Das Bild zeigt ein saniertes, zweigeschossiges Reihenendhaus in Köln mit PV-Modulen auf dem Dach

Quelle: INDICAMUS

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„Sanierungssprint“: In 4 Wochen vom Worst-Performing-Building zum „Effizienzhaus 55 EE“

 

Wenn die Energiewende gelingen soll, um zum Klimaschutz den CO2-Ausstoß wirkungsvoll zu senken, muss vor allem der Gebäudebestand saniert werden. Aber da hapert es: Die Quote lag in Deutschland letztes Jahr nur bei 0,69 Prozent. Gemäß einer Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena; 2022) müssten jährlich aber 1,7 bis 1,9 Prozent der Wohngebäude energetisch saniert werden, um bis 2045 klimaneutral zu sein. Damit dieses Ziel schneller erreicht wird, hat Nordrhein-Westfalen den Wettbewerb „Sanierungssprint“ gestartet.

Erster Gewinner ist das Ingenieur- und Sachverständigenbüro INDICAMUS aus Köln – mit einem ausgesprochen ambitionierten Projekt: Binnen vier Wochen soll ein energetisch unsaniertes Einfamilienhaus (Reihenendhaus, 127 m² Wohnfläche, Baujahr 1965), also ein Worst-Performing-Building, zum „Effizienzhaus 55 EE“ werden.

Der hohe Nutzanteil erneuerbarer Energien wird dabei unter anderem durch eine Luft/Wasser-Wärmepumpe vom Typ Vaillant aroTHERM plus (VWL 55/6; 5,4 kW Leistung) erreicht. Hinzu kommen eine dezentrale Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung und eine PV-Anlage. Die liefert auch einen Teil des Betriebsstroms für die Wärmepumpe. Der selbst erzeugte Strom wird also optimal direkt vor Ort genutzt.

Das Bild zeigt ein unsaniertes, zweigeschossiges Reihenendhaus in Köln aus dem Jahre 1965

Quelle: INDICAMUS

Warum einen Sanierungssprint?

Der Wettbewerb „Sanierungssprint“ aus NRW legt den Finger auf eine Wunde, die es in jedem Bundesland gibt: Der Gebäudebestand ist energetisch in einem katastrophalen Zustand. 63 Prozent aller Gebäude wurden vor 1980 gebaut (Quelle: statista), den höchsten Energieverbrauch davon haben mit über 200 kWh/m²a die rund sieben Millionen Objekte aus den Jahren zwischen 1949 und 1978 (Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie). Das unsanierte „Gewinnerobjekt“ aus Köln ist also wirklich prototypisch.

Für Gebäude mit einem derart hohen Energieverbrauch gibt es seit Ende 2022 im Rahmen der Bundes­förderung für effiziente Gebäude (BEG) eine neue Gebäude­kategorie: Es sind Worst-Performing-Buildings. Sie gehören zu den energetisch schlechtesten 25 % aller Häuser in Deutschland. Aber wer sich traut, sie zu sanieren, wird dafür mit einem Extra-(Tilgungs-)Zuschuss von 10 % durch die KfW-Bank belohnt.

Was ist das Sanierungskonzept?

Das Konzept, um bei dem Reihenendhaus den Energieverbrauch um mehr als 80 % zu senken, setzt sowohl bei der Gebäudehülle wie auch bei der Anlagentechnik an. Der Fensteraustausch, die Dach- und die Fassadendämmung sowie die Dämmung der Kellerdecke sind einfach notwendig, um die Transmissionswärmeverluste nach unten zu bringen: Jede Kilowattstunde Energie, die nicht verloren geht, muss auch nicht erzeugt werden…

Vor der Hauswand eines Reihenhauses steht eine Vaillant Luft/WasserwärmepumpeIm zweiten Schritt, nach der Gebäudehülle, stand der Austausch der Anlagentechnik im Fokus. Statt der alten Ölheizung gibt es jetzt eine aroTHERM plus Luft/Wasser-Wärmepumpe, die auch das Warmwasser erzeugt. Der hoch effiziente Heizbetrieb wird durch die ebenfalls neue Fußbodenheizung unterstützt, die mit einer Vorlauftemperatur von lediglich 35 °C auskommt.

Um trotz der dichten Gebäudehülle den notwendigen Luftaustausch abzusichern, wurde zudem eine dezentrale Wohnraumlüftung installiert – und auch hier ebenfalls auf einen möglichst hohen Wirkungsgrad geachtet. Etwa 88 % der Abluftwärme wird in den Push/Pull-Lüftern zurückgewonnen, um die zugeführte Frischluft bei Bedarf direkt aufzuheizen. Eine solche raumweise Lüftung hat gerade bei Bestandsgebäuden den entscheidenden Vorteil, dass keine Lüftungskanäle verlegt werden müssen. Die Installation ist also mit wesentlich geringerem Aufwand verbunden.

Komplettiert wird das Anlagenkonzept schließlich durch eine 22 Module große PV-Anlage mit 10 kWp Leistung auf dem eigenen Hausdach. Das Ziel dahinter: Über den 5,1 kW großen Batteriespeicher möglichst viel des eigenen Strombedarfs selbst abzudecken.

Das Ergebnis

In der Summe wird durch das Sanierungskonzept in dem Reihenendhaus der Primärenergiebedarf von 375 auf 37 kWh/m²a gesenkt, der Endenergiebedarf von 351 auf künftig nur noch 21 kWh/m²a. Das entspricht Brennstoffeinsparungen (bezogen auf den Brennwert) von etwa 94 %!

Wie gelingt das in 4 Wochen?

Für das Hausbesitzerpaar war aber nicht allein diese enorme Energieeinsparung der Grund, sich an dem Projekt „Sanierungssprint“ zu beteiligen: Genauso wichtig war ihnen die ambitionierte Zeitachse von lediglich vier Wochen. Um den entsprechend eng getakteten Bauzeitenplan einzuhalten, ließ das Planungsbüro die verschiedenen Gewerke prozessoptimiert parallel auf der Baustelle arbeiten und sorgte zudem für eine ausgefeilte Baustellenlogistik. Die Materialien waren also just-in-time auf der Baustelle, so dass Leerlaufzeiten es keine Stillstandzeiten gab.

Weil das Konzept leicht auf alle Ein- und Zweifamilienhäuser aus den 50er-bis 80er-Jahren übertragbar ist, will die NRW-Landesgesellschaft NRW.Energy4Climate künftig weitere Angebote für Sanierungssprints machen. Auf diese Weise sollen bei Qualität und Kosten zusätzliche Lern- und Skaleneffekte erzeugt werden, um Bestandsobjekte künftig generell schneller und kosteneffizienter energetisch zu sanieren als bisher.

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