Eine junge Frau hält ihr Baby liebevoll im Arm. Besonders Säuglingen machen hohe Raumtemperaturen durch Sommerhitze zu schaffen.
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Klimaanlagen und Gesundheit: Kühl, kalt, Erkältung?

 

Das Gerücht hält sich hartnäckig: Angeblich, so heißt es, machen Klimaanlagen krank. Was ist dran an dieser Sorge? Ich habe nachgeforscht und mich darüber mit Technikern und Gesundheitsexperten unterhalten. Die gute Nachricht: Das Gerücht ist genauso falsch wie hartnäckig. Im Gegenteil: Moderne Klimaanlagen unterstützen durch ihre genaue Temperaturregelung sogar die Gesundheit, wenn draußen große Hitze herrscht. Außerdem filtern sie aus der Raumluft Krankheitserreger.

Klimaanlagen machen krank? Ein Irrglaube.

Dass Klimaanlagen krank machen, lässt sich nicht bestätigen. Das Gesundheitsrisiko liegt woanders: Wer nicht so fit ist, dem machen extreme Unterschiede zwischen hohen Außentemperaturen und kalten Räumen zu schaffen. Schwitzen ist die natürliche Klimaanlage des Menschen. Wer aus der Hitze in einen klimatisierten Raum kommt, schwitzt erst einmal weiter und kühlt damit seinen Körper. Bis die Umstellung auf die niedrigeren Raumtemperaturen erfolgt, findet also kurzzeitig eine Unterkühlung des Körpers statt. Das kann dann eventuell das Immunsystem beeinträchtigen. Deshalb empfehlen Gesundheitsexperten, Räume maximal um 10 °C unter die Außentemperatur zu kühlen.
Häufig wird auch das Austrockenen der Schleimhäute in Nase und Rachen als Krankheitsursache von Klimaanlagen genannt. In Flugzeugen trifft das unter Umständen zu, weil extrem trockene Luft ohne eine zusätzliche Befeuchtung zugeführt wird. Klimaanlagen in Flugzeugen erwärmen allerdings die frische Luft – und kühlen sie nicht. Klimaanlagen in Häusern hingegen wirken sich eher positiv auf die relative Luftfeuchtigkeit im Raum aus: Sie entziehen warmer, schwüler Sommerluft die übermäßige Feuchtigkeit. Denn angenehm und vor allem gesund ist das Raumklima, wenn die Raumluft weder zu feucht noch zu trocken ist. Eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 30 und 60 Prozent ist ideal. Ein Tipp: Mit einem Hygrometer im Raum behaltet ihr die Luftfeuchtigkeit im Blick. Dabei werdet ihr feststellen: Im Sommer wird ohne Klimaanlage eher die zu hohe Luftfeuchtigkeit zum Problem.

Die grafische Darstellung zeigt: Bei über 60 Prozent relative Luftfeuchtigkeit steigt die Belastung durch Krankheitserreger in der Raumluft rasant an. Klimaanlagen wirken dem entgegen, denn sie entfeuchten die Raumluft.

Hohe Lufttemperaturen können mehr Wasserdampf binden. Bei hoher Luftfeuchtigkeit gedeihen in Räumen Krankheitserreger. Klimaanlagen senken und entfeuchten die Raumluft und filtern Schadstoffe wie Pilze, Viren und Bakterien heraus.

Klimaanlagen schützen die Gesundheit: vor Pollen und Bakterien

Fest installierte Split-Klimaanlagen reinigen die Raumluft von Pollen, Bakterien, Hausstaub und Schimmelsporen. Speziell Allergikern bringt das eine große Entlastung. Moderne Split-Klimaanlagen verwenden dazu keine Filter, sondern die Technik der Ionisierung. Dabei werden gesundheitsschädliche Schwebestoffe durch elektrische Ladung aus der Luft entfernt.
Was ist aber mit der Befürchtung, dass Klimaanlagen möglicherweise Legionellen verbreiten, die Krankheiten wie Lungenentzündungen hervorrufen? Hier müsst Ihr Euch keine Sorgen machen: dem liegt ganz klar eine Verwechslung mit Klimamaschinen für sehr große Gebäude und Industrieanlagen zugrunde. Die Außeneinheiten solcher Anlagen, sogenannte Rückkühler, können bei unsachgemäßer Wartung tatsächlich Legionellen an die Außenlauft abgeben – aber nicht in einen Raum. Inzwischen hat der Gesetzgeber für solche Großanlagen außerdem besondere Vorsorgemaßnahmen vorgeschrieben.

Klimaanlagen schützen die Gesundheit: vor Überhitzung

Über einem Doppelbett ist an die Wand das schlanke Innengerät einer Split-Klimaanlage angebracht.

Hitzewellen bringen immer mehr Tropennächte mit sich. Das bedeutet, die Außentemperatur sinkt nicht unter 25 °C. Leise Split-Klimaanlagen sorgen für eine gesunde Nachtruhe.

Hohe Temperaturen sind für den Organismus sehr belastend. Konzentrationsstörungen am Tag und Schlafstörungen in der Nacht sind typische Symptome, wenn der Körper überhitzt. Ein Indiz für die negativen Auswirkungen hoher Temperaturen auf den Menschen liefert die Unfallforschung des ADAC: Unfälle, bei denen fehlende Konzentration eine Rolle spielt, steigen an Tagen mit Temperaturen über 25 °C deutlich an.

Jeder Mensch hat zwar seine eigene Wohlfühltemperatur. Doch die meisten empfinden tagsüber in Wohnräumen eine Temperatur um 20 °C als angenehm und nachts in den Schlafräumen um 17 °C. Diese Richtwerte empfiehlt auch das Umweltbundesamt. Allerdings warnt die Behörde: Für Säuglinge sollte die Raumtemperatur nie über 26 °C steigen.

Raum Optimale Temperatur Optimale Luftfeuchtigkeit
Wohnräume und Arbeitsräume 20 °C 40 bis 60 %
Schlafzimmer 16 bis 18 °C 40 bis 60 %
Kinderzimmer 20 bis 22 °C 40 bis 60 %
Küche 18 °C 50 bis 60 %
Badezimmer 23 °C 50 bis 70 %
Keller 10 bis 15 °C 50 bis 65 %

Ideale Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit, beispielsweise im Schlafzimmer und im Kinderzimmer, sind mehr als ein Wohlfühlfaktor. Speziell im Hochsommer sind sie ein Gesundheitsfaktor. Klimaanlagen sind somit kein neues Luxusgut.

Gefährlich wird eine Überhitzung des Körpers auch für Menschen mit Vorerkrankungen des Herzens sowie für ältere Personen. Die Hitzewelle im Sommer 2018 hat schätzungsweise in Berlin 490 und im Bundesland Hessen 740 Todesopfer gefordert, gibt das Robert Koch Institut an. Die Altersgruppe über 84 Jahre war besonders betroffen.

Fazit

Kommt eine Erkältung wie angeflogen, und das noch im Sommer, verdächtigen viele klimatisierte Räume als Krankheitsursache. Das trifft so aber nicht zu. Nur zu hohe Temperaturunterschiede zwischen Außen- und Innentemperatur können unter Umständen das Immunsystem schwächen. Deshalb sollte die Differenz höchstens 10 °C betragen. Ein viel größeres Gesundheitsrisiko besteht jedoch durch eine Überhitzung des Körpers. Neben Konzentrationsschwäche und Unbehagen sind hohe Raumtemperaturen für Säuglinge und ältere Menschen sogar lebensbedrohlich. Das lässt sich durch eine Klimaanlage verhindern. Wer über die Anschaffung einer Klimaanlage nachdenkt, braucht also kein schlechtes „Klimagewissen“ zu haben. Auch deshalb, weil es energieeffiziente Systeme gibt. Wer von euch hat kürzlich eine Klimaanlage eingebaut? Schreibt doch hier für unsere Leser eure Erfahrungswerte.

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