Heizung ausschalten – lohnt sich das wirklich?
Es wird Frühling, die Temperaturen gehen so langsam nach oben und Du fragst Dich sich: Lohnt es sich, die Heizung noch laufen zu lassen oder soll ich sie jetzt (schon) ausschalten?
Wenn nicht ganz, dann zumindest zeitweise die Temperatur absenken, wenn tagsüber niemand daheim ist und die Sonne durch die Fenster scheint? Besonders spannend wird es, wenn ein Urlaub ansteht und die Wohnung für mehrere Tage oder sogar Wochen leer bleibt. Wir haben mit Fachleuten gesprochen und für Dich zusammengefasst, was in diesen Situationen wirklich sinnvoll ist.
Die Kosten fürs Heizen sind hoch. Wenn Du dann auch noch klimabewusst leben möchtest, liegt es nahe, die Heizung einfach auszuschalten. Schließlich verursacht jede Kilowattstunde Heizenergie CO₂-Emissionen, die unsere Umwelt belasten. So einfach ist es allerdings nicht. Denn wie viel sich wirklich einsparen lässt, hängt von mehreren Faktoren ab: vom Gebäude, vom Heizsystem und davon, wie lange man abwesend ist. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Einstellungen und etwas Hintergrundwissen lässt sich dennoch spürbar Energie sparen, ohne auf Komfort verzichten zu müssen.
Wie hoch ist das Schimmelrisiko, wenn ich die Heizung abschalte?
Die Temperatur in Häusern oder Wohnungen sollte möglichst nicht unter 16 °C absinken, um Schimmelbildung zu verhindern. Stelle am besten den zentralen Regler Deiner Heizung auf die entsprechende Temperatur ein. Besonders komfortabel wird es, wenn sich die Heizung per App steuern lässt. Mit der myVAILLANT App können Anpassungen ganz bequem und bedarfsgerecht vom Sofa aus vorgenommen werden. Falls die zentrale Steuerung per App nicht möglich ist: Einfach jedes Heizkörperventil auf Stufe 1-2 drehen. Das Schimmelrisiko lässt sich außerdem leicht reduzieren: Vor der Temperaturabsenkung einfach gründlich lüften. Denn frische, trockene Außenluft enthält weniger Feuchtigkeit – und damit sinkt die Gefahr, dass sich Wasser an kühlen Außenwänden absetzt und Schimmel entsteht.
Lüften: Wie funktioniert das möglichst energiesparend?
Energiesparend lüften ist ganz einfach, wenn man ein paar Grundregeln beachtet. Statt Fenster dauerhaft gekippt zu lassen, sollte man mehrmals täglich stoßlüften: Öffne alle Fenster für fünf bis zehn Minuten weit, am besten mit Durchzug. So wird die Luft schnell ausgetauscht, ohne dass Wände und Möbel auskühlen. Während des Lüftens lohnt es sich, die Heizung kurz herunterzudrehen oder das Thermostat auf „0“ zu stellen, um Energieverluste zu vermeiden. Halte außerdem Türen zu unbeheizten Räumen geschlossen, damit keine Wärme entweicht. Besonders wichtig: Nach dem Duschen oder Kochen sofort lüften, um Feuchtigkeit und Schimmelbildung vorzubeugen.
Ab welcher Außentemperatur sollte man die Heizung ausschalten?
Eine feste Regel gibt es zwar nicht, aber die meisten Experten sind sich einig: Ab ungefähr 15 bis 17 Grad Außentemperatur braucht es drinnen kaum noch aktive Heizwärme. Sobald die Temperaturen tagsüber stabil darüber liegen und auch die Nächte milder werden, kannst Du die Heizung in den Sommermodus wechseln. Bei vielen modernen Heizsystemen passiert das über den Außentemperaturfühler automatisch. Überschreitet die Temperatur einen bestimmten Schwellenwert (z. B. 17 °C), schaltet die Regelung den Heizbetreib ab oder wechselt in den Sommermodus. Heizsysteme von Vaillant wie Gasbrennwertlösungen oder Wärmepumpen funktionieren ebenfalls mit witterungsgeführter Regelung über sensoCOMFORT: Pumpen und Heizkreisläufe werden dann abgeschaltet und nur die Warmwasserbereitung bleibt aktiv.
Digitale Helfer für effizientes Heizen
Moderne digitale Lösungen helfen, den Energieverbrauch im Blick zu behalten und die Heizung bedarfsgerecht zu steuern. Mit EnergiePLUS bietet Vaillant eine solche digitale Lösung, die Energieflüsse analysiert, Einsparpotenzial identifiziert und Optimierungsmaßnahmen umsetzt. Alle weiteren Informationen und Voraussetzungen gibt es hier. Falls Du über einen Heizungstausch nachdenkst, hilft die energiePROGNOSE von Vaillant, den Heizbedarf des eigenen Gebäudes besser einzuschätzen. Weitere Tipps gibt es hier.
Nachts Temperatur absenken oder Durchheizen?
Fragt man Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer, ob die Nachtabsenkung oder das komplette Abschalten der Heizung Energie spart, ist die Antwort eindeutig: „Ja, auf jeden Fall!“. Das stimmt auch, denn um eine gewisse Raumtemperatur zu halten, nehmen wir die üblichen 21 °C an, brauche ich eine bestimmte Menge (Heiz-)Energie. Wer auf diese Wohlfühltemperatur verzichtet, etwa während längerer Abwesenheit, kann den Heizaufwand in dieser Zeit deutlich reduzieren. Auch Räume mit viel Tageslicht und großen Fensterflächen profitieren stark von passiven Wärmegewinnen. Hier kann die Heizfunktion häufig schon deutlich früher ausgeschaltet werden.
Natürlich kostet es anschließend Energie, die Räume von dann vielleicht 17 oder 18 °C wieder auf Deine Komforttemperatur aufzuheizen. In keinem Fall ist dieser Energieaufwand aber höher als beim Durchheizen, denn das widerspräche dem Energieerhaltungssatz der Physik. Je größer der Temperaturunterschied zwischen innen und außen – besonders wenn es nachts deutlich kälter wird als tagsüber –, desto mehr Wärme entweicht. Wer also nachts die gleiche Raumtemperatur wie am Tag halten möchte, muss erheblich mehr Energie aufwenden. Sobald man die Heizung jedoch abschaltet oder die Temperatur absenkt, passiert Folgendes: Die Räume kühlen etwas ab. Dadurch verlieren sie weniger Wärme nach außen und genau dieser geringere Wärmeverlust spart Energie. Die Energieeinsparung wird hier also erreicht, weil das Temperaturniveau abgesenkt ist.
Bei neueren, gut gedämmten Häusern fällt dieser Einspareffekt bei Abschaltung der Heizung oder Temperaturabsenkung deutlich geringer aus. Dank der gedämmten Wände dauert die Auskühlzeit länger und es wird weniger Energie zum Wiederaufheizen benötigt. In weniger gedämmten Gebäuden kann es hingegen nachts stark auskühlen. Dort sollte man eher die tatsächliche Innentemperatur beobachten als nur die Außentemperatur. Eine zu starke Absenkung kann in diesen Fällen nicht nur den Wohnkomfort beeinträchtigen, sondern auch Schäden verursachen. Wasserleitungen sind bei Frost besonders gefährdet. Gefriert das Wasser, können Rohre platzen und erhebliche Wasserschäden entstehen. Zudem begünstigen kalte Wände Kondensation und Schimmelbildung, was die Bausubstanz langfristig schädigen kann. Deshalb sollte die Heizung nie komplett abgeschaltet, sondern mindestens im Frostschutzmodus betrieben werden.
Heizung ausschalten: Wie viel Energie spare ich tatsächlich ein?
Gerade wenn man für einige Tage oder Wochen nicht zu Hause ist, etwa im Urlaub, kann es sich richtig lohnen, die Heizung komplett auszuschalten. Wie deutlich der Effekt ausfällt, zeigt das folgende kleine Rechenbeispiel:
In einem durchschnittlichen Einfamilienhaus aus den 60er oder 70er Jahren mit 140 m² Grundfläche werden jährlich etwa 28.000 Kilowattstunden (kWh) Energie, in diesem Falle Gas, verbraucht. Pro Tag sind das im Schnitt etwa 77 kWh für Warmwasser und Heizung. In einem KfW-Effizienzhaus 70 liegt der Jahresverbrauch bei rund 8.400 kWh, täglich also rund 23 kWh. Der Heizenergiebedarf variiert saisonal: Er ist im Winter deutlich höher, im Sommer entsprechend niedriger. Jeden Tag, an dem die Heizung ausgeschaltet ist, werden also durchschnittlich etwa 77 bzw. 23 kWh Energie gespart. Das entspricht knapp 8 m³ bzw. 2,5 m³ Gas. Würde das nach einer Zeitspanne von 10 Tagen komplett „ausgekühlte“ Gebäude von der deutschlandweiten Mitteltemperatur (9,2 °C) wieder auf die gewünschte Komforttemperatur von 21 °C aufgeheizt, dauert das beim Altbau knapp einen Tag – also den Gegenwert von 8 m³ Gas. Das Sparen hat sich damit gelohnt.
Mit kleinen Handgriffen Heizkosten senken
Schon mit ein paar einfachen Handgriffen lassen sich Heizkosten spürbar senken: Heizkörper regelmäßig reinigen, damit Wärme ungehindert abgegeben werden kann. Auch das Entlüften lohnt sich, wenn sich Heizkörper oben warm, unten aber kalt anfühlen. In solchen Fällen kann das Heizwasser nicht mehr vollständig zirkulieren. Die Anlage braucht dann mehr Energie, um die gewünschte Raumtemperatur zu erreichen.
Aber Achtung: Wenn es im Winter sehr kalt ist und man längere Zeit abwesend ist, muss man als Mieter dafür sorgen, dass durch unzureichendes Heizen oder Lüften keine Schäden am Mietobjekt entstehen. Eine gesetzliche Heizpflicht gibt es zwar nicht, aber man haftet, wenn Leitungen einfrieren oder Schimmel entsteht, weil die Wohnung völlig ausgekühlt ist oder schlecht gelüftet wurde. Deshalb die Heizung bei Frost nie vollständig abstellen; eine Grundtemperatur muss gewährleistet bleiben. Der Vermieter ist wiederum verpflichtet, eine funktionierende Heizung zur Verfügung zu stellen, die im
Winter ausreichende Temperaturen ermöglicht. Viele Mietverträge enthalten zudem Klauseln zur Heizperiode oder zum Lüftungsverhalten. Diese dürfen keine starre Heizpflicht vorschreiben, können aber regeln, dass der Mieter Schäden durch Frost oder Feuchtigkeit zu vermeiden hat.
Heizung aus oder an? Diese Punkte helfen bei der Entscheidung
Die Frage, ob sich durch Abschalten der Heizung Energie sparen lässt, dürfte damit klar beantwortet sein. Nur über das „wie viel“ – da kann man noch diskutieren bzw. das muss man wirklich den Einzelfall sehen. Auf diese Faktoren kommt es bei der Entscheidung an, ob sich das Abschalten oder Absenken der Heizung wirklich lohnt:
- Heizsystem: Moderne Wärmepumpen arbeiten besonders effizient mit niedrigen und konstanten Vorlauftemperaturen. Ein häufiges Aus- und Wiedereinschalten ist daher meist weniger ratsam. Gleiches gilt für Fußbodenheizungen. Diese Wärmeverteilsysteme wirken über die Speichermasse des Estrichs oder gar der Betondecke. Temperaturveränderungen werden also nur zeitverzögert an den Raum weitergegeben. Die Heizungen reagieren „träge“, sagt der Handwerker deswegen auch. So „träge“, dass sich nur stundenweise Veränderungen gar nicht mehr auszahlen. Experten empfehlen daher meist, die Fußbodenheizung in einem sparsamen Dauerbetrieb laufen zu lassen. Moderne Brennwertgeräte oder Wärmepumpen verfügen dagegen über einen automatischen Sommermodus, der selbst erkennt, wann keine Raumheizung mehr nötig ist.
- Warmwasserbereitung: Bei älteren Kombi-Anlagen, die Wärme und Warmwasser gleichzeitig erzeugen, ist ein Abschalten des Gerätes manchmal nicht möglich. Andere Geräte können wiederum automatisch vom Winter- in den Sommerbetrieb wechseln. Dann wird nur noch Warmwasser erzeugt; entsprechende Energieeinsparungen automatisch inklusive.
Welchen Einfluss die Gebäudedämmung, die Heizungsart und andere Aspekte auf den Erfolg der Nachtabsenkung haben und ob sich das für Dich lohnt, kannst Du außerdem hier nachlesen.
Wie handhabst Du das bei Dir zu Hause – Heizung aus, absenken oder durchlaufen lassen und was sind Deine Beweggründe? Lass es und in den Kommentaren wissen!




4 Kommentare
Ich würde gerne wissen, ob eine Einsparung auch bei dem Abschalten der Heizung in einzelnen Räumen zutrifft, z B ein selten benutztes Esszimmer.
Sehr guter Artikel. Endlich mal die Behauptung, dass das Wiederaufheizen mehr Energie als das Durchheizen verbräuche, widerlegt. Das hat für mich als Naturwissenschaftler auch noch nie Sinn gemacht … zahlreiche Artikel und Heizungstechniker versuchten mir aber diese Theorie weiszumachen.
Wenn ich Regler für Heizung ganz abschalte also auf Sommerbetrieb wird kein Heizkörper mehr warm. Ändert sich die Temperatur am Heizkörper wenn ich den Regler nur halb aufdrehe? Bleibt Heizkörper trotzdem kalt oder wird er etwas warm?
Einige Heizkörper bleiben heiß, auch wenn sie auf Stufe 1 stehen, gerade in beiden Schlafzimmern. Ist es gefährlich, wenn ich die Heizungsanlage im Keller abends auf Sommerbetrieb schalte, und morgens wieder auf Winterbetrieb?