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Wohin mit alter Kleidung?

 

Kleidung wird zu einem immer größeren Umweltproblem, denn die Lebenszeit von Pullis, Hosen & Co. nimmt spürbar ab. Das Ergebnis: viel zu viele Altkleider. Und leider ist der Sammelcontainer meist nicht die beste Lösung, um den Kleiderschrank von ausgedienten Stücken zu befreien.

Laut Schätzungen kommen die Deutschen pro Kopf auf etwa zwölf Kilogramm Altkleider pro Jahr. Etwa genauso viele neue Kleidung findet jährlich den Weg in unsere Schränke. Leider hängen sie dort häufiger rum, als dass wir sie wirklich tragen.

Im Jahr 2000 haben wir ein Kleidungsstück noch rund 200 Mal getragen, bevor es aussortiert wurde. Im Jahr 2015 lag dieser Wert nur noch bei 163. Jedes fünfte Kleidungsstück wird überhaupt nicht mehr getragen. Zusammen mit Kleidung, die selten getragen wird, kommt man auf 2 Milliarden Kleidungsstücke, die überwiegend ungenutzt im Schrank liegen – und ebenfalls irgendwann einfach im Altkleider-Container landen.

Was passiert mit Spenden aus dem Altkleider-Container?

Kleidung aus den Altkleider-Containern gelangt zu einem Großteil, über 60 Prozent, ins Ausland: Mittel- und Osteuropa, Afrika und der Mittlere Osten teilen sich den Löwenanteil der deutschen Altkleider. Ein weiteres Drittel wird dem Downcycling zugeführt. Das bedeutet, dass daraus Dämmstoffe, Putzlappen oder andere Industriematerialien produziert werden. Etwa fünf bis sieben Prozent sind nicht mehr nutzbar und werden verbrannt. Auch die Sammelstellen großer Modeketten wie beispielsweise H&M funktionieren ähnlich. Dafür gibt H&M die Kleidung an einen Textilverwerter weiter.

Problematisch ist, dass die Kleiderspenden im Ausland keineswegs kostenlos Bedürftige erreichen, sondern verkauft werden. In vielen Regionen der Welt ist die Nachfrage nach Secondhand-Bekleidung groß, schließlich ist sie eine preiswerte Möglichkeit, sich mit moderner Kleidung zu versorgen.

Mode wird zum Müllproblem

In afrikanischen Ländern beispielsweise zerstört dieses System die lokale Textilindustrie und Arbeitsplätze gehen verloren. Der schnelle Austausch von Kleidung führt außerdem dazu, dass insgesamt ein Überangebot entsteht – selbst für das Downcycling. So muss zukünftig immer mehr Kleidung verbrannt werden, weil es dafür keinen weiteren Bedarf gibt . Und die weltweite Produktion steigt immer weiter an.

Wer sich einen nachhaltigen Umgang mit Textilien wünscht, sollte Kleidung möglichst lange tragen und fair produzierte Waren aus Naturmaterialien der billigen „Fast Fashion“ vorziehen. Hat man sich doch an einem Lieblingsstück satt gesehen, ist der ökologischste Weg, das Kleidungsstück auf dem Flohmarkt oder in einem Second-Hand-Laden zu verkaufen.

Altkleider: Direkte Spenden bewirken mehr

Eine Spende an eine karitative Organisation ist ebenfalls sehr sinnvoll. Caritas, DRK, die Arbeiterwohlfahrt oder die britische Organisation Oxfam betreiben in vielen Städten Kleiderkammern. Hier sortieren die Mitarbeiter gut erhaltende Second-Hand-Bekleidung  vor, sodass bedürftige Menschen sie kostengünstig erwerben können. Gut erhaltene Kleidungsstücke kann man hier direkt abgeben. Auch kleine lokale Einrichtungen betreiben Sozialkaufhäuser. Die Website www.wohindamit.org bietet eine bundesweite Suche dafür an.

Container ist nicht gleich Container

Einige Organisationen stellen zusätzlich Altkleider-Container auf. Die Spenden gehen zum Teil in die eigenen Kleiderkammern, die Überschüsse werden aber auch in den weltweiten Verkauf gegeben. Immerhin gehen die Erlöse in diesem Fall nicht an Privatunternehmen, sondern an karitative  Einrichtungen, die damit soziale Projekte finanzieren. Es lohnt sich daher, einen Blick darauf zu werfen, wer den Container aufgestellt hat.

Tipp: Eine gute Orientierungshilfe für alle, die gezielt gemeinnützige Altkleidersammlungen unterstützen möchten, ist das Zeichen des Altkleiderverbandes FairWertung .

Ein neues Heim für alte Lieblingsstücke

Bei schönen Stücken lohnt es sich durchaus, die Kleidung im eigenen Umfeld weiterzugeben. Tauschpartys oder ein kleiner Privatflohmarkt sind schnell organisiert. Noch  einfacher sind digitale Angebote. Die App Kleiderkreisel beispielweise  ist nur für den Verkauf von Second-Hand-Ware gemacht. Unter dem Titel „Free your stuff“ gibt es auf Facebook viele lokale Gruppen, darunter auch eine in Remscheid, in denen Überschüssiges verschenkt wird. Auf diesen Wegen erhält ein gut erhaltenes Kleidungsstück einen neuen Besitzer – und wird länger getragen.

Kaputte oder verschmutzte Kleidungsstücke gehören übrigens in den Hausmüll und nicht in den Altkleider-Container. Aus zerschlissenen Stücken lässt sich aber vielleicht selber noch etwas Nützliches herstellen: Aus T-Shirts werden Putzlappen oder Kosmetikpads, aus Socken mit etwas Watte lustige Plüschtiere, aus Jeans eine Tasche, Platzsets oder Kissenbezüge.

Fazit:

Egal, über welchen Weg ihr eure Altkleider abgeben möchtet, nachhaltiger wäre es, wenn wir alle unseren Kleiderkonsum reduzierten und auf wenige, hochwertige Kleidungsstücke setzten. Flohmärkte und Second-Hand-Läden sind eine gute Möglichkeit, den Trend von Fast Fashion zu durchbrechen. Direkte Kleiderspenden an ausgewählte, karitative Einrichtungen sind ebenfalls sinnvoll. Was macht ihr mit euren Altkleidern?

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Ein Kommentar

Michael Uniqueline

Aber das ist doch genau wieder ein solches hausgemachtes Problem. Der ständige Wechsel von Mode ist der Motor dieser Textilindustrie. Wird weniger gekauft gäbe es weniger Kleidung zu produzieren. Erschreckend wie hoch die Zahl ungenutzter Kleidungsstücke mittlerweile geworden ist.
Windpower Austria

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