Barrel pro Tag)

  1. OPEC (ohne Iran): 34,6
  2. USA: 14,9
  3. Russland: 11,4
  4. Iran: 3,8

Quelle: https://de.statista.com/

Die OPEC ist die Organisation erdölexportierender Länder. Sie ist eines der größten Kartelle der Welt und verfolgt das Ziel, die Erdölpolitiken seiner Mitgliedsstaaten zu koordinieren und die Weltmarktpreise für Rohöl unter anderem durch Regulierung der Fördermengen zu stabilisieren. Zur OPEC gehören aktuell 15 Länder, darunter politisch instabile Staaten wie Irak, Iran, Algerien, Angola, Libyen, Nigeria oder Venezuela.

Heute kontrolliert die OPEC die Ölpreise nicht mehr

Von ihrer Gründung 1960 bis in die Mitte der achtziger Jahre steuerte die OPEC die Ölpreise. Da jedoch alle Ölproduzenten – OPEC-Mitglieder oder nicht – an stabilen, der Weltwirtschaft und somit der Nachfrage förderlichen Ölpreisen interessiert sind, hat sie an Einfluss verloren. Hinzu kommt, dass die USA als weltweit größter Ölnachfrager in den letzten Jahren zum zweitgrößten Ölproduzenten aufgestiegen sind. Durch Ausbeutung des Schieferöl-Vorkommens hat sie die Marktdominanz der Golfstaaten und auch Russlands verringert.

OPEC-Korbpreis ist aber nach wie vor eine Leitgröße

Der sogenannte OPEC-Korbpreis, der sich aus allen Ölsorten und Preisen der OPEC-Mitglieder zusammensetzt, gilt aber nach wie vor als eine Art Leitgröße auf dem Markt. Warum? Ist schnell erklärt: 2017 betrug der Anteil der OPEC-Staaten an der weltweiten Rohölproduktion knapp 43 Prozent. 13,5 Prozent förderte alleine Saudi-Arabien, welches wie wenige Länder in der Lage ist, seine Fördermenge kurzfristig zu verändern, ohne die heimische Wirtschaft zu gefährden. Russland zum Beispiel kann das nicht. Der Export von Öl ist für das Land noch bedeutender als der von Gas – obwohl es der weltweit größte Erdölproduzent ist.

Ein Großteil des Handels mit Öl spielt sich an der Börse ab

Öl wird an New York Mercantile Exchange (NYMEX) und der International Petroleum Exchange (IPE) in London gehandelt. Die Preise orientieren sich vor allem an zwei Rohölsorten: dem Brent Blend (BRENT) aus der Nordsee und dem West Texas Intermediary (WTI) aus den USA. Erdöl wird an der Börse hauptsächlich in Form von Futures gehandelt. Bei diesen Kontrakten geht es darum, an einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft – meistens in einem Monat – eine bestimmte Menge Rohöl zu kaufen oder zu verkaufen.

Die Mehrheit der Teilnehmer an den Börsen versucht, durch Einschätzung der Marktentwicklung kurzfristige Gewinne zu erzielen. Sie spekuliert also.

Die Stimmung an den Börsen beeinflusst die Ölpreise stark

Diese Stimmung wird von drohenden politischen Unruhen ebenso gesteuert wird wie von erwarteten Veränderungen bei Angebot und Nachfrage. Stürme und Tornados, die die Produktion und den Transport von Öl erschweren? Ein kalter Winter in Europa? Die Roadtrips der Amerikaner in der „driving season“ zwischen Ende Mai und Anfang September? Schlagen sich in den Ölpreisen nieder. Gleiches gilt für besonders hohe oder niedrige Lagerbestände in wichtigen Abnehmerländern. Schwellenländer wie China und Indien, die der USA als Spitzenreiter unter den Ölverbrauchern folgen, spielen hier eine wichtige Rolle. Und selbstverständlich übt auch der Dollarkurs einen direkten Einfluss auf den Ölpreis aus, da Öl in Dollar abgerechnet wird. Wer keine besitzt, muss seine Landeswährung gegen Dollar eintauschen.

Politische Unruhen, Angebot und Nachfrage, Wetterereignisse, nationale Lagerbestände und der US-Dollarkurs nährt die Spekulationen.

Verändert sich der Ölpreis, verändern sich auch die Heizölpreise

Und zwar über den Gasölpreis. Gasöl ist das unversteuerte, chemisch identische Vorprodukt von Heizöl. Es wird wie Rohöl an den internationalen Warenterminmärkten gehandelt. „Reales“ Rohöl wechselt häufig im Rahmen von langfristig geschlossenen Lieferverträgen seine Besitzer. Wollen Händler kurzfristig Öl umschlagen, zum Beispiel um Gewinne durch Preisschwankungen mitzunehmen, wird die Ware „on the spot“ verschoben: in großen Ölhäfen wie Rotterdam, New York, Houston am Golf von Mexiko, Singapur und im Persischen Golf.

Die Preise für reales Öl orientieren sich stark an den Börsenhandelspreisen für Futures.

Warum hat Niedersachsen zum Beispiel andere Heizölpreise als NRW?

Das Rohöl, das wir in Deutschland nach erfolgter Raffination als Heizöl nutzen, erreicht uns auf unterschiedlichen Transportwegen. Nordwest- und Teile Norddeutschlands werden überwiegend aus Rotterdam beliefert. In Ostdeutschland wird vor allem russisches Öl genutzt, das uns über eine durch Polen führende Pipeline erreicht. Eine Leitung aus dem Hafen in Genua versorgt Raffinerien in und um Ingolstadt, die Heizöl und Kraftstoffe für das südöstliche Deutschland herstellen. Karlsruhe, das aus Südfrankreich und Rotterdam mit Rohöl versorgt wird, ist ein wichtiger Umschlagplatz für den Südwesten.

So verschieden die Wege und Entfernungen von Häfen, Raffinerien oder Tanklagern zu uns, den Verbrauchern, so unterschiedlich sind die Heizölpreise.

Weitere Einflussgrößen sind Hersteller, Handel und Staat    

Die vielen Unternehmen, die an der Herstellung und dem Handel mit Heizöl beteiligt sind, tragen ebenfalls zur Preisbildung bei. Dass auch die Binnenschifffahrt die Preise für Erdölprodukte stark bewegen kann, hat der Dürresommer 2018 jüngst gezeigt.

Unsere Heizölpreise sind nicht nur vom Geschehen an den internationalen Ölmärkten und vom Wechselkurs zum US-Dollar abhängig, sondern auch von Begebenheiten in den Regionen.

Preisunterschiede von 2 bis 5 Cent pro Liter sind gang und gäbe. Die täglichen Entwicklungen könnt Ihr hier verfolgen: www.fastenergy.de. Und natürlich profitiert auch der Staat von unseren Heizölkäufen. Er erhält aktuell 6,14 Cent pro Liter gesetzliche Energiesteuer für leichtes Heizöl sowie 19 % Mehrwertsteuer auf den Nettopreis inklusive Energiesteuer.

Auch wenn die Heizölpreise schwanken:
Tipps zum Heizölkauf und -verbrauch haben wir trotzdem

Wann ist Heizöl am günstigsten?

Aufgrund der vielen und größtenteils unvorhersehbaren Einflussfaktoren unterliegen die Heizölpreise zum Teil erheblichen Schwankungen – sogar im Sommer, wenn die Nachfrage am niedrigsten sein sollte. Daher lohnt es sich für Euch, die Preise über einen längeren Zeitraum im Auge zu behalten – um dann in einem günstigen Moment zuzuschlagen. Viele Händler unterstützen dies mit Online-Services wie zum Beispiel einem „Wunschpreisalarm“.

Lohnen sich Heizöl-Sammelbestellungen?

Das kommt darauf an. Als Besteller mit einem kleineren Bedarf von weniger als 2.000 Litern könnt Ihr zwischen 2 und 5 Prozent sparen – sofern die Gesamtbestellmenge 30.000 Liter nicht übersteigt. Denn mehr Heizöl kann ein Hängerzug in einer Fuhre nicht transportieren. Wichtig zu wissen ist, dass Sammelbesteller gesamtschuldnerisch für die Bezahlung der Rechnung haften: Sollte also einer Eurer Mitbesteller nicht zahlen, muss die Gemeinschaft seinen Anteil übernehmen. Und: Abnehmer von größeren Mengen subventionieren die mit kleineren Mengen, da sie vergleichsweise weniger sparen: Eine Einzelbestellung von 5.000 Litern kostet weniger als die Bestellung von 5 x 1.000 Litern.

Was ist die optimale Bestellmenge für Heizöl?

Hier gilt das Gleiche wie zuvor erläutert: Ihr fahrt günstiger damit, eine große Menge Heizöl zu bestellen und Euren Tank vollständig zu füllen, als mehrmals im Jahr zu ordern. Vorausgesetzt natürlich, Ihr habt den Ölpreis beobachtet und erwischt einen guten Bestellzeitpunkt.

Ist es an der Zeit, die Ölheizung zu ersetzen?

Der Ölpreis ist ein Faktor für hohe Heizkosten, die Effizienz Eurer Heiztechnik ein anderer. Daher die Frage: Holt Eure Ölheizung die maximal mögliche Wärmemenge aus der eingesetzten Energie heraus? Wenn nicht, lohnt sich ein Kesseltausch. Der Einbau einer modernen Öl-Brennwertheizung ist in maximal zwei bis drei Tagen erledigt, verursacht nur wenig Schmutz und kann Euren Ölverbrauch um bis zu 15 Prozent senken – bei Einbindung von Solarthermie sogar noch deutlich mehr. Ihr möchtet wissen, wie viel Ihr sparen könnt? Die Heizungspartner von Vaillant beraten kostenlos & unverbindlich. Infos zum effizienten Vaillant Öl-Brennkessel icoVIT findet Ihr hier.

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