Upcycling: Die Zukunft liegt im Kaffeesatz
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Upcycling: Die Zukunft liegt im Kaffeesatz

 

Ein duftendes Tässchen Kaffee ist ein Stück Luxus im Alltag. Kaffee schmeckt gut, weckt die Lebensgeister und ist der Inbegriff der kleinen Pause. Unsere Umwelt denkt jedoch ganz anders darüber, denn Kaffee hat keine gute Ökobilanz. Glücklicherweise kann man rund um den Kaffeesatz sehr sinnvoll upcyceln.

Kaffee trinkt die ganze Welt. Jedes Jahr kommen so schätzungsweise 400 Milliarden Tassen Kaffee zusammen. Das ist mehr als eine Milliarde pro Tag. Ein Produkt, das so weit verbreitet ist, hat natürlich einen starken Einfluss auf die Umwelt – wenn es nicht ökologisch hergestellt wird. Und das ist bei ganz normalem Kaffee nicht mehr Fall.

Der Muntermacher mutiert zur Monokultur

Früher standen wenige Kaffeepflanzen im Schatten hoher Bäume. Denn die Kaffeepflanze ist eine kleine Diva: Sie mag milde Temperaturen und konstanten Niederschlag. Ein schützender großer Bruder ist da sehr willkommen, doch den gibt es heute meist nicht mehr. Der wachsende Durst nach Kaffee führt dazu, dass der Muntermacher heute überwiegend in Monokulturen hergestellt wird. Diese Art der Bodennutzung sorgt für mehr Sonneneinstrahlung und damit einen höheren Ertrag. Außerdem vereinfacht es die Ernte, wenn keine anderen Pflanzen „im Weg stehen“. Aber wie bei jeder Monokultur sind Erosion und ein Auslaugen der Böden die Folge.

In Brasilien, dem größten Kaffeeexporteur der Welt, werden für die Plantagen weite Flächen gerodet. In diesen Gebieten verlieren Wandervögel Landeplätze für einen Zwischenstopp, denn die hohen Baumwipfel sind nicht mehr da. Im schlimmsten Fall sterben sie an Überanstrengung.

Kaffee verschlingt literweise Wasser

Das größte Umweltproblem ist der enorme Wasserverbrauch. Man glaubt es kaum, aber jede Tasse Kaffee benötigt von der Bepflanzung bis hin zur Reinigung der Kaffeemaschine 132 Liter Wasser. Der Kaffeeverband verweist darauf, dass sich diese Zahl auf „virtuelles Wasser“ bezieht. Gemeint ist, dass sich der Verbrauch aus Regenwasser, Grundwasser und Oberflächenwasser ergibt. Laut Verband wird der Bedarf zu über 90 Prozent aus Regenwasser gedeckt werden.

Virtuelles Wasser

Ähnlich wie beim CO2-Fußabdruck, den beispielsweise jeder Reisende hinterlässt, formt sich mit jedem verbrauchten Produkt ein Wasser-Fußabdruck. Schließlich wird überall – zur Bewässerung, zur Kühlung oder Reinigung von Maschinen – Wasser eingesetzt. Da Wasser als überlebenswichtige Ressource in vielen Regionen der Welt knapp wird, ist eine wasserschonende Erzeugung enorm wichtig. Virtuelles Wasser gibt an, wie viel Wasser für die Herstellung eines bestimmten Produktes oder einer Dienstleistung benötigt wird, und macht den Verbrauch vergleichbar.

Auch beim Kaffeetrinker vor Ort macht unser geliebtes Tässchen leider keine gute Figur. Allein die vielen To Go-Becher sind ein Umweltkiller: Jede Stunde verbrauchen wir in Deutschland 320.000 Einwegbecher für die schnelle Koffeindosis unterwegs. Und dass eine durchschnittliche Kaffeekapsel mehr Plastik enthält als Kaffeepulver, befeuert das enorme Müllproblem auf der Welt. Hinzu kommen jährlich 20 Millionen Tonnen Kaffeesatz alleine in Deutschland.

Der Kaffeekreislauf schließt sich

Umso schöner ist es, wenn Kaffeereste zu etwas Sinnvollem recycelt werden. Zugegeben: Kaffeesatz ist bei Weitem nicht das größte Umweltproblem, schließlich ist das verbrauchte Pulver biologisch abbaubar und kann einfach auf den Kompost. Dort wirkt Kaffee sogar als Beschleuniger für die Rotte, denn er ist eine exzellente Stickstoffquelle. Gärtner nutzen Kaffeesatz außerdem als Dünger für Rosen, Tomaten, Gurken oder Beeren, und im Kampf gegen Schecken und Ameisen.

Formschöner sind die Lösungen des Designers Raúl Lauri. Er stellt in einem geheimen Prozess aus Kaffeesatz und einem Bioklebstoff Alltagsgegenstände her: vom Wandspiegel über Kerzenständer bis hin zu Kaffeetassen. Die Accessoires sehen nicht nur gut aus, sondern duften immer noch herrlich nach frischem Kaffee. Der Berliner Unternehmer Julian Lechner hatte die gleiche Idee und bastelte schon 2009 an den ersten Prototypen seiner Espressotasse aus Kaffeesatz. Heute verkauft sein Label Kaffeeform spülmaschinenfeste Tassen aus einem Verbundmaterial mit Kaffeesatz und anderen nachwachsenden Rohstoffen – darunter übrigens auch wiederverwendbare To Go-Becher.

Kaffee heizt ein

© bio-bean limited

© bio-bean limited

Eine tolle Idee, die gerade uns besonders gut gefällt, ist das Konzept des Gründers Arthur Kay. Der 29-jährige Brite verwandelt Kaffeesatz in nachhaltige Heiz-Pellets. Dafür trocknet er die Kaffeereste, entzieht ihnen die Öle und presst daraus effiziente Heiz-Pellets. In London liefern große Kaffeeketten, ebenso wie viele kleine Cafés ihre Kaffeereste an sein Unternehmen Bio Beans. Und da das Geschäft mit dem Kaffeerest so gut läuft, tüftelt Arthur Kay an einer neuen Idee: Bio-Diesel aus Kaffeesatz. Die ersten Test-Busse sind damit bereits unfallfrei durch London gefahren.

Fazit:

Kaffee ist leider kein sehr umweltschonendes Produkt. Es verbraucht viele Ressourcen, insbesondere Wasser, und hinterlässt einiges an Müll. Wenigstens lässt sich der Kaffeesatz gut recyceln: Ob als Dünger im Garten oder als duftende Kaffeetasse.

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