CO2-Steuer ab 2021
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“CO2-Steuer” ab 2021: Wie teuer wird das Heizen mit Öl und Gas?

 

Heizungen stoßen viel CO2 aus. In Deutschland entfielen 2018 auf den Gebäudesektor etwa 117 Mio. Tonnen CO2. Im Jahr 2021 sollen es „nur“ noch 70 Mio. Tonnen CO2 sein. Dieses Ziel steht im Bundes-Klimaschutzgesetz. Ein CO2-Preis verteuert deswegen bewusst fossile Brennstoffe, um speziell beim Heizen von Gebäuden den Umstieg auf erneuerbare Energien zu beschleunigen. Außerdem gibt es für umweltschonende Heizungen hohe Fördergelder. Hier die wichtigsten Zahlen, von denen Ihr ableiten könnt, wie teuer das Heizen mit Öl und Gas künftig wird.

Wie hoch ist der CO2-Preis für Heizöl und Erdgas?

Die CO2-Bepreisung – umgangssprachlich auch „CO2-Steuer“ genannt – ist seit 2021 fällig. Unabhängig vom Energieträger beträgt die Abgabe pro ausgestoßener Tonne CO2 zunächst 25 Euro. Das spielt eine entscheidende Rolle, weil beim Verbrennen von Heizöl höhere Treibhausgasemissionen entstehen als bei Erdgas. Pro Kilowattstunde (kWh) Heizleistung beträgt der CO2-Ausstoß von Heizöl nämlich rund 0,27 kg CO2, bei Erdgas sind es nur 0,2 kg CO2.

Dementsprechend machen sich die 25 Euro CO2-Preis pro Tonne bei Öl deutlich stärker bemerkbar. Umgerechnet verteuert sich Heizöl im Jahr 2021 um einen Preisaufschlag von etwa 8 Cent pro Liter, bei Erdgas sind es nur 5 Cent pro m³.

Wie stark steigen die Heizkosten durch die CO2-Abgabe?

Eine moderne Wärmepumpe steht abseits der Terrasse eines älteren Einfamilienhauses.

Mit Wärmepumpen könnt Ihr Euch von der Entwicklung des CO2-Preises abkoppeln. Moderne Wärmepumpen sind inzwischen auch für ältere Einfamilienhäuser bestens geeignet.

Mit diesen CO2-Preisen könnt Ihr Euren Heizölverbrauch oder Erdgasverbrauch aus dem letzten Jahr multiplizieren. So wisst Ihr zumindest, wie hoch die CO2-Abgabe bei Euren Heizkosten zu Buche schlagen wird.

Hier zwei Modellrechnungen für ein typisches Einfamilienhaus: Wer sein Eigenheim noch nicht energetisch saniert hat, braucht für das Heizen der Räume und für die Warmwasserbereitung rund 20.000 Kilowattstunden Gas pro Jahr. Die Mehrkosten durch die CO2-Abgabe (inklusive Mehrwertsteuer) liegt dann bei 120 Euro.

Wird das gleich Haus aber mit Öl beheizt, liegt der Verbrauch bei etwa 2.000 Liter pro Jahr – und weil beim Verbrennen von Öl mehr CO2 ausgestoßen wird, belaufen sich hier die Mehrkosten auf knapp 160 Euro. Ein Plus von 30 Prozent im Vergleich zu Gas.

Nicht berücksichtigt ist dabei natürlich die Entwicklung des Markpreises. Fest steht nur: Auch wenn die Preise für Heizöl und Erdgas wie immer schwanken, wird die CO2-Abgabe auf diese fossilen Brennstoffe weiter steigen.

Wie wird sich der CO2-Preis in der Zukunft entwickeln?

Der CO2-Preis von 25 Euro pro Tonne im Jahr 2021 ist aber nur der Anfang. Denn schon jetzt ist gesetzlich festgelegt, dass der CO2-Preis Jahr für Jahr auf 55 Euro pro Tonne CO2 im Jahr 2025 ansteigt.

Das Jahr 2026 wird dann der Übergang zu einem freien Handel mit Verschmutzungszertifikaten sein. Das heißt: Jeder Marktteilnehmer, der beispielsweise Heizöl oder Erdgas verkauft, muss dann solche Zertifikate ersteigern. Die Verschmutzungsrechte für den CO2-Ausstoß werden verknappt, um im Jahr 2030 dann das angepeilte Ziel von 70 Mio. Tonne CO2-Emission für den Gebäudesektor zu erreichen. Je weniger CO2-Zertifikate gehandelt werden können, umso höher steigt der CO2-Preis. Für 2026 gilt dafür ein gesetzlicher Preiskorridor von 55 bis 65€ pro Tonne CO2-Ausstoß. Ab dann bestimmt der freie Markt den CO2-Preis. Experten gehen davon aus, dass sich bis zum Jahr 2030 das Heizen mit Öl um etwa 35 Prozent verteuert haben wird, das Heizen mit Erdgas um rund 25 Prozent.

Übrigens: Dieses Prinzip macht deutlich, warum die Bezeichnung „CO2-Steuer“ zwar oft genutzt, aber fachlich nicht korrekt ist. Die CO2-Abgabe ist außerdem kein Teil des Steuerrechts.

Mit welcher Heizung lässt sich die CO2-Bepreisung sparen?

Ein Mann sitzt im Garten und vergleicht die absehbaren Mehrkosten für Energie mit der Investition in eine neue Heizung.

Seit 2020 zahlt der Staat erheblich höhere Fördergelder für umweltfreundliche Heizungen. Seit 2021 werden speziell Heizungen, die überwiegend erneuerbare Energie nutzen, zusätzlich gefördert. Der Umstieg rechnet sich, zumal die CO2-Abgabe stetig steigt.

Die Einnahmen aus der CO2-Abgabe werden dafür genutzt, die EEG-Umlage zu senken. Diese Umlage wird auf den Strompreis aufgeschlagen, um die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu fördern. Mit anderen Worten: Strom wird perspektivisch günstiger. Aber auch hier bleibt die Marktentwicklung des Strompreises abzuwarten.

Dennoch: Wer beispielsweise in eine Wärmepumpe investiert, ist in Sachen Energiepreisentwicklung auf jeden Fall schon heute auf der sicheren Seite. Denn für die „grüne“ Umweltenergie, die eine Wärmepumpe nutzt, gilt natürlich keine CO2-Bepreisung. Und für den Stromanteil von etwa 25 Prozent, um 100 Prozent Wärmeleistung zu erhalten, fällt die CO2-Abgabe praktisch auch nicht an, wenn Ihr die Wärmepumpe mit einer Photovoltaikanlage auf Eurem eigenen Hausdach antreibt.

Wer jetzt genau nachrechnet, stellt fest: Trotz steigender Kosten durch die CO2-Abgabe amortisiert sich eine neue Heizung erst nach mehreren Jahren. Deshalb hat die Regierung mit der neuen Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) die Fördergelder für Heizungen, die überwiegend erneuerbare Energie nutzen, nochmals angehoben. Wer beispielsweise in seinem Haus eine Ölheizung gegen eine Wärmepumpe austauscht, bekommt diese Maßnahme bis zu 50 Prozent vom Staat bezahlt.

Mit anderen Worten: Der Umstieg auf eine umweltfreundliche Heizung ist nicht nur gut für die Natur, sondern auch für den Geldbeutel. Und zwar mit jedem Jahr mehr.

Habt Ihr in Eurem Haus eine alte Heizung gegen eine Wärmepumpe ausgetauscht? Teilt Eure Erkenntnisse doch mit allen Lesern in unseren Kommentaren.

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9 Kommentare

Katrin Maier

Wir heizen noch mit Heizöl und haben zum Glück einen Anbieter gefunden, bei dem wir günstiges Heizöl kaufen können. Wir fragen uns, wie es wohl bald mit dem Preis aussehen wird. Ich wusste bisher nicht, dass die CO2-Abgabe kein Teil des Steuerrechts ist. https://www.mackner.at/heizol–diesel/heizoel

Ferdinand Höfer

Wie soll man einen Altbau einfach so umrüsten? Öl auf Gas, heizungsunterstützende Solaranlage – mehr geht meist beim allerbesten Willen nicht. Da helfen auch keine Fördermittel. Soll ich etwa mein Haus (Baujahr 1961), in das ich viel für Wärmedämmung investiert habe, demnächst abreißen?
Als privater Kleinvermieter zahlt man künftig auch noch für die Verschwendung seiner Mieter (hat aber keinerlei Befugnisse, sie darin einzuschränken). Und da wundern sich Leute über Leerstände und explodierende Mieten…
Ich bekomme inzwischen wirklich Existenzangst.

Steve

Im Altbau macht eine Wärmepumpe meist wenig Sinn. Wärmepumpen haben sehr wenig Leistung, daher auch nur mit Vollwärmeschutz 3 fach verglasten Fenstern und Fußbodenheizung. Das bedeutet mindestens ein KFW 55 Haus oder besser. Daher sind Pelletsheizungen meiner Meinung nach im Umbau von Ölheizung die sinnvollste Alternative. Günstiger pro kW/h und cO2 Neutral, daher fällt auch keine Umlage an.
Der Umbau wird auch je nach Modell bis zu 55% gefördert. Normal ist aber 45%.

21 grad Redaktion

Hallo Steve,

danke für Deine Nachricht. Früher waren Wärmepumpen im Altbau tatsächlich eher nicht möglich. Die Technologie hat sich aber weiterentwickelt, sodass auch Wärmepumpen mittlerweile hohe Vorlauftemperaturen schaffen. Daher können sie auch im Altbau eine sinnvolle Alternative ein.

Liebe Grüße,
Jacqueline vom 21grad Team

Torsten grün

Ist doch der Hammer was in diesem Land abgeht,der kleine Mann mit geringem
einkommen und altem Haus mit Ölheizung wird spätestens mit Renteneintritt sein Haus verkaufen müssen denn ,dass ganze System hier lässt den normalo Arbeitnehmer keinen Spielraum für Umbaumaßnahmen via Wärmepumpe und Co.
Hier wird nur Politik für Wohlhabende gemacht ,der kleine Mann bleibt auf der Strecke!

Elke Wut

Stimme Ferdinand und Torsten absolut zu. Wer lebenslang für ein Haus geschuftet, sich hohe Hypothekenzinsen abgespart und auf große Reisen verzichtet hat, anstatt nach Wohnraum und Wohngeld zu schreien, hat jetzt die A-Karte. Jetzt sollen die Häuser auch noch für die nächste Generation präpariert werden, weil die Alten das Klima verdorben haben. Ich bin unsagbar enttäuscht von diesem Land. Übrigens ist es völlig falsch, wenn behauptet wird, dass Wärmepumpen in Altbauten wirklich funktionierten. Es sei denn, Du willst beim Austausch Dein Haus abreißen! Wer’s nicht glaubt, sollte sich den entsprechenden Beitrag bei Plusminus anschauen. Warum wehrt sich eigentlich keiner?

21 grad Redaktion

Hallo Elke,

vielen Dank für Deine Nachricht. Das eine Wärmepumpe im Altbau nicht funktioniert, ist nicht ganz richtig. Es kommt hier auf die richtige Auslegung an. Dann funktionieren auch Wärmepumpen im Altbau sehr gut. Wir haben hier mal ein paar Fakten und Mythen untersucht und auch der von Dir genannte Plusminus Beitrag wird in dem Video erwähnt:
https://www.vaillant.de/21-grad/wissen-und-wert/eine-waermepumpe-fuer-den-altbau-geht-das-ueberhaupt-teil-1/

Liebe Grüße,
Jacqueline vom 21grad Team

Elke Wut

Heute 3000 l Öl für mehr als 2.500 € bestellen müssen, weil der Preis noch weiter steigt Auf Gas umsteigen geht bei uns nicht, weil wir 60 m vom nächsten Anschluss entfernt liegen. Schon die Kosten für die lange Leitung über eine verkehrsreiche Straße wären kaum bezahlbar.

Sollte eine Klage gegen die Co2-Steuer, die gar keine Steuer sein darf, Erfolg haben, würden Milliarden erstattet werden müssen. Der Verbraucher würde davon allerdings nichts wiedersehen. Die “Sache” wurde raffiniert angelegt. Entschieden wurde das von Abgeordneten, die ihre zusätzlichen Einnahmequellen haben, weil ihre Diäten nicht ausreichen.

Uwe Richter

Es gibt auch noch Pellets (Bis zu 55% Förderung durch BAFA). Weshalb in ihrem Bericht nicht darauf eingegangen wird erschließt sich mir leider nicht. Ich habe mich für die Pellets entschieden und kann über die Besteuerung von Öl und Gas nur schmunzeln.

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