In einer grünen, sonnigen Landschaft steht ein kleines Einfamilienhaus am Hang, das mit einer Wärmepumpe beheizt wird.
12 Lesern gefällt das

Ampelkoalition stellt Weichen für Aufbruch in „grüne Zukunft“. Was kommt bei Heizungen?

 

Auch, wenn die Regierungsbildung gerade erst abgeschlossen ist, steht fest: Die „Ampel“ aus SPD, Grünen und FDP hat mit dem Koalitionsvertrag ganz klare Zeichen für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Bauwesen gesetzt. Einer der wichtigsten Punkte dürfte über das Gebäudeenergiegesetzt (GEG) die generelle Verschärfung der Energieanforderungen an Neubauten sein, ein anderer die stärkere Fokussierung auf CO2-Einsparung im Gebäudebestand.

Was verändert sich bei der Neubauförderung?

Eines der wichtigsten Signale ist zweifellos der Wegfall der KfW-Förderung für die „Effizienzhäuser 55“, denn das steht exemplarisch für die generell höheren Erwartungen an Maßnahmen zum Klimaschutz: Das Energieniveau EH 55 soll künftig der (ungeförderte) Neubaustandard sein, wie er es technisch heute ja schon meistens ist. Ab 2025 wird dann EH 40 zum energetischen Leistungsmaßstab. Entsprechende Anpassungen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) werden im Januar 2022 erfolgen.

Die frühzeitige und verlässliche Festlegung auf eine solche Förderpolitik ist besonders wichtig, um Investoren und Betreibern Planungssicherheit zu geben. Was für positive Effekte das dann auslöst, lässt sich nämlich sehr gut an der BEG mit ihrer Bezuschussung von Einzelmaßnahmen ablesen: Dieses Programm ist nicht nur generell gut aufgestellt, sondern wird auf hohem Niveau sogar bis mindestens 2030 weiter entwickelt. Energieberater und Handwerker können also Endkunden belastbare Komplettpakete zur energetischen Sanierung schnüren, die finanziell auch dann kalkulierbar bleiben, falls sich die Umsetzung verzögern sollte.

Wie geht´s mit der Hausmodernisierung weiter?

Das Bild zeigt einen Fachhandwerker und ein Endkundenpaar, die sich im Heizungskeller unterhalten.

Die neue Regierungskoalition wird zur Erreichung der Klimaschutzziele deutlich stärker auf Sanierungsmaßnahmen im Bestand drängen. Hier wird die Expertise der Fachhandwerker mehr denn je gefragt sein, um Endkunden zu wirtschaftlichen und praxisnahen Heizsystemen zu beraten.

Das zweite entscheidende Signal der Ampel-Koalition: Um den CO2-Ausstoß zu verringern, muss (und wird) der Gebäudebestand deutlich stärker angefasst als bisher. Dafür soll beispielsweise das Förderprogramm für Serielles Sanieren im BEG noch ausgebaut werden.

Mit diesen Fördermaßnahmen verbunden sind aber auch ganz klar Forderungen, um zu mehr Effizienz und Nachhaltigkeit zu kommen. Ab Januar 2024 gilt für die Hausmodernisierung: Alle ausgetauschten Bauteile, wie zum Beispiel Fenster, müssen dem energetischen Niveau eines EH 70 entsprechen. Bei wesentlichen Änderungen am Bestand muss sogar das gesamte Gebäude den Effizienzhaus-Standard 70 erreichen. Und ab Januar 2025 sollen neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent regenerativ betrieben werden, so der Plan. Dieses Ziel ist ambitioniert, über die technische Umsetzung wird sicherlich noch diskutiert werden. Insbesondere mit Blick auf …

… Sanierungsmaßnahmen im Bestand. Die sind bekanntlich nicht nur technisch besonders herausfordernd, sondern sie sollen – so der Wunsch der neuen Regierung – auf jeden Fall auch wirtschaftlich und sozialverträglich zugleich erreicht werden. Positiv sind hier zweifellos die Signale, fossilen Brennstoffen (und damit den entsprechenden Wärmeerzeugern) eine Übergangszeit zu eröffnen und innovativen Brennstoffen wie „grünem“ Gas oder Wasserstoff (auch in anteiliger Beimischung) eine Chance im Energiemix zu geben, sogar inklusive Förderung.

Wie sieht die Heiztechnik der Zukunft aus?

Die Zukunft der Heiztechnik wird, das zeichnet sich bereits jetzt ab, nachhaltiger und bunter: Mit dem Auslaufen der EEG-Umlage dürfte zum Beispiel Strom preiswerter und dadurch indirekt der Trend zur elektrisch betriebenen Wärmepumpe weiter forciert werden. Unterstützt wird dies durch die Absicht der neuen Regierung, für den CO2-Preis auf fossile Brennstoffe eine Untergrenze von mindestens 60 Euro pro Tonne einzuführen. Denn ab 2027, so der aktuelle Stand, wird die CO2-Bepreisung durch den Markt geregelt. Bis dahin steigt er in festen Stufen – 2022 auf 30 Euro pro Tonne CO2-Ausstoß.

Individuell auf das jeweilige Sanierungsobjekt zugeschnittene Wärme- und Energielösungen setzen zum einen eine umfassende Systemtechnik voraus, die sich durch ein hohes Maß an Kompatibilität auszeichnet. Zum anderen werden die Anforderungen an das Fachhandwerk steigen, solche Anlagen – gegebenenfalls im engen Schulterschluss mit Vaillant als Hersteller – auszulegen und zu installieren. Grund genug für die neue Regierungskoalition, auch diesen Themenkomplex im Blick zu halten und durch eine gezielte Förderung der handwerklichen Ausbildung für die notwendige „Manpower“ zu sorgen, um das Erreichen der Klimaziele auch praktisch realisierbar zu machen. Und das geht nur mit einem drastischen Ausbau der Kapazitäten im Handwerk!

12 Lesern gefällt das

Ein Kommentar

Karsten Lindner

Dieser Beitrag, offenbar noch vor dem Ukrainekrieg verfasst, zeigt das positive Zielbild, wo unser Land hinmuss. Die bisherige Förderpolitik hat sich viel zu sehr auf Komplettmodernisierungen maroder Altbauten fokussiert und die Realität der vielen Bestandsgebäude und ihrer im Finanziellen eingeschränkten Besitzer ignoriert. Millionen Hausbesitzer können und wollen in einem Jahr mal die Fenster austauschen, dann die Heizung sanieren, wenn sie fällig ist, ein andermal das Dach dämmen und abschließend vielleicht eine Solaranlage planen. Solch “serielles energetisches Sanieren” hat die Förderpolitik bisher ignoriert und damit ein riesiges Potenzial zur CO2-Minimierung übersehen. Ich würde mich freuen, wenn die Heizungshersteller mit Ihren positiven Lobbykontakten bei der Regierung darauf drängen, dass solche pragmatischen Effizienzschritte des seriellen Sanierens endlich mit geringem Antragsaufwand gefördert werden, als Zuschuß ohne KfW-Kredit über die Hausbank. Es gibt nicht die eine große perfekte Lösung für die Energie- und Klimakrise. Viele kleine Verbesserungen helfen auch!

Schreibe gerne einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.