Drohne beim Aufforsten
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Aufforstung aus der Luft – wie ein Unternehmen mit Drohnen gegen das Waldsterben vorgeht

 

„Man kann nie so gut pflanzen, wie man sät. Und zu Fuß dauert das auf schwer zugänglichen Flächen ewig.“ (Henning Stolz, Wald und Holz NRW) Aufforstung ist eine harte und mühsame Arbeit. Doch sie ist notwendig, denn dem deutschen Wald geht es nicht gut. Gründe dafür sind Waldbrände, Dürre, Stürme und Insektenbefall. Die Drohnen des Unternehmens Skyseed aus Deutschland sollen jetzt Abhilfe schaffen und bei der Aufforstung helfen.

WaldschädenNoch nie gab es so viele abgestorbene Bäume im deutschen Wald wie vor zwei Jahren. Umwelteinflüsse und auch der Befall des Borkenkäfers setzen den Bäumen immer mehr zu. Der Waldbericht 2021 informiert über den Zustand des Waldes in den letzten vier Jahren: Dort heißt es, dass vier von fünf Bäumen lichte Kronen haben und nahezu alle Hauptbaumarten Vitalitätseinbußen und Schadsymptome aufweisen.

Heiße Sommer und extreme Dürre führten 2018 und 2019 zu Waldbränden auf einer Fläche von mehr 5.060 Hektar. Das sind über 7.000 Fußballfelder. Ein Vielfaches davon, ungefähr 227.000 Hektar beträgt die Fläche, die es zurzeit wieder aufzuforsten gilt. Dafür braucht es neben Schaufeln und Setzlingen vor allem Ausdauer und Zeit. Denn die zu Fuß abzuarbeitenden Flächen sind zusammen etwas größer als das Saarland. Und das Waldsterben nimmt kein Ende – während an einem Ort wieder junge Bäume sprießen, erliegen sie anderer Orts Stürmen oder Waldbränden.

Technischer Fortschritt macht vor dem Wald halt

WaldsterbenObwohl die Technik schon viele Lebensbereiche beherrscht, ist sie in Sachen Aufforstung bislang noch nicht ausgeschöpft. Unzugängliches Dickicht, holpriges Gelände und nicht vorhandene Zufahrtstraßen erschweren den Fortschritt und Einsatz technischer Hilfsmittel. Zudem beschädigen schwere Nutzfahrzeuge oder Maschinen den Waldboden. Durch deren enormes Gewicht wird der einst lockere Waldboden stark zusammengedrückt und bietet keinen guten Nährboden für Setzlinge und junge Bäume.

Aufforstung leistet einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Klimaschutz. Doch wie sollen hunderttausende Hektar von Hand aufgeforstet werden, ohne die Umwelt in Mitleidenschaft zu ziehen? Hilfe naht – und zwar von oben. Erste Unternehmen haben weltweit damit begonnen, Wälder mit dem Einsatz von Drohnen aufzuforsten. Darunter auch das in Deutschland tätige Unternehmen Skyseed. Die fliegenden Helfer sollen als schnelle und effiziente Hilfe für den Naturschutz und gegen die Auswirkungen des Klimawandels eingesetzt werden.

Aufforstung aus der Luft

Skyseed wurde 2021 gegründet und besteht aus einem Team von Forstexpert:innen, Ingenieur:innen, Programmierer:innen und Drohnenentwickler:innen. Sie haben gemeinsam ein Produkt entwickelt, das uns und Waldbesitzer:innen dabei helfen soll, gesunde und klimastabile Wälder zu etablieren – mit der Aufforstung per Drohne. Diese unterstützt eine nachhaltige CO2-Speicherung und mehr Biodiversität in unseren Wäldern.

Bevor der fliegende Helfer seiner eigentlichen Aufgabe nachgeht, untersucht die Drohne das Gebiet, um genaue Geo- und GPS-Daten zu erfassen, die bei der Programmierung des Auftragsgebiets helfen. Die Analysephase ist besonders wichtig, denn jeder Wald ist anders und nichts wächst überall gleich gut.

Lärche, Tanne, Douglasie oder Ahorn: Die Samen werden pelletiert um sie vor Wetter, Wind und Wild zu schützen. Das bedeutet, sie werden mit biologischen Hilfsstoffen ummantelt, die die Nährstoffverfügbarkeit und die Fähigkeit, Wasser zu speichern, erhöhen und damit die Überlebensfähigkeit der Samen verbessern sollen. Laut Skyseed hat das Saatgut im Labor eine 30-40 % höhere Überlebenschance gezeigt. Die Aussaat erfolgt mithilfe eines Drohnen-Pilots, der die Drohne am Boden steuert. „Während die Aufforstung eines Hektars Wald vom Boden aus Tage dauern kann, schafft unsere Drohne einen Hektar in unter 30 Minuten. Damit sind pro Tag problemlos zehn bis 15 Hektar möglich“, sagt Simon Wind, Mitgründer von Skyseed.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Aufforstung“Wir haben weder beim Umbau noch bei der Sicherung von Schadflächen Zeit zu verlieren. Die Aufforstung per Drohne kann sicher nicht alle Probleme lösen, aber sie eröffnet neue Möglichkeiten, insbesondere bei großen Flächen, Steilhängen oder zur Untersaat im lichten Bestand“, so Simon Wind weiter. Wiederaufforstungen und der Umbau hin zu naturnahen Mischwäldern sind zwar enorm wichtig, aber in der Masse oft schwer realisierbar.

Allein in den vergangenen zehn Jahren sind rund 4,7 Millionen Hektar Waldfläche weltweit verschwunden. Die Drohnen bieten eine neue und effektive Chance, um den natürlichen Prozess der Bewaldung von oben zu imitieren, denn auch Bäume werfen ihr Saatgut oft von den Kronen aus ab. In Kanada und Australien gibt es bereits ähnliche Projekte, um den Zustand der Wälder zu verbessern – mit Erfolg.

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