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Minimalismus – Wie geht das? (Artikel 2 von 2)

 

Ist das Müll oder kann das weg? Dachboden, Keller und Abstellkammer verwandeln sich schnell zum privaten Museum der vergangenen Lebensjahre. Wegwerfen? Lieber nicht – man könnte es ja nochmal brauchen. Wir zeigen, wie Ihr es schafft, überflüssigen Besitz auf dem Weg zum Minimalismus auszusortieren, um mehr Raum in Eurem Leben zu schaffen.

Minimalisten erfreuen sich am bewussten Verzicht, um Platz für das Wesentliche in ihrem Leben zu schaffen. Sie befreien sich von ihrem individuellen Ballast, um ein selbstbestimmteres und auch erfüllteres Leben zu führen. Dabei spielt es keine Rolle, ob auf materielle oder immaterielle Dinge verzichtet wird. Mehr grundlegende Informationen zum Minimalismus als Lebenseinstellung erfahrt ihr in unserem 1. Blogbeitrag zu dem Thema.

Konsumieren, was glücklich macht

Genauso wie die Gründe für den Verzicht ist auch das Ausmaß bei jedem Menschen individuell. Der Grundgedanke des Minimalismus ist es, nur noch zu konsumieren, was glücklich macht und einen Wert ins Leben bringt. Für viele Minimalisten sind beispielsweise Smartphone oder Laptop essenziell, da verschiedene Apps und Programme mehrere Funktionen vereinen und auf diese Weise die einzelnen Gegenstände überflüssig machen. So wird beispielsweise mit den Apps für Kalender, Wecker und Notizbuch auf dem Smartphone der Alltag organisiert, während über andere Programme Musik gehört und so das Radio ersetzt wird. Andere Minimalisten wiederum verzichten größtenteils auf digitale Geräte und beschränken sich auf das analoge Leben. Jeder entscheidet selbst, was er oder sie für ein erfülltes Leben loswerden will und was bleiben darf.

Aussortieren fängt in den eigenen vier Wänden an

Wie geht man es also an, sich von den „richtigen“ Dingen zu trennen und nur noch das zu behalten, was glücklich macht? Jeder definiert „Ballast“ anders – bei immateriellen Dingen ist es daher schwer, Empfehlungen auszusprechen, wie das Ganze angegangen werden soll. Für das Aussortieren von materiellen Dingen gibt es schon konkretere Tipps: Am einfachsten ist es, dort zu beginnen, wo man sich täglich aufhält – der eigenen Wohnung. Aber bitte nicht gleich zu viel vornehmen. Es fällt deutlich leichter, nicht alles auf einmal, sondern in Etappen auszumisten. Beispielsweise kann man seine Besitztümer in Kategorien sortieren und erst die eine abschließen, bevor man mit der nächsten beginnt. Dabei kann man sich von Raum zu Raum durcharbeiten. Dazu fällt es häufig leichter, erst mit den weniger wichtigen Sachen zu beginnen und Erinnerungsstücke am Schluss anzugehen. Es gibt zahlreiche Ansätze und Methoden, die weltweit genutzt werden, um Aussortieren leichter zu machen und minimalistischer zu leben. Wir haben nachfolgend eine Auswahl zusammengestellt. Bei allen Methoden ist allerdings der Nachhaltigkeitsaspekt zu beachten: Wegwerfen sollte nur die letzte Option sein. Die meisten Gegenstände können weitergegeben, gespendet oder verkauft werden. Das verlängert ihr Leben und erfreut die Umwelt.

Minimalismus im Kleiderschrank – das Projekt „333“

Wer kennt es nicht: Morgens nach dem Aufstehen oder Abends vor dem Weggehen steht man vor dem Kleiderschrank und grübelt, was man denn heute anziehen soll. Oft hat man die Qual der Wahl, entscheidet sich dann aber doch für das Lieblingsteil. Das Projekt „333“ kann hier Abhilfe schaffen und ist gleichzeitig eine gute Übung für Minimalismus im Alltag: Für drei Monate beschränkt man seine Garderobe auf 33 Teile. Ausgenommen sind Unterwäsche und Sportkleidung. So hat man nur noch Dinge im Schrank hängen, die man auch wirklich anzieht. Das spart zum einen Platz und zum anderen Zeit bei der Klamottenauswahl, die man für angenehmere Dinge verwenden kann.

„Macht mich das Glücklich?“

House cleaning concept. Vertical tidying up storage. Marie Kondo tidying method. Neatly folded clothes in the organizer boxes for wardrobe. Wooden background copy space above

Eine der bekanntesten Ansätze ist die KonMari-Methode der japanischen Bestsellerautorin und Ordnungsberaterin Marie Kondo. Das Besondere: Man entscheidet anhand des Gefühls, das bei jedem Gegenstand empfunden wird, ob dieser bleiben darf oder aussortiert wird. Ziel ist es, nur noch Gegenstände zu behalten, die beim Besitzer ein positives Gefühl auslösen und ihn glücklich machen. Dabei werden die Besitztümer in einer bestimmten Reihenfolge aussortiert: Zuerst beginnt man mit dem Kleiderschrank, danach mit Gegenständen wie Büchern, Unterlagen und Papieren. Anschließend folgen Kleinigkeiten wie beispielsweise Dekoartikel, Elektrogeräte oder Hygienezubehör. Zu guter Letzt widmet man sich seinen Erinnerungsstücken. Durch die vorherigen Kategorien soll das Aussortieren dieser dann leichter fallen.

„Eat the Frog first“ – zuerst das Schwerste hinter sich bringen

Die Methode „Eat the Frog first“ dreht das Ganze um und beginnt mit dem vermeintlich Schwersten zuerst. Es soll zeigen, dass man sich einfacher von liebgewonnenen Dingen trennen kann, als man glaubt. Dafür wählt man eines seiner liebsten Besitzeigentümer, das besonders am Herzen liegt – beispielsweise ein Dekoartikel oder ein Souvenir. Es wird aber nicht weggeworfen, sondern an Freunde verschenkt oder verkauft. Nachdem man diesen Schritt hinter sich hat, soll das Aussortieren weniger wichtiger Dinge leichter fallen.

Steter Tropfen höhlt den Stein – die Korbmethode

Wer sich langsam(er) an das Thema Minimalismus herantasten und nicht direkt am Anfang die eigenen vier Wände auf den Kopf stellen möchte, für den ist die sogenannte Korbmethode der richtige Ansatz. Hierbei wird ein Wäschekorb oder ein ähnlicher Behälter mit Gegenständen gefüllt, die aussortiert werden. Jeden Tag wird ein Korb gefüllt und sich nach und nach von immer mehr Besitztümern getrennt. Der Vorteil ist, dass nicht alles auf einmal, sondern langsam und stetig ausgemistet wird – getreu dem Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein. So fällt das Loswerden von Dingen womöglich leichter.

Was braucht man wirklich?

Etwas radikaler funktioniert die Kartonmethode. Hierbei räumt man sein gesamtes Hab und Gut in Umzugskartons und lebt eine bestimmte Zeit lang nur aus diesen Kartons. Wie bei einem Umzug kann dies vor allem zu Anfang eine nervige Umstellung sein, besonders wenn man Dinge nicht auf Anhieb findet. Doch so bekommt man ein Gefühl dafür, was man alles besitzt und was man auch wirklich braucht: Alles, was in dieser Zeit nicht verwendet wird, wird aussortiert.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die Ein-Jahres-Regel: Alle Gegenstände, die ein Jahr lang nicht benutzt wurden, werden aussortiert. Um dies besser überprüfen zu können, können beispielsweise Kleiderbügel zu Beginn falsch herum auf die Stange gehängt werden. Alle Kleidungsstücke, die nach einem Jahr noch unbenutzt im Schrank hängen, werden ausgemistet. Auch dies führt einen über einen langen Zeitraum vor Augen, was man wirklich braucht und nutzt.

Dabeibleiben ist alles

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Es dauert seine Zeit, bis wir alte Gewohnheiten ablegen und uns neue aneignen. So kennt vermutlich jeder das Dilemma um Neujahrsvorsätze: Häufig wird motiviert ins Jahr gestartet, beispielsweise sich besser zu ernähren und mehr Sport zu treiben. Nach kurzer Zeit aber verfallen viele in den alten Trott. Auch der Minimalismus ist ein Lebensstil, an den man sich erst gewöhnen muss. Wie schafft man es aber, diesen auch im Alltag beizubehalten? Fakt ist, dass es für die meisten sicher erst Überwindung kostet, sich zu verkleinern und Dinge loszuwerden. Um eine Veränderung im Leben zu schaffen, müssen manche Dinge aber eben weichen. Dabei muss man stets im Hinterkopf behalten, dass Minimalismus natürlich nicht automatisch alle Probleme löst – Ausmisten kann jedoch ein Anfang sein.

Minimalismus ist also eine bewusste Entscheidung, deren Umsetzung Zeit braucht. In Bezug auf materiellen Minimalismus geht es darum, Ordnung zu schaffen und die Dinge, für die man sich bewusst entschieden hat, sinnvoll und vor allem sichtbar anzuordnen und einzusortieren. Allzu oft vergisst man sonst, was man überhaupt alles in Regalen und Schränken versteckt besitzt. Möchte man sich etwas Neues anschaffen, kann man sich selbst zum Beispiel die Regel auferlegen, dass für jedes neue ein altes Teil aussortiert wird. In jedem Fall sollte man immer ehrlich zu sich sein und hinterfragen, was man wirklich braucht.

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