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Minimalismus – die Kunst des einfachen Lebens

 

Unsere Welt wird immer schnelllebiger. Durch das Internet ist alles jederzeit überall verfügbar und auch konsumierbar. Ständig erfahren wir neue Reize. Immer mehr Menschen entscheiden sich jedoch dagegen. Für sie haben Statussymbole und „geiz ist geil“ ausgedient. Frei nach dem Motto „weniger ist mehr“ wählen Minimalisten den Verzicht und den bewussten Konsum und erfreuen sich an einem einfachen Leben, das auch nachhaltiger ist.

Der Begriff des Minimalismus ist kein unbekannter. Schon seit Jahrhunderten spielt die Lebensform des Verzichts und der Enthaltsamkeit in vielen Weltreligionen eine große Rolle. Doch was genau ist Minimalismus?

Bewusster Verzicht als Lebenseinstellung

Beim Minimalismus handelt es sich um eine Lebenseinstellung. Im Mittelpunkt steht der bewusste Verzicht, um in der Folge Platz für das Wesentliche im Leben zu schaffen. Ganz nach dem Sprichwort „Weniger ist mehr“ versuchen Minimalisten, sich auf das Nötigste zu reduzieren und möglichst nur noch Dinge zu besitzen, für die sie sich bewusst entschieden haben.

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Minimalismus kann sich allerdings auf verschiedene Lebensbereiche beziehen. Der Verzicht kann materiell oder immateriell sein. Letzteres kann zum Beispiel weniger Arbeit, das Aufgeben von Gewohnheiten oder das Lösen von Beziehungen bedeuten. Manche Minimalisten verzichten auf das Auto, andere auf eigenen Besitz und wieder andere auf Konsum. Ziel ist es, sich von Sachen zu befreien, die man selbst als Ballast oder belastend empfindet, um ein erfüllteres, selbstbestimmteres Leben führen zu können. Daher gibt es keine klare Definition, worauf verzichtet werden muss und keine Grenzen, wie viel Verzicht für einen minimalistischen Lebensstil notwendig und wie viel Konsum möglich ist. Die Art und das Ausmaß von Verzicht und Konsum wird von jedem Menschen selbst definiert.

In jedem Fall wird der Verzicht nicht als Verzicht, sondern als eine Befreiung und Entlastung empfunden.

Vielfältige Beweggründe führen zum Minimalismus

Die Gründe, warum Menschen sich für ein minimalistisches Leben entscheiden, sind ebenso vielfältig und verschieden wie auch die Ausprägungen des Minimalismus. Dazu vermischen sie sich häufig. Es kann die Lösung für eine empfundene Überlastung und Entfremdung von der Gesellschaft sein, unter der man bewusst oder unbewusst leidet. Minimalismus kann die Möglichkeit sein, um aus den eigenen Alltagszwängen ausbrechen. Es kann aber auch eine individuelle Reaktion auf globale Probleme wie Klimawandel, Massentierhaltung, Fast Fashion oder das Problem des Plastikmülls sein. Diese Probleme können nicht ohne eine Veränderung des eigenen Verhaltens gelöst werden. Ökonomische, ökologische und soziale Faktoren spielen eine Rolle. Doch wie nachhaltig ist Minimalismus?

Minimalismus und Nachhaltigkeit greifen ineinander

Minimalismus führt zu weniger Besitz und bewussterem Konsum. Hierbei zählt in der Regel Qualität statt Quantität, sodass der wenige Besitz häufig auch langlebiger ist und länger genutzt wird. Daher bringen Minimalisten in der Folge weniger Dinge in den Konsumkreislauf. Sie produzieren unter anderem weniger Müll und CO2-Emissionen, die durch die Herstellung und den Transport entstehen.

Dazu übertragen Minimalisten häufig das Konzept auf alle Lebensbereiche als eine Besinnung zurück auf das Wesentliche und die Natur. So bemühen sie sich auch aktiv, möglichst wenig Abfall zu produzieren und den eigenen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Der bewusstere Konsum äußert sich bei vielen in einer bewussteren Ernährung mit Bioprodukten statt Massentierhaltung oder einer gänzlich fleischlosen Ernährung. Der Einkauf von Kleidung findet in Second-Hand-Geschäften statt. Wer zudem bewusster und weniger konsumiert, investiert auch eher in ökologisch und sozial nachhaltige Produkte. So unterstützen Minimalisten häufig Marken, die auf gerechte Bezahlung, Arbeitsumstände und Produktion achten und nachhaltige Materialien verwenden. So gesehen ist ein minimalistisches Leben nachhaltiger und Nachhaltigkeit durch einen minimalistischen Lebensstil leichter umzusetzen.

Wegwerfen als letzte Option

Auf dem Weg hin zu einem minimalistischen Leben ist es auch wichtig, nachhaltig auszumisten. Der aussortierte eigene Besitz sollte möglichst weitergegeben oder wiederverwendet werden. Alles einfach wegzuwerfen würde den minimalistischen Prinzipien in Sachen Abfall widersprechen.

Möglichkeiten der Wiederverwertung sind vielfältig. Soziale Einrichtungen oder Tierheime freuen sich immer über Spenden. Hierbei kann man nicht nur seinen eigenen Besitz vor der Mülltonne bewahren, sondern auch anderen eine Freude bereiten. Aber auch der Verkauf auf Flohmärkten oder in Second-Hand-Läden ist eine Option, die Sachen nachhaltig weiterzugeben und dazu den eigenen Geldbeutel aufzufüllen. Ein anderer Trend geht zum Tauschen und Teilen. Upcycling und Do-it-Yourself Projekte können den aussortierten Gegenständen eine neue Wertigkeit geben und sind eine weitere Möglichkeit der nachhaltigen Nutzung. Sind die Sachen jedoch nicht mehr zu verwenden, dann sollten diese als letztes Übel auch richtig entsorgt werden .

Der Grundgedanke des Minimalismus ist also, nur noch das zu konsumieren und besitzen, was man persönlich braucht und was einen glücklich macht. Dabei definiert jeder das Ausmaß von Verzicht und Konsum selbst und daher auch ganz unterschiedlich – und das ist auch gut so. Es geht nicht um Perfektion, sondern darum, ein Bewusstsein zu schaffen über das, was man besitzt und konsumiert.

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