Auf dem Bild kann man einen Pilz sehen.
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Verbündete beim Klimaschutz: Pilze, Moore und mechanische Bäume

 

Die Verminderung des CO2-Austoßes ist eine der dringendsten Aufgaben unserer Zeit. Wusstet Ihr, dass wir dabei wirkmächtige Unterstützer haben? Unterstützer, die noch mehr Kohlenstoff binden als Bäume? Die Rede ist von Pilzen, Mooren – und mechanischen Bäumen.

Warum ist die Bindung von Kohlenstoff so wichtig? Weil er in Verbindung mit Sauerstoff klimaschädliches CO2 bildet. Bäume speichern Kohlenstoff für die Dauer ihres Lebens: Sie entziehen der Atmosphäre CO2, lagern den Kohlenstoff ein und geben den Sauerstoff wieder an die Luft ab. Verrottet der Baum Jahre später, setzt er den Kohlenstoff wieder frei, der sich dann erneut mit Sauerstoff zu Kohlendioxid verbindet. Verbauen wir Holz, entziehen wir den Kohlenstoff oft für Jahrzehnte – eben so lange, wie das Holzhaus oder das Möbelstück genutzt wird. Ein Grund, warum der Holzbau als nachhaltige Alternative zum Bauen mit Beton aktuell so boomt. Doch neben den Bäumen haben wir weitere starke Verbündete im Klimaschutz.

Unterirdische Pilznetzwerke binden den CO2-Ausstoß der USA

Dieses Bild zeigt Pilzmyzel.Pilze sind größtenteils unsichtbar, denn die meisten von ihnen leben in Netzwerken röhrenförmiger Zellen in den obersten zehn Zentimetern des Bodens. Dieses sogenannte Pilzmyzel ist mehr als 450 Billiarden Kilometer lang – also etwa halb so breit wie unsere Galaxie.

Sehr viele Pflanzen sind von Mykorrhizapilzen abhängig: Diese „Wurzelpilze“ (mykes = Pilze, rhiza = Wurzel) versorgen sie mit Nährstoffen, bewahren vor Krankheiten und verknüpfen sie zu gemeinsamen Netzwerken. Größter Feind der Mykorrhizapilze ist der Mensch. Schätzungen zufolge werden wir bis 2050 gut 90 Prozent der Böden zerstört haben – durch eine Kombination aus Pflügen, dem Einsatz von schwerem Gerät sowie chemischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. Nicht zuletzt zu Lasten der Gesundheit unserer Bäumen, die wie die Mykorrhiza-Netze selbst eine wichtige Kohlenstoffsenke sind.

Weltweit entziehen Bodenpilze der Atmosphäre mindestens fünf Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr – was in etwa dem jährlichen Ausstoß der USA entspricht. Selbst eine kleine Verringerung des Vorkommens von Pilznetzwerken hat große Effekte: Eine Freisetzung von nur 0,1 % des heute in Europas Böden gespeicherten Kohlenstoffs entspricht der Jahresemission von 100 Millionen Autos.Organisationen wie die „Society for the Protection of Underground Networks“ (Spun), die „Fungi Foundation“ und „GlobalFungi“ setzen sich für die Ökosysteme des Bodens ein. Sie kartieren die Pilznetzwerke der Erde und verfolgen sie, um Wissen als Basis für dringend benötigte Erhaltungs- und Erholungsmaßnahmen zu sammeln. Darüber hinaus arbeiten Forscher an der Entwicklung von pilzbasierten Materialien, darunter auch an Baustoffen: Das neue Steinzeitalter.

Nasse Moore binden mehr als doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde zusammen

Das verblüffende daran: Moore bedecken nur drei Prozent der Erdoberfläche – Wälder dagegen 30 Prozent. Werden Moore trockengelegt, um sie zu bebauen, landwirtschaftlich oder fortwirtschaftlich zu nutzen, geben sie den eingelagerten Kohlenstoff wieder frei. Sie verhalten sich also genauso wie verrottende Bäume oder absterbendes Pilzmyzel.

Auf dem Bild ist ein Moor zu sehen.

Allein in Deutschland setzen entwässerte Moorböden jährlich etwa 44 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente frei. Forscherinnen und Forscher in aller Welt versuchen deshalb, Moorflächen wieder zu vernässen, indem sie den eingeleiteten Wasserentzug stoppen und zum Beispiel Schilf oder Rohrkolben anbauen.

Langfristig könnte sich die Renaturierung sogar für die Landwirtschaft lohnen: Nasse Moore speichern das Regenwasser wie Schwämme zwischen und verbessern in heißen Sommern die Erträge umliegender Flächen, indem sie kühlend wirken. Doch auch hierfür bedarf es politischer Schritte sowie einer Aufwertung des Moorschutzes insgesamt – entsprechend seiner Bedeutung für das Klima.

CO2-Speicher Moor – So funktioniert‘s

Nasse Moore erschweren es Mikroorganismen, absterbende Pflanzenreste zu zersetzen. In der Folge lagern sich die Pflanzenreste an und werden zu Torf. Dieser wiederum speichert den Kohlenstoff, den die Pflanzen der Luft einst durch Photosynthese entnommen haben –  für Jahrhunderte, wenn nicht sogar Jahrtausende.

 CO2-Staubsauger: Forscher bauen mechanische Wälder

Schon seit Längerem arbeiten Forscher an künstlichen Pflanzen. Diese sollen sogar mehr Kohlenstoff binden können als ihre natürlichen Vorbilder und Teil eines CO2-Kreislaufsystems werden. Professor Klaus Lackner hat an der Arizona State University mechanische Bäume entwickelt, die seinen Angaben zufolge tausendmal effizienter sind als Laub- oder Nadelbäume, dabei aber nicht mehr Boden verbrauchen. Und da sie keine Wurzeln schlagen müssen, könnten sie sogar in Steppen oder Wüsten aufgestellt werden.

Diese säulenförmigen Bäume bestehen aus flachen Scheiben mit 1,5 Metern Durchmesser und jeweils einem Zwischenspalt von 5 Zentimetern Höhe. Auf den Platten befindet sich ein Harz, welches CO2 bindet. Nach etwa 20 Minuten tropft das gesättigte Harz in einen Auffangbehälter herab. Dann werden Wasser und Dampf eingeleitet, um das CO2 im geschlossenen Raum freizusetzen. Die dafür benötigte Energie wird größtenteils zurückgewonnen.

Doch wohin dann mit dem CO2? Gemischt mit grünem Wasserstoff, könnte es in synthetische Kraftstoffe wie Kerosin oder Benzin umgewandelt werden. Diese wiederum könnten durch bestehende Pipelines transportiert und bis zu ihrem Verbrauch in Tanks gelagert werden. Aber das ist noch Zukunftsmusik. , der erste noch in diesem Jahr (2022). Die Kosten liegen bei 2,5 Millionen US-Dollar. Alle drei Wälder sollen 1.000 Tonnen CO2 pro Tag absorbieren.

Fazit: Unterirdische Pilznetzwerke und Moore sind größere CO2-Speicher als uns oftmals bewusst ist. Daher sollten wir sie schützen und möglichst renaturieren. Und wenn die Technik künftig Lösungen bietet, die ebenfalls zur CO2-Minderung beitragen, dann lässt dies hoffen, dass es uns gelingen wird, das Klima der Erde im geforderten Maße zu schützen. Natürlich im Zusammenspiel mit allen anderen Maßnahmen, wie zum Beispiel dem Umstieg auf erneuerbare Energien.

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